Der Anfang vom Ende des Osemunds
Vor 275 Jahren den Grundstein zu Rentrops Hammer an der Else gelegt

Horst Hassel

Zwei Osemundhämmer, die Eisenhämmer Rentrop und Geck, "lagen auf dem Elsefluss unmittelbar vor deren Einmündung in die Lenne". Die vorhandenen Urkunden geben uns ziemlich genau Aufschluss über die Geschichte des Rentrop-Geck'schen Hammers, der vor 275 Jahren den Anfang vom Ende der Osemund-Schmieden in Plettenberg einläutete, denn er war 1856 bei der Stillegung der letzte noch existierende Osemundhammer im Stadtgebiet. Endloser Ärger mit Genehmigungsbehörden und Nachbarn sorgten schon damals für besondere Erschwernisse bei der Umsetzung der Ziele.


Die Anlegung der Rentrop-Geck'schen Eisenhämmer geht zurück auf den zwangsweise erfolgten Verkauf des Hagedorn'schen Stahl- und Treckehammers an dieser Stelle. Henrich Bernhard Hagedorn war Plettenberger Bürger und hatte 1715 von Bürgermeister und Rat der Stadt die Konzession erhalten, einen Stahlhammer betreiben zu können. Damit verbunden war die Genehmigung, eine Schlacht (Wehr), einen Auf- und Abgraben und einen Kropp (Teich) mit den dazugehörigen Wällen und Dämmen "unterhalb der Schlacht von Peter Ohle" durch die Else anzulegen. Dafür hatte er, wie sein Oberlieger Ohle, jährlich 3 1/2 Reichsthaler an die Stadtkasse zu zahlen.

Als Heinrich Hagedorn Probleme hatte, einem Tilman Goldenberg zu Hohagen die von ihm geliehenen 600 Reichsthaler zurückzuzahlen, kommt es zum Prozess. Am 26. September 1722 ergeht "im Namen des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen" das durch den Justizrat in Cleve ergangene Urteil: "Hagedorn soll dem Goldenberg das eingeklagte Kapital mit Zinsen zahlen oder ihm drei Karren Stahl jährlich liefern." Doch Hagedorn kann nicht einmal die Prozesskosten zahlen, obwohl das Gericht sie auf 52 Reichsthaler 49 Stüber reduziert. Gläubiger Goldenberg hat inzwischen den "Juramentum taxationis" beantragt - den Schätzungseid, oder wie man heute sagen würde: die eidesstattliche Versicherung. Den Schätzungseid legt Hagedorn am 26. April 1724. Jetzt kann die Versteigerung der Hagedorn'schen Besitzungen beginnen.
Der Frohne (Gerichtsbote) Selter kommt von Lüdenscheid nach Plettenberg und händigt, da er Hagedorn nicht antrifft, der Ehefrau eine Abschrift der "Zwangsversteigerung" vor. Dann begibt es sich zum Hammer am Elseufer und in Gegenwart zweier Zeugen sowie des Plettenberger Bürgermeisters Dr. Homberg erfolgt die "Zwangseinweisung": er schneidet vom Hammer und vom Kohleschuppen jeweils einen Spahn ab, den er dem Bevollmächtigen Mylaeus überreicht. Er gießt das Feuer aus und "schält den Hol auf" (?). Auch im Hause Hagedorns schneidet er einen Spahn ab. Da Hagedorn nicht widerspricht, wird die Gesamtschuld auf 694 Thaler 3 Stüber 6 Pfennig festgesetzt.


