Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 07.05.2014

Startsignal für den Bau des MyCenter im Herbst möglich
Häuser an der Bahnhofstraße den Sepa gekauft - 8 Millionen für Real-Gebäudesanierung "aus der Luft gegriffen"

Plettenberg. (HH) "Wir stellen Ihnen nichts Neues vor", eröffnete Thomas Weinig (Sepa Projektentwickler) gestern im Ratssaal die Bürgerversammlung zur Bebauung des Mylaeus-Geländes mit geänderter Auswirkungsanalyse. Durch den Einspruch des Regierungspräsidenten hatte Sepa seine Pläne reduzieren müssen. Was Thomas Weinig in Ansichten und Kartenskizzen vorstellte, war den rund 40 Politikern und interessierten Bürgern in der Tat nicht neu - es ist alles bereits veröffentlicht worden.

Mit potentiellen Mietern habe die Sepa wegen der noch nicht beschlossenen Bebauungsplanänderung nicht weiterverhandeln können, so Weinig. Neue Zeichnungen mit Details seien daher nicht erforderlich gewesen. Weinig betonte erneut den Vorteil zweier Magneten, verbunden durch die Fußgängerzone. Zweieinhalb Minuten gehe man vom Maiplatz bis zum Alten Markt, ebenfalls zweieinhalb Minuten vom geplanten MyCenter zum Stephansdachstuhl. Mit den Grundstückseigentümern der Häuser an der Bahnhofstraße (Ausnahme: Restaurant Zur Krone) habe man Verträge geschlossen. "Wir wollten eigentlich nur die Gärten dahinter, aber das war natürlich nicht möglich. Wir haben die Häuser erworben, werden sie jetzt umbauen und wieder auf dem Markt anbieten", so Weinig.

Der Sepa-Vertreter machte deutlich, dass er mit Edeka Moers "sehr weit in den Verhandlungen" sei. Viele Händler-Namen auf den Plänen seien zunächst symbolisch zu sehen. Mit der Drogeriekette dm könne man sofort abschließen. Den Kaufvertrag mit der Stadt für das Mylaeus-Grundstück könne man erst unterzeichnen, wenn die Bürger mit dem Entwurf einverstanden sind. Bei der Gestaltung habe man sich für eine hochwertige Fassade mit Ziegeln und nicht mit weißem Putz wie bei Discountern entschieden.

Monika Kollmar (GMA) stellte fest, für die neue Auswirkungsanalyse habe man eine Fleißarbeit gemacht und sich die Umlandgemeinden besonders genau angeguckt. Auch wusste sie von potentiellen Mietern, "mit denen der Herr Weinig schon sehr weit ist in den Verhandlungen". Aus dem Bereich der Innenstadt sah sie manchen Einzelhändler, "der dorthin zieht, wo mehr Frequenz ist". Nach ihren Vermutungen also in Richtung MyCenter.

Christa Hoyer eröffnete den Reigen der Fragen aus der Bürgerschaft mit der Feststellung, die jetzt vorgestellte Auswirkungsanalyse sei in vielen Bereichen mit der im September 2013 vorgestellten Analyse vergleichbar und nannte Beispiele identischer Seitentexte. "Jetzt wird uns das Ding als neu verkauft!" Monika Kollmar stellte klar, beim Januar-Termin beim Regierungspräsidenten seien die Themen "Verzicht auf Elektrowaren, dafür Textilien und Drogeriewaren, sowie der Erhalt der Gebäude an der Bahnhofstraße wichtig gewesen. Die Bezirksregierung habe ausdrücklich gesagt, dass man nicht tangierte Analysebereiche unveränderten übernehmen könne. Bürgermeister Klaus Müller assistierte: "Die veränderten Sortimente und Größenanpassungen sind aktualisiert worden."

Diethard Küppers wollte wissen, wie unabhängig eigentlich die GMA von Sepa ist. "Sehr viel arbeite man nicht zusammen", sagte Monika Kollmar. Sie habe die Gesamtumsätze der GMA mal auf die Anteile von Sepa untersucht - es seien weniger als fünf Prozent. Thomas Weinig ergänzte, die Zusammenarbeit erfolge immer in Abstimmung mit den Kommunen. Auch hier ergänzte Klaus Müller: "Es gibt nicht unendlich viele Projektentwickler. Wir arbeiten doch schon seit 15 Jahren mit der GMA zusammen."

Delia Schulte wollte wissen, ob die beiden Baukörper der neuen Planung gleichzeitig gebaut werden. Weinig bestätigte das: "Das funktiniert nur, wenn die Baumaßnahme aus einem Stück abgewickelt wird. Man kann doch nicht einen Teil der Geschäfte öffnen und denen dann noch Bauarbeiten an Parkplätzen und Gebäuden zumuten." Erneut diskutiert wurde die immense Höhe der außerhalb Plettenbergs gekauften Lebensmitteln. Gundel Kurth: "Es fährt doch wegen Lebensmittel niemand nach Altena, Meinerzhagen oder Sundern!"

Plettenberg habe einen hohen Einpendler-Überschuss, erinnerte Klaus Müller. Davon profitiere die Stadt auch. Josef Spahn ergänzte, an manchen Tagen seien mehr Plettenberger im WK in Werdohl oder im Sterncenter in Lüdenscheid als in der Fußgängerzone. "Wenn mehr Leute hier einkaufen würden, hätten wir das Problem nicht. Die Ausnahme ist Maiworm. Wenn es ein Zentrum auf dem Mylaeus-Gelände gibt, werden wieder mehr in Plettenberg einkaufen. Bürgermeister Müller stellte mehrfach fest, er könne sich in Plettenberg mangels Angebot und Auswahl keinen Anzug kaufen, wegen der Größe auch keine Schuhe.

Richtiggestellt wurde so nebenbei der Investitionsbetrag, den die Böhne KG für die Sanierung des Real-Gebäudes am Maiplatz einsetzen will. Die in der Presse genannten 8 Millionen Euro seien aus der Luft gegriffen, stellte Karin Gutschlag klar. Sie habe im Gespräch mit Joachim Küper (Rendita Colonia) erfahren, dass er keine konkrete Summe genannt habe, und das auch jetzt nicht tue.

Wie sieht der Zeitplan für die Realisierung des MyCenter aus, wollte Rüdiger Rahs wissen. Weinig: "Bis nach der Sommerpause werden wir die Kaufverträge für die Grundstücke unterschreiben, dann sollten alle Kaufverträge mit den Händlern in Angriff genommen werden. Einen Bauantrag können wir eigentlich erst stellen, wenn der Bebauungsplan als Satzung beschlossen ist. Aber wir würden die Offenlegung schon im Herbst schon als Startsignal werten."

Harte Kritik musste sich der Bürgermeister anhören. Vor 2 Jahren habe er schon die Erneuerung der Innenstadt "ab Montag" angekündigt. Bis heute sei nicht, aber auch gar nichts geschehen. "Ich bin nicht nur Bürgerin, sondern auch Betroffene dieser Katastrophenstadt!" wetterte die Einzelhändlerin. In Altena habe man Zuschüsse bekommen und der Stadt ein attraktives Gesicht gegeben. Der Bürgermeister verwies auf die Bürgerbeteiligung in den Arbeitskreisen zur Neugestaltung der Innenstadt. Erst wenn ein schlüssiges Konzept vorliege, könne man auch Zuschüsse beantragen. Trotz vorgerückter Stunde wurde weiter diskutiert, aufgelockert durch Klaus Isings Versprecher zum MyCenter: "Lasst uns das anpacken, damit wir in einem halben Jahr Eröffnung feiern können!"