Geschichte der Plettenberger Polizei
gegr. 1735

zusammengestellt von Horst Hassel

(Stand 1.11.1995)

Die Ursprünge der Polizei als Aufsichts- und Ordnungsorgan liegen im Mittelalter. Durch das Aufkommen der durch Mauern befestigten Städte mit dichter Bebauung, in denen zur Kontrolle von Feuerstellen in den strohgedeckten Häusern etc. Nachtwächter ihren Dienst versahen, war eine Institution zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit erforderlich - die Polizei.

So gab es in Plettenberg Torwächter, die jede aus der und in die Stadt ziehende Person kontrollierten. 1732 hatte die Stadt zwei »Stadt-Wachten« angestellt, die beide zusammen 14 Tlr. und 4 Stbr. im Jahr bekamen. Mit der Städte-Ordnung im Jahre 1735 wurde die »Polizei« auch unter diesem Namen eingeführt. Damit gilt dieses Jahr als Gründungsjahr der Polizei in Plettenberg.

Damals war einer (von insgesamt zwei) der Senatoren für die Durchführung der Polizeivorschriften (Brot-, Bier-, Fleischtaxe etc.) zuständig. 1745 wird Bernhard Baumeister als »Polizeibürgermeister« erwähnt. Von 1763-1799 hatte Henrich Moritz Baumeister dieses Amt.

Vermutlich ab 1800 gab es dann "Polizeidiener”, also vor Ort tätige Beamte, die auf die Einhaltung der Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen achteten. Daß diese "Polizeidiener” zunächst aus ehemaligen Militärangehörigen oder Invaliden rekrutiert wurden, belegen Urkunden im Stadtarchiv. Die ersten "Polizeibeamten” hatten weder eine Ausbildung, noch wurden ihnen - aus heutiger Sicht - besondere Fähigkeiten abverlangt.

Zuständig für die Einstellung der "Polizeidiener” war 1822 die Königlich Preußische Regierung in Arnsberg, die sich wiederum eines in Altena sitzenden Landesdirektors (heute würde man "Landrat" sagen) bediente, um die Dienstfähigkeit der Polizeibeamten zu prüfen. Mit Schreiben der Königl. Preuß. Regierung in Arnsberg vom 17. März 1822 wird dies belegt:

An den Herrn Landesdirektor von Holzbrink zu Altena

(Stadtarchiv-Akte B 50, fol. 7) 1. April 1822
Da unter den zur Polizeidiener Stelle zu Plettenberg sich gemeldeten Individuen nur der Heinr. Ries den Anspruch dazu durch freiwilligen Militärdienst nachgewiesen, dieser aber wegen stammelnder Sprache für nicht qualifiziert gehalten werden kann, so haben wir den in Iserlohn sich aufhaltenden Invaliden Caspar Heinrich Conrads als Polizeidiener zu Plettenberg ernannt und selbigem das Anstellungsdekret durch den Herrn Landrath Müllensifen mit der Aufforderung zustellen lassen, sich längstens binnen 14 Tagen bei Ihnen zu melden.
Auf den Bericht vom 18tn ds. Monats setzen wir Sie hiermit nachrichtlich in Kenntnis.
Arnsberg d. 17. Maerz 1822

Königlich Preußische Regierung Itn Abtlg.
Dach Sauer D'Alquen

(Abschriftlich an den Herrn Bürgermeister zu Plettenberg zur Nachricht)

Um einen Polizeidiener einstellen zu können, mußte die Stadt also in Altena bzw. Arnsberg die entsprechende Genehmigung einholen. Bezahlt wurden die Polizeidiener von der Stadt, wobei die Höhe des Gehaltes nicht ohne Rücksprache mit Altena oder Arnsberg festgelegt werden durfte. Zahlreicher Schriftverkehr aus dem frühen 19. Jahrhundert belegt, daß die Polizeidiener mit ihrem Gehalt nicht auskamen und immer wieder Anträge auf eine bessere Besoldung stellten.

