Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 06.05.2015

RP Arnsberg weist das Kommunale Integrationszentrum MK an, Schulberatung für Flüchtlingskinder durchzuführen
Schulen dürfen nicht mehr tätig werden - Eigene Beratung nur bei Kooperationsvertrag

Plettenberg. Aus dem Kreis der Unterstützer von "Plettenberg hilft eV" wurde auf Probleme bei der Zuteilung der Schulkinder unter den Asylbewerbern hingewiesen (Stadtgespräch berichtete). Das "Stadtgespräch" hat heute den zuständigen Märkischen Kreis wie folgt informiert:

Beim gestrigen Besuch der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag in Plettenberg (beim Verein "Plettenberg hilft") wurde von den Helfern beklagt, dass sich die Einschulung der Flüchtlingskinder seit Januar 2016 geändert wurde. Bis Ende letzten Jahres habe man sich im Plettenberger Rathaus mit Cornelia Mayworm (Sachgebiet Jugend, Schule, Sport) zusammengesetzt und die Kinder entsprechend ihres schulischen Hintergrundes auf die jeweiligen Schulen "verteilt". Seit Januar sei der Kreis zuständig. Die Schulen selbst dürften nicht mehr entscheiden. Jetzt "füllt man Zettel aus und hört dann nichts mehr". Die Kinder müssten jetzt bis März auf eine Benachrichtigung warten, auf welche Schule sie gehen dürfen...

Folgende Fragen hat Horst Hassel vom "Stadtgespräch" dann formuliert: "Ich freue mich über eine Erklärung der Kreisverwaltung, welches geänderte Verfahren seit Januar gilt, warum die Schulen nicht direkt über die Aufnahmen der Asylbewerberkinder in die entsprechend eingerichteten Klassen entscheiden dürfen, und warum es jetzt beim Kreis bis zur Einschulung so lange dauert?"

Die blitzschnelle Antwort lautet: "Das Kommunale Integrationszentrum (KI) MK wurde von der Bezirksregierung Arnsberg im Oktober 2015 angewiesen (!!!), die Schul-Beratung der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen durchzuführen. Die Schulen sollen diese Beratung ausdrücklich nicht mehr selbst durchführen. Dies ist vom Schulministerium NRW so beabsichtigt. Das Schulministerium fördert die KI mit der Abordnung von Lehrkräften (2 Stellen pro KI). Bei der Durchführung des Beratungsverfahrens haben wir uns an der Praxis derjenigen KI einer Kreisbehörde orientiert, die schon seit mehreren Jahren eine Beratung der Seiteneinsteiger (das sind die oben erwähnten Kinder und Jugendlichen) durchführen.

Seit Ende Oktober bieten wir nun regelmäßig einmal wöchentlich einen Beratungstermin im Kreishaus Iserlohn für das nördliche Kreisgebiet und im Kreishaus Lüdenscheid für das südliche Kreisgebiet an. Darüber hinaus werden, wenn mehrere Familien an einem Ort zu beraten sind, Reihentermin in der jeweiligen Stadt / Gemeinde angeboten. Hier arbeiten wir eng mit den örtlichen Schulverwaltungsämtern zusammen, welche die Termine koordinieren, übrigens in Plettenberg mit Frau Mayworm (!!!). Außerdem ist es möglich, dass eine Kommune die Beratung in eigener Regie durchführt. Hierzu ist ein Kooperationsvertrag mit dem KI erforderlich. Die Städte Balve, Kierspe, Meinerzhagen und Werdohl haben bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Das KI steht mit den Beratern vor Ort - das ist ein festgelegter Personenkreis - in einem engen fachlichen Austausch. Diese Möglichkeit steht auch der Stadt Plettenberg offen.

Mit diesem Verfahren, was zunächst einmal Außenstehenden als umständlich erscheint, ist eine faire und zügige Verteilung der Kinder und Jugendlichen auf die Schulen im Märkischen Kreis möglich. Außerdem kann dadurch der Bedarf an Lehrkräften bei der Bezirksregierung und im Schulministerium zeitnah geltend gemacht werden.

Wir können von hier aus nicht beurteilen, ob die Situation sich für Plettenberg dadurch verschlechtert hat, jedenfalls gibt es auch die Erfahrung, dass Seiteneinsteiger in einer Kommune über Monate auf einen Schulplatz gewartet haben. Noch ein Hinweis: das Beratungsverfahren durch das KI wird ergänzt durch eine Datensammlung der Schulaufsicht. Hier melden die Schulen regelmäßig einmal im Monat ihre freien Kapazitäten. Mit der Beratung durch das KI und dem Wissen über freie Kapazitäten entfällt die freie Suche nach Schulplätzen, die entweder von den Familien selbst oder engagierten Kümmerern vorgenommen wurden. Dies stellte nicht nur die Familien, sondern auch die Schulen immer wieder vor unzumutbare Situationen.

Die Rückmeldungen aus den Schulen zum neuen Verfahren durch das KI sind übrigens nicht durchweg, aber überwiegend positiv. Dass der Eindruck entstehen könnte, beim KI würden nur "Zettel ausgefüllt", ist im Moment den hohen Zuzugszahlen geschuldet. Das KI hat seit Ende Oktober mehr als 400 Schulberatungen durchgeführt. Gerne würden wir die Beratung zeitlich ausweiten und noch stärker inhaltlich auf die Situation der Flüchtlingsfamilien eingehen. Das ist zurzeit aber nicht möglich. Dennoch werden alle für die Schulberatung wesentlichen Fragen geklärt. Nicht zum Kompetenzbereich des KI gehört die Kompensation fehlender Plätze an den Schulen. Hier werden Wartelisten - zumeist von den örtlichen Schulverwaltungen - geführt, so dass die künftigen Schülerinnen und Schüler möglichst rasch nachrücken, oder aber neue Kapazitäten an den Schulen geschaffen werden.