Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 27.01.2016

Polizeidichte im Märkischen Kreis schlechter als in NRW
Es droht ein weiterer Abzug aus dem ländlichen Bereich zugunsten der Großstädte

Märkischer Kreis. Die sogenannte Polizeidichte ist das Verhältnis der Planstellen für Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamte zur Einwohnerzahl des Kreises bzw. Landes (Polizeivollzugsbeamtinnen und Polizeivollzugsbeamte je 1.000 Einwohner). So liegt die derzeitige Polizeidichte im Märkischen Kreis (634 Polizisten zu 416.240 Einwohner) schon bei der erschreckenden Zahl von 1:657. Dies bedeutet, dass ein Polizeibeamter auf 657 Bürger im Märkischen Kreis kommt.

Michael Kern, Stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BdK), Bezirksverband Märkischer Kreis, stellt dazu fest: Wenn man dann noch bedenkt, dass das Land NRW mit einer Polizeidichte von 1:438 im Bundesvergleich auf dem Drittletzten Platz rangiert, wird erst recht klar, wie schlecht die polizeiliche Versorgung hier derzeit ist. Im Bundesdurchschnitt liegt die Polizeidichte dagegen bei akzeptablen 1:384. Hierbei rechnet sich NRW die Zahl noch schön, da auch die Verwaltungsmitarbeiter mit einbezogen werden. Ohne diese läge NRW auf dem letzten Platz.

Dass Ballungsgebiete durch eine hohe Anzahl von Straftaten und Verkehrsunfällen, Großveranstaltungen und Demonstrationen eine größere Polizeidichte aufweisen und damit eine höhere Präsenz gewährleisten müssen, ist unstrittig. Wenn man vor dem Hintergrund steigender Kriminalität und möglichen Bedrohungsszenarien den ländlichen Raum polizeilich entblößt, wird das die Sicherheit im Märkischen Kreis nicht verbessern.

Die 1:657 im Märkischen Kreis sind die statistischen Zahlen. Schaut man sich jedoch einmal die tatsächlichen Zahlen an, so kommt man auf eine viel schlechtere Quote: Aktuell sind 600 Polizisten (einschließlich Verwaltungsmitarbeiter die nicht im Vollzug eingesetzt sind) im Märkischen Kreis tätig. Wenn man dann von einer tatsächlichen Einsatzleistung von 75% dieser verbliebenen Polizeibeamten (abzüglich Urlaub, Krankheit, Fortbildung, Teil- und Elternzeit pp.) ausgeht, stehen dem Märkischen Kreis de facto nur 450 Polizisten zur Verfügung, was die tatsächliche Polizeidichte weiter verschlechtert. Anzumerken bleibt, dass die 75% Einsatzleistung aber auch in jeder anderen Behörde zugrunde gelegt werden muss.

2017: 1 Polizeibeamter auf 1.100 Bürger
Wirft man nun noch einen Blick auf die zukünftige Personalentwicklung der Polizei NRW, so wird das Bild der Inneren Sicherheit noch düsterer, da in den kommenden Jahren landesweit etwa 4.000 Polizeibeamte fehlen werden. Auf den Märkischen Kreis heruntergerechnet wird dies zu einem Verlust von ca. 80 Polizeibeamten führen. Dies wird dazu führen, dass auf 1.100 Bürger im Märkischen Kreis nur noch 1 Polizeibeamter kommen wird.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist daher die Ankündigung von Ministerpräsidentin Kraft, dass sie zusätzlich 500 neue Polizisten einstellen will. Bis die jedoch tatsächlich auf der Straße oder bei der Kripo angekommen sind, dauert es noch mindestens drei Jahre. Als Reaktion auf die erschreckenden Ereignisse in Köln, will Frau Kraft kurzfristig 500 Polizisten an den Einsatzbrennpunkten in den NRW-Großstädten einsetzen. Dies bedeutet für den Märkischen Kreis eine Zusatzbelastung, da die hierfür benötigten Polizeibeamte in der ländlichen Fläche abgezogen werden müssen.

Als Folge der Mangelverwaltung wird sich der Bürger im Märkischen Kreis mit der Schließung von Polizeiwachen, längeren Wartezeiten bei Polizeieinsätzen (sog. Einsatzreaktionszeiten) und einer Steigerung der Kriminalitätsrate anfreunden müssen. Der erschreckend hohe Anteil an Wohnungseinbrüchen sei hier nur beispielhaft genannt.

Schon jetzt ist der reine, patrouillierende Streifenwagen in der ländlichen Fläche ja eher die Ausnahme. Der Märkische Kreis wird daher noch „attraktiver“ für überörtlich agierende Einbrecherbanden, die aus dem Ruhrgebiet anreisen und hier kaum mit Polizeipräsenz rechnen müssen. Um dieses sich anbahnende Szenario abzuwenden, bedarf es einer Neuausrichtung in der landesweiten Personalzuweisung, die insbesondere die topografischen Besonderheiten des Märkischen Kreises berücksichtigen muss.

Bei der Ausbildung der Polizei NRW muss man weg vom Einheitsbrei der vergangenen Jahre. Die wachsende Kriminalitätsbelastung durch Tätergruppen mit organisierten Strukturen und Logistik muss mit besonderen Fachkräften der Kripo entgegen gewirkt werden, ausgerüstet mit adäquaten technischen Mitteln. Eine Steigerung der Präsenz auf der Straße ist gut und wichtig. Der „Schutzmann“ muss wieder für den Bürger sichtbar sein. Die weitere Bearbeitung der Delikte und der kriminellen Strukturen können nur mit einer qualitativ und quantitativ gestärkten Kripo bekämpft werden.