Wer in den Polizeidienst eingestellt wurde, mußte sich einer Fähigkeits-Prüfung beim Landesdirektor in Altena unterziehen. Einer der ersten Polizeidiener, der diese Prüfung ablegte, was Caspar Heinrich Conrads aus Iserlohn. Über das Ergebnis der Fähigkeits-Prüfung gibt es im Stadtarchiv in der Akte "Anstellung und Bestätigung der Polizeidiener” (Registratur B 50) nachfolgenden Bericht des Landesdirektors von Holzbrink:

Auszug aus dem Schreiben an den Bürgermeister der Stadt Plettenberg, den Polizeidiener Caspar Heinrich Conrads betreffend:

An den Herrn Bürgermeister Thomee zu Plettenberg

(Stadtarchiv-Akte B 50, fol 3) Eingang: 16. April 1822

Der für Plettenberg zum Polizeidiener ernannte Conrads hat sich mit Überreichung Ihres Berichtes vom 13. dieses bei mir gemeldet. - Bei der hier mit demselben vorgenommenen Prüfung hat sich gefunden, daß der Conrads Gedrucktes lesen kann, wiewohl er noch nicht sonderlich darin geübt, zum Lesen selbst deutlicher Handschriften aber nicht imstande ist und nur einige Worte daraus mit Mühe zusammensetzt. Ferner außer seinem Namen noch wenig aus eigenem Gedächtnis und richtig zu schreiben, auch die ihm deutlich vorgeschriebenen Worte nur recht mangelhaft nachzuschreiben versteht.
Hiernach besitzt nun zwar der Conrads die Kenntnisse nicht, die einem Polizeidiener erforderlich sind, derselbe äußert indessen, wie er das Schreiben erst ganz kurze Zeit geübt habe, hierin aber sowohl als im Lesen desselben sich ferner vervollkommnen wolle und er sich die Fähigkeit zutraue, darin nach einigen Wochen das Erforderliche leisten zu können.
Ich habe ihm dazu eine Frist von 4 Wochen bestimmt und dabei bemerkt, falls er alsdann die erforderliche Brauchbarkeit nicht erlangt habe, nächstes auf seine Entlassung bei der Regierung angetragen würde.
Bei diesen Umständen und da der Conrads nun auf Widerruf angestellt ist, ersuche ich Sie daher, denselben einstweilen in seinen Dienstverrichtungen zu unterstützen und mit nach Ablauf der obigen Frist über seine Fähigkeiten, sein Betragen pp anderweitig vollständigen Bereicht zu erstellen, allenfalls den Conrads anzuweisen, sich sodann zur näheren Prüfung bei mir persönlich wieder einzufinden.
Altena den 15tn April 1822

der Landesdirektor
v. Holtzbrinck

Polizeidiener in Plettenberg sind nach bisher vorgefundenen Urkunden und Berichten gewesen:

Caspar Heinrich Conrads aus Iserlohn (1822-1825), Peter Moritz Kümmel (1825-1830), Rudolph Kayser (1830-1831), Rogge aus Hattingen (1831-1839 für Stadt u. Amt, 1839-1841 für die Stadt), Gottlieb Sommer aus Scheren/Harlingen (1840), Caspar Heinrich Arens aus Hamm (1840), Heinr. Solms (1842-1863), P. W. Schröder (1844); Wilhelm Basse aus Niedernberg/Menden (1844); Aug. Solms (1864-1870); Wachtmeister Pohle.

Untergebracht war die Polizei seit ihrer Einrichtung im Jahre 1735 vermutlich zunächst im März 1745 fertiggestellten Rathaus-Neubau auf dem Alten Markt in der Stadtmitte. 1828 verkaufte die Stadt ihr Rathaus an den Bischof von Paderborn, der es zu einer Kath. Kirche umbaute (St.-Laurentius-Kirche). An der Wilhelmstraße baute sich die Stadt 1828 ein neues Rathaus, das im Erdgeschoß über zwei Gefängniszellen verfügte.

Bis zum Jahre 1936 hatte die Polizei ihr Domizil in diesem Rathaus (später Haus Klumpe, Bahnhofstraße). Dann kaufte die Stadt von den Erben Hanebeck an der Wilhelmstraße 29 ein Gebäude und baute es zum neuen Rathaus (heute das sogenannte "Alte Rathaus”, in dem das Stadtarchiv untergebracht ist) um. Am 30.01.1937 wurde das Rathaus eingeweiht. Hier war die Polizei im Erdgeschoß in zwei Räumen untergebracht.

