Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 20.03.2013

Getauft in St. Maria Königin - aber für
die Hochzeit ist die Kirche tabu

Breite Basis will keinen Präzedenzfall schaffen - Klärung bis Ende des Jahres angestrebt


Die Kirche St. Maria Königin im Jahre 1957

Horst Hassel

Plettenberg. Er wurde in der Kirche St. Maria Königin getauft, sein Großvater hätte es gerne gesehen, wenn auch die Trauung des Enkels an dieser Stelle erfolgen würde. Einst hatte der Großvater selbst mit angepackt beim Kirchenbau, war engagiert in der Gemeindevertretung. Heiraten kann sein Enkel dennoch nicht in der Kirche, die einst Mittelpunkt für über 1200 Gläubige war. Die heute zuständige Kirchengemeinde will keinen Präzedenzfall schaffen.

Nach fast zweijähriger Bauzeit fand am 22. April 1957 der erste Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Maria Königin in der Papenkuhle statt. Am 26. Juni 1957 wurde die Kirche durch Bischof Dr. Hengsbach geweiht. In den Altar wurde ein Altarstein eingemauert, in dem sich Reliquien des Hl. Clarus und der Hl. Symphorosa befinden; Anneliese Pfeiffer hatte ein weiteres Reliquiar, eine kunstvoll in Silber getriebene Schatulle, die auf der Vorderseite die Papstkrone und den Schlüssel Petri zeigt, gestiftet, das sie von einem Besuch bei Papst Pius X. in Rom mitgebracht hatte. 1976 kam ein Gemeindehaus zur Kirche hinzu.

Doch seit 2006 ist die Kirche St. Maria Königin in der Papenkuhle nur noch eine "weitere" Kirche. Die Kirchengemeinde St. Maria Königin wurde aufgelöst und der Kirchengemeinde St. Joh. Baptist in Eiringhausen zugeschlagen. Im März 2010 fand noch ein Benefizkonzert zum Unterhalt von Maria Königin statt. Die Kirche ist also in bestem Zustand. Warum eine Heirat in St. Maria Königin nicht möglich oder besser nicht gewollt ist, dazu nahm Pfarrer Patrick Schnell auf Anfrage des "Stadtgespräch" wie folgt Stellung:

"Die Kirche Maria Königin in Ohle ist seit 2006 eine sogenannte "Weitere Kirche", also weder Gemeindekirche, noch Pfarrkirche oder Filialkirche. Die zugehörige Gemeinde ist nun Teil der Gemeinde St. Johann Baptist. Die Seelsorger und der Kirchenvorstand stehen vor der Herausforderung, ALLE Bereiche der Pfarrei in seelsorglicher und finanzieller Hinsicht gut aufzustellen. In diesem Zusammenhang wurde die Frage, was mit den beiden Kirchen geschieht, die 2006 zur "weiteren Kirche" wurden, bisher nicht geklärt. Ebenfalls stehen wir noch immer vor der Aufgabe, Wunden aus der Zeit der Umstrukturierung zu heilen und den Menschen in Ohle eine kirchliche Heimat zu geben, die auf lange Zeit bestand hat.


Zur Osterandacht - wie hier zu Weihnachten - werden sich die Katholiken aus Ohle wieder in der ehemaligen Pfarrkirche St. Maria Königin zusammenfinden.

Zur Zeit wird in Maria Königin an jedem Mittwoch die Heilige Messe gefeiert, darüber hinaus an Weihnachten und Ostern und zu Beerdigungen, wenn diese auf dem Ohler Friedhof stattfinden. Es stimmt also nicht, dass 'eine auch nur sporadische Nutzung von Seiten der Kirchengemeinde abgelehnt wird'. Auch Andachten sind dort zur Zeit möglich.

In der Tat gibt es aber seit letztem Jahr die Regelung, Taufen und Trauungen dort nicht mehr zu feiern, bis klar ist, wie wir mit den Örtlichkeiten weiter umgehen werden. Die Gewöhnung an die jetzige Gemeindekirche Johann Baptist kann man nicht mit der Brechstange erzwingen, aber gerade jüngere Familien können "ihre" Traditionen mit der dortigen Kirche verbinden, wenn sie die entsprechenden Lebenspunkte dort erleben.

Die Klärung bezgl. der Gebäude möchte ich weder übers Knie brechen noch am grünen Tisch finden, sondern gemeinsam mit dem Kirchenvorstand, der Bistumsleitung und denen, die sich derzeit erfreulicherweise mit viel Energie für die Ohler Kirche und das umliegende Gelände einsetzen. Ich strebe diese Klärung bis zum Ende des Jahres an. Wir werden uns sicherlich irgendwann von der Kirche Maria Königin in Ohle trennen müssen, in wie vielen Jahren das sein wird und welche gottesdienstl. Regelungen über das Bestehende hinaus bis dahin getroffen werden können, wissen wir am Ende des Beratungsprozesses."

Auf Dauer kann die Hinwendung der einstmals selbständigen Gemeinde St. Maria Königin in Gänze zur Gemeinde St. Joh. Baptist nicht aufgehalten werden. Jede weitere Nutzung der ehemaligen Pfarrkirche über ein unvermeidbares Maß hinaus, soll nicht stattfinden. So gerne man auch die Hochzeit des Enkels in St. Maria Königin gestatten würd, sie wäre ein Präzedenzfall und zöge weitere Wünsche nach sich. Der Abnabelungsprozess vom eigenen Kirchengebäude zöge sich noch länger hin, sind sich das Pastoralteam und der Pfarrgemeinderat von St. Joh. Baptist einig.


1955: in der Wortmecke (Papenkuhle) haben die Ausschachtungsarbeiten für den Bau der katholischen Kirche St. Maria Königin begonnen. Foto: Archiv Dieter Schneider

INFO
- In der Kath. Schule in Ohle war bis zur Kircheneinweihung ein Klassenzimmer für Gottesdienste hergerichtet.
- Unter Pfarrer Busch wurde Anfang der 1950er Jahre ein Kirchbauverein gegründet.
- Der Bonifatiusverein übernahm das Patronat und sicherte die Finanzierung.
- Die Gesamtlänge der Kirche (1958) beträgt 31 Meter, ihre Breite 12 Meter, die Höhe des Kirchturms beträgt 21 Meter, die Höhe des Kirchenschiffes 13,70 Meter.
- Der Entwurf stammt von dem Diözesan-Baumeister Aloys Dietrich, Paderborn.
- Die Bauausführung lag in den Händen der Firma Schwartpaul, Plettenberg-Eiringhausen.
- Die Baugrube wurde von Gemeindegliedern (Männer, Jungmänner sowie Mitgliedern des Arbeitervereins St. Martin) ausgehoben.
- Die Glocken der Kirche tragen die Töne "fis", "a" und "h" ins Land. Die größte Glocke (670 kg) trägt die Inschrift "St. Michael, schütze Volk und Land", die mittlere die Worte "St. Josef, segne unsere Arbeit" und die kleinste Glocke ruft die Patronin der Ohler Kirche an: "Maria Königin, bitte für uns". Sie wurden im Juli 1958 geweiht.
- Im Dezember 1960 wurde im Raum unter der Kirche die Borromäus-Bibliothek mit über 400 Büchern durch Vikar Pfingsten eröffnet.
- Am 6. März 1983 war der letzte Gottesdienst in der Kirche gefeiert worden. Weil die Statik des Gebäudes nicht stimmte, musste die Kirche in weiten Teilen (Glockenstuhl, Dach des Kirchenschiffes) abgerissen und (erweitert) neu aufgebaut werden. Im Oktober 1983 wurde Richtfest gefeiert.