Ausstellung im Heimathaus
Heimatkreis erzählt die Geschichte
vieler heimischer Tankstellen


Plettenberg. (HH) Autofahren ohne Tankstelle geht nicht. Die vermutlich erste Tankstelle im Stadtgebiet war die „Standard“-Tankstelle von Gastwirt Wilhelm Schröder in Teindeln. Der Heimatkreis Plettenberg lässt das „Tanken im Wandel der Zeit“ in der Vier-Täler-Stadt ab 25. August in einer Ausstellung (Eröffnung 20 Uhr) im Heimathaus Revue passieren. Alte Fotos von Tankstellen, ihren Inhabern, der ständige Wechsel der Benzin-Marken und vieles mehr sind zu sehen.

Das erste deutsche Tankstellenverzeichnis von 1909 listet ca. 2.500 Drogerien, Kolonialwarenhandlungen, Fahrradhandlungen, Hotels und Gaststätten auf, die Benzin verkauften. Ob es damals schon richtige Tankstellen mit Zapsäulen in Plettenberg gab, ist nicht bekannt. Ein historisches Foto (Glasplatten-Negativ) der Gastwirtschaft Wilhelm Schröder in Teindeln zeigt jedenfalls eine Zapfsäule der Benzinmarke „Standard“. Es war die 1931 eingeführte Nachfolgemarke von „Dapolin“, heute als „Esso“ bekannt.

Vermutlich wurde auch in Plettenberg der Kraftstoff in 10-Liter-Behältern zunächst in der Engel-Apotheke verkauft, ehe um 1920 die Motorisierung so stark zunahm, dass sich der Bau richtiger Zapfsäulen lohnte. Die großen Plettenberger Firmen dürften eigene Zapfsäulen besessen haben. Das belegt auch eine Aufstellung der „privaten Tankstellen“ im Bereich der Stadt (nicht des Amtes) vom 29. Oktober 1938. Zapfsäulen besaßen damals:

Hermann Michels (A.B.C.-Benzin),
die Firma Schade (Aral),
die Spedition Wilhelm Koch (Olex),
die Plettenberger Straßenbahn (Aral, Leuna Gasöl) und die
Reichspost (Monopolin).

In der Ausstellung des Heimatkreises findet man eine Fülle von alten Tankstellen-Fotos, erfährt etwas über die Geschichte der Betreiberfamilien und die Entwicklung über die Tankstelle mit Werkstatt bis hin zur Tankstelle mit Autohandlung oder Back-Shop.

Der Heimatkreis Plettenberg lässt die Geschichte heimischer Zapfsäulen in einer Ausstellung im Heimathaus Revue passieren. Die Eröffnung der Ausstellung " Tanken im Wandel der Zeit" ist am Donnerstag, den 25.08.11, um 18 Uhr. Am 26. 27. und 28. August ist von 14 bis 19 Uhr geöffnet. In den folgenden Monaten ist immer Mittwochs von 15 - 17 Uhr geöffnet. Führungen können nach Vereinbarung jeder Zeit gemacht werden.

Chronik der Tankstelle Langenbruch


Okt.1928 Geschäftsgründung Paul Langenbruch in der Provinzialstr. 76, heute Reichsstraße
Dez. 1928 Inbetriebnahme der ARAL Tankstelle. Fahrzeug,- und Motorradvertrieb. Reparatur von Motorrädern, Pkw und elektrische Aggregaten.
ab 1930 Verkauf von RMW (Ruhrtal Motorradwerke Neheim)
Dez. 1936 Umzug in den Neubau Provinzialstr.56a, Bezug des Geschäfts- und Wohnhaus. Inbetriebnahme der Tankstelle der Werkstatt und des Lagers.
Ab 1952 Vertrieb von Heinkel Motorrollern


Belegschaft der Tankstelle und Werkstatt Paul Langenbruch im Jahre 1953

Ab 1958 Vertrieb von Lloyd,- und Borgward-Fahrzeugen
Ab 1961 BMW Händlervertrag
Sept.1961 Rudolf Langenbruch übernimmt die Firma
1971 Neubau und Umzug in die Bannewerthstr.22
1988 Kündigung des BMW Händlervertrages
Sept.1991 Mazda Händler
Okt.1993 Anbau von Ausstellungsräumen am Bannewerth
Dez 2009 Geschäftsbeendigung

Chronik der Tankstelle Schachta
Franz Midderhoff betrieb in der Provinzialstraße (heute Reichsstraße) ein Haushaltswarengeschäft bis er
1925 hier eine Tankstelle eröffnete. In der Tankstelle wurde Benzin von der Deutsch – Amerikanischen – Petroleum- Gesellschaft, kurz Dapolin genannt, verkauft.


1925 wurde an der Provinzialstraße (später Reichsstraße) eine Tankstelle eröffnet

1954 übernahmen Fritz und Anita Schachta geb. Midderhoff die Tankstelle.
1963 wurde an der Bahnhofstraße ein Neubau errichtet.
1978 ging eine vollautomatische Waschstraße in Betrieb.
1986 Umbau der Tankstelle auf 8 Zapfstellen im 24-Stunden-Dienst.
am 1.Mai 1987 übernehmen Andreas und Birgitt Schachta die Tankstelle.


