Erste Online-Zeitung für Plettenberg und den Märkischen Kreis - 04.09.2013

Hochbunker 15/HAG/5 Sonntag erstmals zu besichtigen
Stadt Hagen zeigt "ungeliebte Denkmale" - Einer von sieben Hochbunkern - Seit 1945 nahezu unverändert erhalten


Das ist der Hochbunker 15/HAG/5 an der Bergstraße 98 mitten in Hagen (hinterm Stadttheater). Er wird am kommenden Sonntag von 11 bis 18 Uhr erstmalig für die Öffentlichkeit zu besichtigen sein. Die Besonderheit ist, dass dieser Hochbunker im zu besichtigenden Kellergeschoss nahezu unverändert erhalten ist. Farbfotos: Horst Hassel

Hagen (HH) Erster Bürgermeister Dr. Fischer wird am kommenden Sonntag, 8. September, um 11 Uhr den Denkmaltag in Hagen vor dem Hochbunker Bergstr. 98 offiziell eröffnen. Erstmalig kann ein Hochbunker im Originalzustand besichtigt werden, denn die Eigentümer haben ihren Bunker in vorerst einer Etage, im Kellergeschoss, so hergerichtet, dass eine Besichtigung möglich ist. Ab 11.30 Uhr beginnen Führungen im 15-Minuten-Takt durch den Bunker.

Insgesamt sieben Hochbunker gab es in der Stadt Hagen, sechs davon stehen noch, sind aber meist umgebaut und einer anderen Nutzung (Firmengebäude, Vereins- und Trainingsräume, Soziale Einrichtung, Wohnungen) zugeführt. Der Hochbunker Nr. 5 liegt zentral in der Stadt hinter dem Stadttheater. Er fällt durch seinen grünen Bewuchs kaum ins Auge. Erst beim zweiten Hinsehen erkennt man den typischen Bunkerbeton. Nach dem Krieg wurde der Bunker kurzzeitig als Hotel und Notunterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene genutzt. Das nachfolgende Foto lässt geradezu eine Idylle mit Gartencafe vermuten, doch all zu angenehm dürfte die Erinnerung an Bombenkrieg und Flucht in Bunker nicht gewesen sein.


So sah der Hochbunker unmittelbar nach dem Krieg aus. Im Erdgeschoss hatte man das "Hotel Stadt Hagen" eingerichtet. Da Hagen zu 80 Prozent zerstört war, wurden in den Bunkern Übernachtungsmöglichkeiten, Büros und Wohnungen eingerichtet.

Im Grußwort des Bürgermeisters zum Denkmaltag heißt es unter anderem: "Dank der großzügigen Eigentümer des Hochbunkers in der Bergstraße können Sie sich selbst davon überzeugen, wie es den Menschen in den traumatischen Zeiten des Zweiten Weltkrieges ergangen ist. Bombenangriffe waren in den letzten Kriegsjahren leider täglich Realität, und die Bunker und Stollenanlagen sind Zeugen davon. Der Hochbunker in der Bergstraße zeigt sich im Untergeschoss nahezu unverändert und bietet einen eindringlichen Blick in diese Schreckenszeit."

In einem Flyer zum Denkmaltag heißt es: "Als Baudenkmäler besitzen die Hochbunker im Stadtbild eine hohe Aussagekraft. Sie sind wichtige Gedenkorte für den Bombenkrieg, dem allein in Hagen mehr als 2000 Menschen zum Opfer fielen. Desweiteren erinnern sie an Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft im Nationalsozialismus. Darüber hinaus vermitteln sie die Erinnerung an die entbehrungsreichen Jahre der frühen Nachkriegszeit."


Die Beschriftung an den Bunkerwänden weist u. a. auf die Gasschleusen hin. Da der Bunker gasdicht ausgelegt war, gab es ab einem bestimmten Zeitpunkt - wenn Überdruck im Innern hergestellt wurde - keinen Einlass mehr in den Bunker.

Das Team des Denkmaltages hat sich entschlossen, den Sonntag dem Bunker und seiner ganzen unmittelbaren Geschichte zu widmen. Auf dem Vorplatz gibt es die Gelegenheit für Zeitzeugen und andere Interessierte sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen, bzw. im "Erzählcafe" den Erinnerungen anderer zu lauschen. Außerdem gibt es Fotos des zerstörten Hagen zu sehen und die Warnmeldungen jener Tage nachzulesen.


Das Notstrom-Aggregat aus dem Jahre 1943 musste zur Belüftung und Beleuchtung des Bunkers anlaufen, wenn die öffentliche Stromversorgung des Stadtteils durch einen der zahlreichen Bombenangriffe ausgefallen war.

Neben der Bunkerbesichtigung bietet die Untere Denkmalbehörde der Stadt eine "Stadtrundfahrt Hagener Denkmäler" unter der Leitung von Michael Eckhoff. Dazu fährt der Bus ab Bergstr. 98 um 13 (Rundfahrt endet um bis 16 Uhr) die meist ungeliebten Monumente, Kriegerdenkmale, Brunnen und Ehrenhaine der Stadt an, die meist zum Gedenken an die "Helden", die gefallenen Soldaten oder die getötete Zivilbevölkerung errichtet wurden.


Meterhoch lag der Schutt der zerbombten Häuser 1945 in Hagen auf den Straßen.