Diese alte Aufnahme zeigt den Rentrop-Geck'schen Hammer an der Mündung des Elsebaches in die Lenne. Das Foto dürfte um 1890 entstanden sein. Foto: Archiv Horst Hassel

Hagedorn bemüht sich trotz laufender Zwangsversteigerung, die Schuld durch den Verkauf des Hammers ablösen zu können. Tatsächlich einigt er sich mit Peter Wilhelm Brüninghaus von Lüdenscheid und Caspar Adrian Rentrop. Am 14. Mai 1726 bescheinigt Goldenberg, dass er sich mit Hagedorn auf eine Restschuld von 500 Reichsthalern geeinigt habe - genau diese Summe bekommt er von Brüninghaus und Rentrop. Beim Hofrat Hymmen zu Lüdenscheid gibt Hagedorn zu Protokoll, er habe seinen Rohstahl- und Reckhammer für 840 Rtlr. an den Gerichtsscheffen Peter Wilhelm Brüninghaus zu Lüdenscheid und den Kirchmeister Caspar Adrian Rentrop zu Werdohl verkauft. Außerdem habe er sich verpflichtet, den Hammer vor dem 1. Juli 1726 so instand zu setzen, dass man darauf schmieden könne.

Doch die Sache hat noch einen Haken, denn die Oberlieger am Elsebach, Caspar Schulte und Henrich Ohle, wollen ihren Sensenhammer in ein "Stahlwerk" umwandeln. Das würde allerdings dem Hagedornschen Hammer erheblichen Schaden zufügen. Hagedorn verpflichtet sich deshalb den beiden Käufern gegenüber, "falls Schulte und Ohle nicht gütlich von ihrem Plan Abstand nehmen, deren Vorhaben auf dem Prozessewege auf seine Kosten zu verhindern."
(wird fortgesetzt)


In dem Mauerwerk des neuen Hammers war dieser alte Stein eingemauert, der von dem alten Hammerwerk stammte und die Inschrift trägt: "Gottes Gnad ist mein Vorrat Joh. G. St. S. 1736". Die Abkürzung soll bedeuten: Johann Gecks Stahl- Schmitte.

Schon am 20.09.1727 verkaufte Gerichtsscheffe Peter Wilhelm Brüninghaus zu Lüdenscheid seine Hälfte des Stahlhammerwerkes bzw. Reck- und Sensenhammers an seinen Schwager Johan Peter Geck zu Brunscheid. Zwischenzeitlich hatten Schulte und Ohle ihren oberhalb liegenden Sensenhammer in ein Stahlwerk verwandelt. Der Versuch Hagedorns, das zu verhindern, misslang. Seine Anfang 1728 an den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. gerichtete Eingabe wurde negativ beschieden - Hagedorn hätte sich früher melden müssen und nicht warten dürfen, bis dem Schulte die Konsession erteilt war. Rentrop und Geck reagierten konsequent: sie kauften die Schmiede von Peter Ohle, die Caspar Schulte zwischenzeitlich zum Stahlwerk gemacht hatte, und brachen die Gebäude ab.

Eine Genehmigung zum Betrieb eines Osemundhammers hatten sie aber immer noch nicht. Durch eidesstattliche Versicherung und alte wie aktuelle Verkaufsurkunden nebst Erwerb einer Osemundsgerechtigkeit von Diedrich Schauerte zu Plettenberg versucht dieser nachzuweisen, dass um das Jahr 1660 an der Stelle, wo er einen Osemundhammer bauen wollte, Überreste einer alten Osemundschmitte gesehen wurden, so dass an diesem Orte eine Konzession bestehe. Richter Essellen ist anderer Meinung und verbietet am 27. November 1730 den Betrieb des neuen Hammers "bei Strafe von 10 Goldgulden". Rentrop und Geck legen Berufung bei der Regierung in Cleve ein, wenden sich parallel dazu an die übrigen Osemund-Reidemeister. Die erklären am 9. Dezember 1730, sie seien mit der Anlegung des Hammerwerkes einverstanden. Zur Begründung wird auch angeführt, die Herren Rentrop und Geck hätten große Kosten gehabt und inzwischen schon 2500 Reichsthaler investiert. Die Erklärung haben 44 Reidemeister unterschrieben.



Die gelb umrandeten Gebäude zwischen dem Sägewerk Peter Kaiser und der Spedition Scherer lassen erkennen, dass hier der Ursprung der Rentrop-Geck'schen Eisenhämmer lag.