Andreas und Fritz Schachta am 9. Juli 1987

Chronik der Tankstelle Otto Seuthe
Otto Seuthe ist nach dem Krieg auf Umwegen zu einer Tankstelle gekommen. Als Erstes hat Otto Seuthe 1945, mit einer fahrbahren Kreissäge, für viele Plettenberger Brennholz geschnitten.
Da kaum Kraftstoffe für Fahrzeuge vorhanden waren, wurden viele Autos mit Holzgas betrieben. Otto Seuthe stellte seine Produktion von Brennholz für Öfen, auf Brennholz für Holzvergaser um. Paralell dazu hatte er eine Blockbandsäge betrieben, auf der Balken und Bretter geschnitten wurden.
Am 8.April 1958 eröffnete Otto Seuthe mit seiner Frau ( ) eine Gaststätte am Oesterweg 9. Am 15 August 1961 war es dann so weit, die Tankstelle an der Königstraße wurde eröffnet. In den folgenden Jahrzenten wandelte sich die Tankstelle in einen Dienstleistungsbetrieb, wie viele andere Tankstellen auch. Die Tanksäulen wurden auf Selbstbedienung umgebaut, es werden eine Waschanlage und ein Kfz Werkstatt gebaut.
25.März 1985: Es wird Bleifrei verkauft.

Chronik der Shell-Tankstelle Turk


1930 Bau der Tankstelle von Rudolf Turk mit einem Tank von 5000 Liter
1954 Umbau und Erweiterung. Einbau elektrischen Tanksäule und einer Handzapfsäule. Die Tankstelle hatte kein Dach.
1966 Ein Dach und eine kleine Werkstatt wird gebaut.
1967 Übernimmt Sohn Hans Rudolf Turk die Tankstelle. Die Zapfsäulen werden gegen modernere ausgetauscht.
1985 Umbau der gesamten Tankstelle. Der Inhalt der Tanks beträgt jetzt 100.000 Liter. Die Zapfsäulen werden auf Selbstbedienung umgestellt
1988 Wird ein Teil der Werkstatt abgerissen und an anderer Stelle neu gebaut um Platz für den Bau einer Waschanlage zu schaffen.
2001 Im Laufe der Jahre, waren der Shop und die Werkstatt zu klein geworden. Um den modernen Anforderungen gerecht zu werden, wurde Werkstatt und Shop neu gebaut.
2010 Eine Karosseriewerkstatt und eine Lackiererei runden das Angebot ab.
2011 Die Fahrbahn wird saniert. Die Tanksäulen werden erneuert. Der Verkaufsraum wird modernisiert und es wird ein Back-Shop eingebaut.

Plettenberg, den 28.10.1938
Eine Aufstellung der Stadt aus diesem Jahr enhält folgende Parameter: Lfd. Nr., Ort der Tankstelle, Name des Tankstellenverwalters, Zahl und Art aller an der Tankstelle zum Verkauf kommenden Kraftarten und -marken. Bei Tankstellen mit Zapfsäulen (Zapfständer) für jede einzelne Zapfsäule a) Eigentümer der Säule und der dazugehörigen Tanks, b) Zahl der Abfüllvorrichtungen, c) Zahl und Art der aus der Säule abgegebenen Kraftstoffarten und -Marken.

1. Plettenberg-Stadt, Ernst Grossheim, 1 B.V.Aral 1 Bevaulin, Benzolverband Hagen, 2, 1 Zapfsäule Aral 1 Zapfsäule Bevaulin
2. wie vor, Heinrich Arndts, 1 Shell 1 Dynamin, Rhenania Ossag Düsseldorf, 2, 1 Zapfsäule Shell 1 Zapfsäule Dynamin
3. wie vor, Johann Bender, 1 Shell, Rhenania Ossag Düsseldorf, 1, 1 Zapfsäule Shell
4. wie vor, Frido Gering, 2 Leuna Benzin 1 Olex 1 Olexin, Deutsche Gasolin-Ges. Deutsche Benzin und Petroleum GmbH, 4, 1 Zapfsäule Olex und Olexin, 1 Zapfsäule Leuna

5. wie vor, Heinrich Siepmann, 1 B.V.Benzin 1 B.V.Aral, Deutscher Benzolverband GmbH, 2, 1 Zapfsäule B.V.Benzin 1 Zapfsäule B.V.Aral

Im Mai 1954 eröffnete die Shell-Tankstelle von Fritz Fröhlich (Opel-Fröhlich)

6. wie vor, Fritz Fröhlich, 1 Shell Benzin 1 Shell Benzol, Rhenania Ossag Düsseldorf, 2, 1 Zapfsäule Shell-Benzin 1 Zapfsäule Shell-Benzol