Im Jahre 1932/33 wurde der Exekutivdienst in Plettenberg von einem Polizeimeister und 6 Polizei-Hauptwachtmeistern durchgeführt; der Polizeibezirk ist in 6 Reviere aufgeteilt, die je einem Polizeibeamten zugeteilt sind. Ab dem 01.10.1932 gab es einen Nachtdienst durch zwei Beamte sowie eine Besetzung der Polizeiwache rund um die Uhr (bis Oktober 1935).

Von März bis August 1933 wurde eine Hilfspolizei zum Dienst herangezogen. Am 15.05.1935 erfolgte in Plettenberg die Einführung der gebührenpflichtigen Verwarnung.

Bei Ausbruch des II. Weltkrieges am 01.09.1939 hatte die Plettenberger Schutzpolizei eine Stärke von 1/9, hinzu kamen 4 Gendarmerie-Beamte in den ländlichen Stadtbereichen. Während des II. Weltkrieges standen der Polizei rund 300 Mann aus dem Bereich Feuerlöschtrupp, Entgiftungstrupp, Instandsetzungstrupp, Sanitätstrupp, Veterinärtrupp und Fachdienste für Gas, Wasser, Kanalisation zur Verfügung.

Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 13. April 1945 wurden die Polizeibeamten gefangengenommen und interniert, der Polizeidienst wurde durch zunächst rd. 50 Zivilisten, die durch eine weiße Armbinde gekennzeichnet waren, versehen. Im Juli 1945 - die amerikanischen Truppen waren durch die britische Militärregierung mit Sitz in Iserlohn abgelöst worden - waren noch 23 Hilfspolizisten im Dienst.

Durch Anordnung der britischen Militärregierung vom 25.09.1945 wurde mit der Neuorganisation der Polizei begonnen: Schutzpolizei, Gendarmerie und Kriminalpolizei wurden zu einer Einheitspolizei zusammengefaßt, die Aufgaben der bisherigen Verwaltungspolizei wurden der Verwaltung übertragen. 59 Bewerbungen gingen für die 20 vorgesehenen Polizei-Stellen ein, wobei festgelegt worden war, daß nur Bewerber im Alter zwischen 25 und 35 Jahren berücksichtigt werden. Eine Festanstellung der Polizeibeamten erfolgte nicht, um die Rückkehr ehemaliger (noch kriegsgefangener) Polizeibeamte zu ermöglichen.

Anfang 1946 wurde die Polizeistärke auf 16 Beamte festgesetzt. Die Polizeiwache befand sich im Rathaus (heute Altes Rathaus) an der damaligen Wilhelmstraße (heute Bahnhofstraße).

In den 50er und 60er Jahren gab es in verschiedenen Plettenberger Ortsteilen "Polizei-Dienststellen”. Diese Dienststellen befanden sich in der Regel unmittelbar in der Wohnung der Polizeibeamten. Äußerlich für die Bürger erkennbar waren die Polizei-Dienststellen ausgeschildert. Jeder Dienststellen-Leiter war für den unmittelbaren Einzugsbereich seiner Dienststelle zuständig.

Am 05.01.1965 zieht die Polizei zieht vom Rathaus an der Wilhelmstraße in ihr neues, vom Land angemietetes Domizil an der Zeppelinstraße um (Haus Siepmann-Hücking). Hier hat man endlich einmal ein Domizil, das nahezu allein von der Polizei genutzt wird. Am 21.06.1994 erfolgt die offizielle Einweihung des neuen Polizeigebäudes an der Wallumgehung. Auch dieser Neubau ist vom Land von einem privaten Bauträger angemietet. Hier bekommt die Plettenberger Polizei zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahre 1735 ein Gebäude, das allein für die Zwecke der Polizei errichtet wurde und auch nur von ihr genutzt wird.

Seit 1980 beteiligt sich die Polizei am "Seniorenspaß plus Sicherheit". Seit April 1994 läuft der Polizei-Notruf 110 in der Kreisleitstelle Iserlohn auf. Im Juli 1994 übernimmt Georg Sahr die Leitung der neu eingerichteten "Polizei-Inspektion 4”. Am 01.01.1995 wird Plettenbergs neue Polizeiwache auch Standort der "Polizei-Inspektion 4”. Die Einführung einer "Mobilen Polizeiwache", ein Kleinbus, mit dem eigens dafür abgestellte Bezirksbeamte in die einzelnen Ortsteile fahren und sich die Sorgen und Nöte der Bürger vor Ort anhören, erfolgte am 01.01.1995.