Am 29. August 1731 kommt es auf Grund einer Verfügung der clevischen Regierung zu einem Treffen mit dem Hogrefen Hymmen an der Herscheider Mühle. Richter Essellen erklärt dort in drei Punkten seine ablehnende Haltung, Rentrop und Geck erklären ebenfalls in drei Punkten, warum sie die Genehmigung für den Osemundhammer erhalten müssen. Unter Punkt 2 stellte Essellen fest: "Nach seiner Ansicht dürfte das Hammerwerk allenfalls an demselben Orte, woher die Osemundsgerechtigkeit hergeleitet würde, wieder errichtet, aber nicht eine Viertelstunde abwärts auf den vollen Strom gelegt werden."

Unter Punkt 3 heißt es u. a. : Soviel er wisse, sei an dem Orte, wo die Osemundschmitte gelegen haben soll, von Winckel bereits eine Walkmühle und nachher noch eine Pellmühle, womit die Wolle aus den Schafsfellen losgemacht würde, umgelegt worden.
Rentrop und Geck argumentierten unter Punkt 2: "Das Werk sei ungefähr zwei Schuss Weges den Fluss hinab gelegt worden. Nun stände zwar im Osemundreglement, dass die Hämmer nicht von einem Fluss auf den anderen gelegt werden sollten, das bezöge sich aber nicht darauf, dass ein Hammer auf demselben Fluss weiter herauf- oder herabgelegt werden könne, wie das schon häufig geschehen sei".

Hogrefe Hymmen erklärt, er halte die Punkte 2 und 3 von Rentrop und Geck für begründet. Mit dem Vorschlag von Essellen, die noch lebenden Zeugen Winckeln und Plettenberg zu vernehmen, wo die Stelle ist, an der der alte Osemundhammer gestanden hat, ist er einverstanden. Essellen erklärt, dass er die Osemundregeln nicht kenne, mit dem Hymmen-Vorschlag aber einverstanden ist. Ende 1731 machen Rentrop und Geck erneut eine Eingabe an den König. Sie verweisen darin auf die bislang investierten erheblichen Kosten. Wenn man jetzt den neu erbauten Hammer abreißen und ihn mit doppelten Kosten dort wieder aufbauen müsse, woher die Osemundsgerechtigkeit herrühre, sei das "ein unchristliches Verlangen". Was der König entscheiden hat, ist nicht bekannt. Die Entscheidung muss aber zu Gunsten von Rentrop und Geck ausgefallen sein, denn die Hämmer blieben bestehen.

Im Jahre 1800 wurde der gemeinsame Besitz der Rohstahlfeuer aufgegeben. Am 29. Mai 1800 erfolgte auf Neuenhaus "die erbliche Auseinandersetzung über die beiden Rentrop-Geck'schen Rohstahlfeuer unterhalb Plettenberg". Die baulichen Anlagen des Hammers will man gemeinschaftlich instandhalten. Dazu zählen das Gebäude des Hammers, die Schlacht, der Auf- und Abgraben (Ober- und Untergraben), der Kropp (Teich) mit den dazugehörigen Wällen und Dämmen, der Flusskasten sowie die zum gemeinschaftlichen "Geschläge" gehörigen Dinge wie die Hammerachse, das Hammerrad, Dornen usw., Hammer, Ambos, Wagen, Gewichte, Winden und dergleichen. Die zu den einzelnen Feuern gehörenden Dinge soll dagegen der jeweilige Besitzer des Feuers instand halten (Hagelkorb mit darunter befindlichen Wasserabflüssen oder Gewölben, Blasegrotte, Blaserad, Blasenachse, Bälge, Balgbetten etc..

Quellen: Beiträge zur Geschichte der Familie Rentrop, Heft 2; Aufzeichnungen des Albrecht von Schwartzen; Geschichte des Stahlwerkes Brüninghaus, 1912;


Lexikon für die Stadt Plettenberg, erstellt durch Horst Hassel,
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