Lothar Fröhlich

Außerdem gibt es eine Aufstellung der in der Stadt Plettenberg vorhandenen privaten Tankstellen vom 29.10. 1938:
1. Plettenberg Stadt, Herm. Michels, 1 A.B.C. Benzin, Allg. Brennstoffhandelsges. mbH Hamm, 1, 1 Zapfsäule A.B.C.Benzin
2. wie vor, Wilh. Schade, 1 Waschbenzin 1 Benzin 1 Aral 2 Rohöl, Martin Hünnecke Salzkotten, 5, 1 Waschbenzin 1 Benzin 1 Aral 1 Rohöl
3. wie vor, Wilh. Koch, 1 Olex, Wilh. Koch Plettenberg, 1 Olex
4. wie vor, Plettenberger Straßenbahn AG, 1 B.V.Aral 1 Gasöl 1 Leuna, Plettenberger Straßenbahn AG, 3, 1 Zapfsäule Gasöl 1 Zapfsäule für Leuna und B.V.Aral
5. wie vor, Reichspost, 1 Monopolin, Reichspost, 1, 1 Zapfsäule Monopolin

Ende der 20er Jahre gab es bei der Gastwirtschaft Schröder in Teindeln eine Dapolin-Zapfsäule;
am 17.10.1930 wird die Tankstelle Heinrich Arndts an der Göringstraße 14 (Ziegelstraße/ Ecke Zeppelinstraße) in Betrieb genommen;
am 17.06.1930 wird die Shell-Tankstelle Wwe. Diergarten in Holthausen vom Sachverständigen abgenommen,
am 12.09.1930 ebenfalls in Holthausen die Olex-Tankstelle von August Seuthe;
die im Mai 1954 eröffnete Shell-Tankstelle von Fritz Fröhlich (Opel-Fröhlich) an der Wilhelmstraße, sie wird später von H. Fehlmann übernommen.
Tank Center Plettenberg, Reichsstr. 22-24 (vormals Total- bzw. Fina-Tankstelle, ehemals Limberg), Inh.: Manfred Thiele; eröffnet 24.09.2003;
Im Januar 1954 wird die Tankstelle Alfred "Bulle" Kirchhoff (später Hans Beyschlag, Fridolin Schnorrer, Beckmann) an der Herscheider Straße in Betrieb genommen;
im Februar 1954 ist an der "Großtankstelle Abel" an der Bahnhofstraße eine Kontrollstelle der ADAC-Winterfahrt Hessen eingerichtet;
Tankstelle Fernholz an der Reichsstraße, eröffnet März 1957 von Waldemar Fernholz;
im November 1954 wird im Oestertal die Tankstelle Stahlschmidt (später Autohaus Schmelcher) eingeweiht;
eine der ersten Tankstellen in Ohle hatte 1931 Friedrich Werle,
im September 1955 wird am Abzweig Lennestraße/Reichsstraße eine DEA-Tankstelle errichtet;
im März 1957 wird an der Reichsstraße (neben Gastwirtschaft Alberts) eine Gasolin-Tankstelle eröffnet;
Anfang August 1967 eröffnet Horst Reineke an der Lennestraße in Ohle eine Aral-Tankstelle;
im Mai 1988 erweitert die Tankstelle Seuthe, Königstr. 90, um einen SB-Waschplatz mit Hochdruckreiniger und SB-Staubsauger;
die ehemalige Fröhlich-Tankstelle an der jetzigen Bahnhofstraße als "Fina" bis 2001 . . und dann als "Total"-Tankstelle Spais. Nach zehn Jahren als Pächter gibt Joannis Spais, der zwischenzeitlich auch die Total-Tankstelle an der Reichsstraße gepachtet hatte und nun eine Spedition mit 65 Lkw betreibt, zum 01.12.2004 die Tankstelle auf;
Tankstelle Großheim/Erna Reinecke an der Herscheider Straße.
Tankstelle August Stöcker im Kahley, am 1. Juli 1956 übernahm August Stöcker mit der Agentur für Dieselkraftstoff und Heizöl auch eine kleine Tankstelle; geschlossen am 15.05.2008;
"LEUNA"-Tankstelle bei der Firma Langhammer an der Reichsstraße in Eiringhausen;


Esso-Tankstelle Friedhelm Hagemann an der Zeppelinstraße (vormals Harry Seifert)


Benzin-Marken
Dapolin (ab 1904), Standard, Esso - 1931 wurde DAPOLIN in Standard Benzin umbenannt; Dabei sind ESS-O die phonetisch ausgesprochenen Anfangsbuchstaben von Standard Oil. Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft (DAPG) ist ein deutsches Mineralölunternehmen. Sie heißt heute Esso Deutschland GmbH.
Die DAPG wurde am 25. Februar 1890 in Bremen als gemeinsames Unternehmen von den deutschen Kaufleuten Franz Ernst Schütte, Carl Schütte und Wilhelm Anton Riedemann sowie John D. Rockefeller von Standard Oil gegründet, um das Petroleumgeschäft der Standard Oil in Deutschland zu betreiben. 1891 ging das Petroleumimportgeschäft von Edmund Siemers auf die DAPG über.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Petroleum unter der Marke DAPOL und das (amerikanische) Benzin unter DAPOLIN mit dem berühmten Indianerkopf verkauft. 1904 übernahm die Standard Oil Company 50 % der Anteile an der Gesellschaft und verlegte den Sitz des Unternehmens nach Hamburg.