Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 12.02.2015

Flüchtlinge im Mittelpunkt des Antrittsbesuch bei Ulrich Schulte
Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser informierte und machte Hoffnung


Zum Antrittsbesuch bei Plettenbergs Bürgermeister Ulrich Schulte stand für die CDU-Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser das Thema Flüchtlinge im Mittelpunkt des Gedankenaustausches. Foto: Horst Hassel

Plettenberg. (HH) Ihren Antrittsbesuch bei Bürgermeister Ulrich Schulte, der seit dem 20. Oktober 2015 im Amt ist, machte jetzt die CDU Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser im Plettenberger Rathaus. Sie sitzt seit September 2013 im Deutschen Bundestag. Hauptgesprächsthema waren zwangsläufig die Flüchtlinge, und wie Berlin die Kommunen unterstützt. "Die Politik beginnt inzwischen mit der Betrachtung der Wirklichkeit", stellte Christel Voßbeck-Kayser fest. Sie sitzt im Arbeitskreis Arbeit und Soziales und sieht sich dort ganz konkret mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert.

Ihr Dank galt den vielen "Kümmerern und Paten und auch dem Bürgermeister", die sich mit vielen Ehrenamtlichen für die Betreuung der Flüchtlinge einsetzen. Vorrangige Ziele sind: den Zugang der Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt durchgängiger zu machen, die jungen Flüchtlinge im Alter zwischen 18 und 25 Jahren in eine Ausbildung zu bringen (das Deutsche Handwerk sucht dringend Auszubildende) und anschließend mindestens 2 Jahre weiter zu beschäftigen. Parallel geht es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen bzw. die Nachqualifizierung. Alles gemeinsam führe zu einer Entzerrung der Situation, waren sich Bürgermeister und Bundestagsabgeordnete einig.

Am Beispiel eines syrischen Schneiders, dem man eine Nähmaschine besorgt habe, und der jetzt Kleidung für die Flüchtlinge näht, machte Christel Voßbeck-Kayser auf weitere Möglichkeiten aufmerksam. So könnten geplante 1,05 Euro-Jobs den Kommunen Möglichkeiten bieten, Flüchtlinge so schnell und einfach wie möglich zu beschäftigen. Viele Flüchtlinge seien handwerklich begabt, man prüfe Praktika bis zu einem Jahr, die dann in eine Ausbildung führen.

Bürgermeister Ulrich Schulte berichtete, man habe inzwischen eine Art Meldebogen entwickelt, in dem Parameter wie beherrschte Sprachen oder erfolgte Ausbildungen der Plettenberg zugewiesenen Flüchtlinge erfasst werden. Wichtig sei, dass die Flüchtlinge im Tagesablauf Beschäftigung haben und nicht "durch Rummsitzen rammdösig" werden. Gemeinnützige Tätigkeiten und Praktika müssten zulässig sein. Schulte stellte sich die Frage, ob denn die Betreuer der Flüchtlinge alle ausgebildete Sozialarbeiter sein müssten.

Die Bundestagsabgeordnete erklärte, durch die Rente mit 63 säßen viele kompetente Fachleute zu Hause. Sie verfügten über eine hohe soziale Kompetenz, praktische Erfahrung, Lebenserfahrung, können auf Menschen zugehen, verschaffen sich Respekt, was auch von jüngeren Flüchtlingen eher angenommen werde. Zur Betreuung der Flüchtlinge müsse nicht unbedingt eine sozialpsychologische Ausbildung Voraussetzung sein.

Immer wichtiger werde die Unterstützung der Flüchtlinge, wenn sie in das ALG II überführt werden, so die Abgeordnete. Dann könnten bzw. müßten sie in eigene Wohnungen ziehen, sie anmieten, sich um Strom-, Gas-, Wasser-, Telefon-Anschlüsse selbst kümmern. Hierbei ist die Unterstützung durch ehrenamtlich tätige Bürger bei der "Hilfe zur Selbsthilfe" unverzichtbar. Mit dem Asylpaket II sorge die Bundesregierung dafür, dass die Asylanträge schneller bearbeitet werden können, die Vernetzung der bearbeitenden Behörden untereinander besser wird, in den Erstaufnahmestellen Entscheidungen über Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern schneller fallen.

Neben der Kritk am Land NRW, das die Flüchtlingshilfes des Bundes nicht vollständig an die Kommunen weiterleite, hatte Christel Voßbeck-Kayser auch Zahlen im Gepäck: 7,6 Millionen Euro sind in den vergangenen 10 Jahren an Städtebaufördermitteln nach Plettenberg geflossen, hinzu kämen Fördermittel für die Vier-Täler- und die Zeppelinschule.