Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 05.05.2014

KOMMENTAR
Konkurrenz belebt das Geschäft - gilt das auch für Rat und Verwaltung?

"Herr Lehrer, ich weiß was!" Diese altbekannte Vorgehensweise drängt sich auf, wenn man das Protokoll eines Gesprächs beim Regierungspräsidenten (RP) in Arnsberg liest. Rüdiger Rahs hatte kürzlich Einsicht in dieses Protokoll verlangt und bekommen. Der RP hatte angesichts der heute schon bestehenden Überversorgung die Größe des geplanten Lebensmittel-Areals für das MyCenter von 2.120 auf 1.600 qm herabgesetzt. Außerdem zweifelt der RP - wie viele Bürger auch - den im GMA-Gutachten behaupteten hohen Anteil von Lebensmittelkäufen in Nachbarstädten an.

An der Sitzung in Arnsberg am 8. Januar 2014 nahmen nicht nur Vertreter der Stadt Plettenberg, sondern auch die Sepa mit den Herren Weinig und Dr. Menke (Rechtsanwalt der Fa. Sepa) sowie Ex-Sepa-Mitarbeiter Feldick (jetzt mit eigener Firma MFP Projektentwicklung) teil. Ziel war es offenbar, die Einschränkungen des RP abzuwehren. Bürgermeister Klaus Müller war sich nicht zu schade, den baulichen Zustand des Real-Gebäudes als Argument für das Sepa-Projekt zu nutzen: "Seit Monaten sei ein Teil der unteren Parkebene im 1. OG abgesperrt. Im Gebäude seien an mehreren Stellen Undichtigkeiten festzustellen. So bestehe zumindest der Eindruck, dass die Eigentümerin nicht gewillt sei, nachhaltig in den Erhalt und in die Sanierung des Gebäudes zu investieren", machte Müller den Realbau madig, hatte sogar eigens Fotos vom Parkdeck mitgebracht.

Um zu vertuschen, dass die Stadt sich - wohl ganz bewusst - nicht mit dem Eigentümer des Real-Gebäudes in Verbindung gesetzt hat, liefert der Bürgermeister dem Regierungspräsidenten Verschwörungstheorien: "Erst kürzlich sei wieder in der Presse zu lesen gewesen, dass sich real von unrentablen Märkten oder solchen mit kurzen Mietverträgen trennen wolle. Die Lage könne man aber für Plettenberg nicht definieren, da man weder die Zahlen noch die genauen Vertragsverhältnisse kenne. Die Stadt könne sich deshalb auf die dauerhafte Versorgung durch real nicht verlassen."

Die Forderung der Sepa: Im Nahrungs- und Genussmittelbereich soll ein Edeka-Markt mit ca. 2.400 qm Verkaufsfläche vorgesehen werden (darin enthalten ca. 150 qm für einen Bäcker; darin enthalten 1.800 qm Lebensmittel bei Edeka und 80 qm Lebensmittel beim Bäcker). Eine Reduzierung der Verkaufsflächen werde von Edeka eindeutig abgelehnt.

Nun darf man hoffen, dass man beim RP rechnen kann und erkennt, dass 1.600 qm nicht 2.400 qm sind. Vielleicht erkennt der RP auch, dass der Stadt klare Fakten fehlen, denn des Bürgermeisters "ich weiß, dass ich nichts weiß" kann nicht zur Entscheidungsfindung beitragen. Es war genug Zeit und genügend Informationsgrundlagen im Rathaus vorhanden, um mit der Rendita Colonia bzw. der Eigentümerin Hans Böhne Warenhaus KG Kontakt aufzunehmen. Die mögliche Antwort von dort passte aber wohl nicht zu den eigenen Zielen.

Gegner wie Befürworter des MyCenter "glauben" zu wissen, warum das eine - bauen - bzw. das andere - nicht bauen - richtig ist. Als die Denkmalförderer die Kunde vom 8 Millionen-Invest im Real-Gebäude verkünden, zog man sich auf einen fehlenden Bauantrag zurück. Für das MyCenter gibt es nicht einmal einen rechtsgültigen Bebauungsplan seit der RP den vorhabenbezogenen Plänen eine Absage erteilt hat. . . Konkurrenz belebt das Geschäft? Gilt das nicht auch für Rat und Verwaltung?

Horst Hassel