Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 28.03.2013

Gerd Eweler geht 2014 in Ruhestand und sucht
einen Nachfolger für die älteste Gaststätte am Ort

"Plankemann" wurde 1830 von Gottlieb Ostermann erbaut - Bewegte Geschichte und viele Biersorten


Im nächsten Jahr geht Gerd Eweler, Besitzer der ältesten Gaststätte am Ort, in Rente. Bis dahin hofft er einen Nachfolger für die Traditionsgaststätte "Plankemann" gefunden zu haben. Foto: Horst Hassel

Horst Hassel

Plettenberg-Eiringhausen. Im kommenden Jahr hat Gastwirt Gerd Eweler das Rentenalter erreicht und wird sich zur Ruhe setzen. Seine Gaststätte "Plankemann" an der Bachstraße ist die älteste Gastwirtschaft am Ort, vermutlich die älteste im Stadtgebiet. Seit 1. Mai 1968 steht Gerd Eweler hinter der Theke - keiner kennt Eiringhausen und seine Bewohner besser als er. Gesucht wird ein Nachfolger, der die historische Gastwirtschaft mit ihren mehr als 60 Plätzen übernimmt.

Wenn die Aufzeichnungen stimmen, hat Gottlieb Ostermann, dem schon die Grundstücke vis a vis gehörten (später entstanden dort die Häuser Lüsebrink, Alberts/Brücher, Tankstelle etc.), vom Grafen von der Mark das Grundstück erworben und 1830 das Haus erbaut. An dieser strategisch günstig gelegen Kreuzung, an der sich die Straßen von Köln nach Soest und die von Hagen nach Siegen kreuzten, könnte schon früh eine Pferdewechsel-Station oder Fuhrmannskneipe als Anlaufstelle gedient haben. Sicher ist, dass wenige Jahre nach der Einweihung der Ruhr-Sieg-Strecke das Haus seinen Besitzer wechselte: Arnold Beelemann und Schwester kauften 1868 dem Gottlieb Ostermann das Haus ab.

Der Nagelschmied Arnold Beelemann hatte, wie fast alle Bewohner jener Zeit, nebenbei Vieh im Stall stehen, betätigte sich darüber hinaus aber auch als Nebenerwerbs-Gastwirt. Noch vor 1900 starb Arnold Beelemann, seine Schwester übernahm die Gaststätte, war damit aber ziemlich überfordert, hatte das, was man heute einen "burnout" nennen würde. Sie verkaufte die Gastwirtschaft samt Konzession an Wilhelm Plankemann aus Neuenrade. 1910 übernahm Plankemann die Schankkonzession.

Zwei Töchter hatte der Gastwirt, Bertha und Martha. Bertha heiratete den Hotelier Voß aus neuenrade, Martha heiratete ca. 1907 den Fabrikanten Wilhelm Eweler. Der hatte 1904 gebaut und damit in Eiringhausen für die markante Silhouette der "Villa Eweler" gesorgt. Wilhelm Eweler hatte im Bereich der Elsemündung eine 1898 eingetragene Fabrik für Gewindebohrer. Später war die Fabrik am Böddinghauser Weg 9.


Aus erster Ehe mit Minna hatte Wilhelm Eweler drei Kinder (Johanna, Friedhofsgärtner Wilhelm und Alfred), aus zweiter Ehe mit Martha Eweler die Kinder Hans (*1908), Siegfried (1909), Grete (früh verstorben) und Ruth (*1916). Letztere machte als "Miß Blond" Schlagzeilen und wurde eine bekannte Schauspielerin. 1910 übernahm Fabrikant Wilhelm Eweler, der Sohn aus erster Ehe, offiziell die Gaststätte, sie wurde wenig später von der Tochter Martha Eweler übernommen. Wilhelm Eweler ging 1928 mit seiner Gewindebohrer-Firma in Konkurs.

1928 fanden nach Aufnahme eines Kredites größere Umbaumaßnahmen statt. Bis dahin hatte man "Spezereiwaaren" im Angebot - Lebensmittel würde man heute sagen. Davon zeugte ein Faß Zucker, welches man nach dem II. Weltkrieg auf dem Dachboden fand. Geheizt wurde die Gaststätte bis dahin mit zwei Kanonenöfen. Es wurde eine Koks-Zentralheizung eingebaut, deren Heizkörper heute noch die Gäste von außen wärmen. Bis 1928 war die Theke links am heutigen Tresen vorbei an der Wand, an der eine Marmorplatte befestigt war. Daraus kamen zwei Zapfhähne, die an zwei Leitungen angeschlossen waren. Die Zapfhähne zieren heute noch zur Erinnerung die damalige "Zapfstelle". Ein Teil der damaligen Ausstattung der Spezereiwaarenhandlung liegt übrigens heute noch auf dem Dachboden.

In den 1930er Jahren übernahm Onkel Alfred Eweler für kurze Zeit die Gaststätte. Der war später Vertreter der Kipper-Brauerei in Remscheid - natürlich wurde bei Ewelers dann Kipper ausgeschenkt. Wenig später übernahm Martha die Gaststätte wieder. Alte Fotos zeigen Anfang der 1940er Jahren deutsche Soldaten in der Gaststätte. 1960 starb Martha Eweler, auf deren Namen durchgängig die Schankkonzession seit 1910 gelaufen war. 1961 wurde die Konzession auf Marie Eweler geb. Rüter, Marthas Schwiegertochter, die aus Wanne-Eickel stammt, die Mutter des amtierenden Wirtes Gerd Eweler, überschrieben.

1968 stieg Gerd Eweler als Lehrling in die Gaststätte seiner damals 55-jährigen Mutter ein. Im Oktober 1988 übernahm er sie offiziell mit neuer Konzession. 1957 gab es die erste elektrische Kühlung in der Gaststätte. "Plankemann", so heißt die Gaststätte seit 1910 bis heute im Volksmund, war immer Treffpunkt der Poahlbürger, der Schützen, der Sänger und vieler anderer Vereine.

Gerd Eweler hat einmal die verschiedenen Biersorten Revue passieren lassen, die im Laufe der Jahrzehnte ausgeschenkt wurden: Germania Dortmund (um 1930), Ritter-Bier (ab Kriegsende bis Anfang der 1950er, einseitig bedruckte Bierdeckel auf dem Dachboden gelegen das), Kipper-Bier aus Remscheid, seit 1957 Krombacher bis heute (damals gab es neue Stühle und den ersten Kunststoff-Fußboden in der Gaststätte), 1968 Kronen-Export, dann Gaffel, ab 1980 bis 2007 Gatzweiler Alt, ab 2007 Potts.

Geändert hat sich das Konsumverhalten der Gäste. Bis in die 1960er Jahre waren es vor allem die Mitarbeiter der umliegenden Firmen wie Graeka, Voß & Schröder, Lennetaler Hammerwerk etc., die ihr Feierabend-Bier bei Plankemann tranken. Die Firmen gibt es in der damaligen Form schon lange nicht mehr. Heute, so Gerd Eweler, halten Internet, Smart-Phon und anderes mehr vom Kneipenbesuch ab. Hoffnung machen in jüngerer Zeit jedoch Gruppen um die 20 Leute stark, die das gemütliche Ambiente der ältesten Gastwirtschaft wiederentdeckt haben.