Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 04.09.2014

Staatsanwaltschaft ist dem 'Lindenmörder' auf der Spur
Ausschuss: Allee an der Ratschelle bleibt stehen - 90.000 Euro Geldstrafe droht wirtschaftlich potentem Täter


Der zweite, dritte und vierte Baum wurden durch einen Giftanschlag geschädigt. Im kommenden Frühjahr fällt die Entscheidung, ob die Bäume gefällt werden. Laut Gutachter werden sie sich nicht erholen, sind aber standfest. Foto: Horst Hassel

Plettenberg. Vorsitzender Bernd Paulus (SPD) fasste soeben das Ergebnis der Diskussion über die Linden an der Ratschelle im Bau- und Liegenschaftsausschuss (BuLA) wie folgt zusammen: "Die drei ermordeten Linden bleiben stehen. Möge sich der Mörder noch lange an dem Anblick 'erfreuen'!"

Ein Blick zurück: Per Bürgerantrag hatte ein Anwohner die mangelnde Pflege der Lindenallee (10 Bäume) auf der Ratschelle durch den Baubetriebshof kritisiert sowie fehlende Straßenreinigungsmaßnahmen wegen der immensen Laubmengen reklamiert. Im vergangenen Jahr fand deshalb eine Ortsbesichtigung statt, ein Gutachter wurde um Hilfe gebeten. Der riet jetzt von einem Rückschnitt "aus baumsachverständiger und wirtschaftlicher Sicht" ab. Den Rückschnitt hatte ein weiterer Bürgerantrag von 29 Anliegern für die Straßen Auf der Ratschelle und Zeppelinstraße gefordert. Beide Anträge wurden heute gemeinsam behandelt.

Zwischenzeitlich hat ein Unbekannter allerdings Fakten geschaffen: drei der zehn Linden wurden vergiftet, werden sich davon voraussichtlich nicht erholen. Alle Fraktionen im BuLA waren sich einig, die Linden stehen zu lassen. Die von der Verwaltung ins Spiel gebrachte Ersatzpflanzung von Amberbäumen wurde abgelehnt. Besonders deutlich wurde Heiko Hillert (CDU): "Es kann nicht sein, dass hier ein Bürger durch Gift versucht, vollendete Tatsachen schafft. Die Politik entscheidet! Wir lassen uns das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen!"

Bürgermeister Klaus Müller berichtete, die Verwaltung habe damals Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Mittlerweile ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft konkret gegen Personen. Hillerts Anregung, Schadenersatz zu fordern, wenn der Täter ermittelt wird, ließ Baubetriebshofleiter Steinhoff Summen nennen: "4.500 Euro kostet eine Linde. Die Staatsanwaltschaft hat uns gebeten, keine Tatsachen zu schaffen, also die vergifteten Bäume noch stehen zu lassen. Auf 20.000 Euro pro Baum plus 10.000 Euro Nebenkosten, ebenfalls pro Baum, summiert sich unter Umständen die Schadenersatzstrafe von insgesamt 90.000 Euro. Die Summe richte sich nach der wirtschaftlichen Potenz des Täters."
Die Anmerkung aus der Runde der Ausschußmitglieder "Es trifft ja keinen Armen" machte deutlich, wem man die Tat zutraut. Einig war man sich auch darin, die Kehrmaschine bei starkem Laubanfall auch zur Ratschelle zu schicken.


Das ist die Ratschelle im Jahre 1936, aufgenommen von Ludwig Müller. Von einer Lindenallee ist damals weit und breit noch nichts zu sehen. Foto: Archiv Horst Hassel