Polizeibeamte: Leiter der Exekutivpolizei Polizeimeister Lange (bis 31.05.1934); Polizeihauptwachtmeister Wilhelm Becker (1907-30.09.1932); Albert Düsselbach (01.10.1932-?), Johann Keller (01.10.1932-?), Gottlieb Bastek (01.10.1932-31.12.1934), Polizeihauptwachtmeister Dorsch (?-30.05.1935); Polizeihauptwachtmeister Wellner (01.08.1936-15.01.1937), Hauptwachtmeister Merz (01.02.1937-?), Polizeihauptwachtmeister Hecker - er schied 1937 nach einem Disziplinarverfahren zwangsweise aus dem Polizeidienst aus, bewarb sich 1945 mehrfach, wurde aber nicht wieder eingestellt; Pol.-Oberwachtmeister Möllenhoff (01.05.1937-01.09.1937), Erich Röhrig (01.01.1938-?), Pol.-Oberwachtmeister Hermann Harder (01.07.1937-?); Polizeikommissar Erich Moleck (-30.09.1960), Polizeimeister Maischak (-30.09.1960), Karl-Wilhelm Witte, Fritz Hammer (15.05.1946-26.06.1986), Werner Nolde, Heinz Glaeser, Albert Kramer, Alfons Herbst (1975-), Ralf Spies, Josef Volpert, Mehlhorn, Heinrich Rüsche, Jürgen Henke, Günter Pooch, Kurt Kudera (1976-), Christoph Schädle (1972-), Felix Klein, Heinz Tusch, Werner Irmer, Horst Klages, Wolfgang Radtke, Robert Schmidt-Prinz (*16.10.1922 †23.09.2001), Gerhard Padberg, Walter Dasberg, Gerd Mergenthaler, Wolfgang Mohr, Hans-Jürgen Stoßberger (1968-1995), Norbert Willeke, Michael Feldmann, Wolfgang Böhm, Dieter Tumbrock, Alexander Rother, Heinz-Günter Schreiber, Gaby Lingemann, Manfred Strobel (07.1983-), Manfred Töpfer, Dietmar Rinscheid (1983-), Andreas Emde (1983-), Manfred Beimborn (1983-), Andreas Barnewitz (1983-), Reimund Lemke (1983-), Eiben, Fred Waschek (01.04.1980-), Hartmut Schulte (01.04.1982-), Wilmes, Andreas Patry (1993- ), Ludger Wulf (1994-), Thomas Fürst (1994-), Raimund Haase (1994-), Jürgen Große (1994-); Andreas Lindenau (1996-); Christoph Flesch (1996-); seit 01.09.1998: Werner-G. Wittkämper (Overath), Jörg Schlünder (Balve), Nicole Baberg (Plettenberg), Stephan Haase (Hagen), Hubertus Schröder (Attendorn-Ennest), Regina Schlemann (Meinerzhagen), Birgit Sabolik (Wuppertal), Alexander Fall (Wuppertal) und Christian Schulte (Plettenberg); Leiter der Wache: Moleck, Heinz Knappe, Jürgen Henke (-1998), Hermann Knoke (1999-)

Kriminalpolizei: Werner Weth, Zündorff, Manfred Nitschke (1980-1981), Georg Sahr (1977, 1980, 1981-, ), Herrmann Reinirkens (1989-1995), Klaus Becker, M. Becker, Baumeister, Piontek,


QUELLEN:
Aus: Anstellung und Bestätigung der Polizeidiener V/4 1822- Stadtarchiv Plettenberg B 50

An den Bürgermeister zu Plettenberg
fol 9 - 20. Januar 1822

Ich kommuniziere Ihnen hierbei (?) sub lege remissionis zwei Marginal Versiegelungen der Königlichen Regierung um nunmehr mit Berücksichtigung derselben über die Wiederbesetzung der dortigen Polizeidienerstelle innerhalb 14 Tagen anderweitig und ausführlich zu berichten.
Altena d. 18. Januar 1822

der Landes-Direktor v. Holzbrink