Quelle: von Romina Suliani für die WR Plettenberg im Juni/Juli 2011 verfasst

Adolf Langhoffs bunter Teller – Die Geschichte des Plettenberger Schaustellerbetriebs begann im Jahr 1955
Ein Name wie ein Ohrwurm

Romina Suliani

Plettenberg. In einer Woche beginnt in Plettenberg mit dem Frühjahrsmarkt die Kirmes- und Schützenfestsaison. Dass diese Feste eine lange Tradition haben, beweist nicht zuletzt das Jubiläumsjahr zum 175-jährigen Bestehen der Plettenberger Schützengesellschaft. Jahr für Jahr locken die Feste die Besucher in die Innenstadt und nach Eiringhausen. Neben den Vereinen sind es aber vor allem die Schausteller, die solche Veranstaltungen erst möglich machen. Heute blicken wir hinter die Kulissen des einzigen Schaustellerunternehmens in Plettenberg. Heute: Die Anfänge.

Die Firma um Hartmut Langhoff und seine Familie umfasst mittlerweile 38 zugelassene Fahrzeuge. Angefangen hat jedoch alles mit seinem Vater Adolf und einer Bretterbude mit imprägnierten Bettlaken:

Nachdem Adolf Langhoff kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, arbeitete er zunächst als Schmied bei der Plettenberger Gesenkschmiede und Werkzeugfabrik Voß & Schröder. Um sich noch etwas dazu zu verdienen, begannen er und seine erste Frau Dora (†1952) in der Blemcke und in Eiringhausen als fliegende Händler von Tür zu Tür Romane zu verleihen und Bonbons zu verkaufen. 1955 folgte Adolf Langhoff einem Angebot des ortsansässigen Schaustellers Heinrich Wagner, auf dem Oestertaler Schützenfest mit einem eigenen Stand zusätzliches Geld zu verdienen.


Den ersten Verkaufsstand, einen sogenannten Bockstand, zimmerten er und sein Bruder Heinz selbst zusammen. Als Abdeckung und Schutz vor dem Wetter wurden Bettlaken imprägniert. Das erste Sortiment umfasste verschiedene Süßwaren wie Lebkuchen, Schokolade sowie Geléebananen und Zigaretten. Immer häufiger verkaufte Adolf Langhoff seine Waren auf Volksfesten und nach einem guten Jahr kündigte er seinen Job als Schmied 1956 und widmete sich ganz seiner neuen Beschäftigung.


Auf dem Schützenfest im Oestertal (der Festplatz lag damals oberhalb der Gaststätte "Zum scharfen Eck") waren Adolf (re.) und Margarete (im Stand) Ende der 1950er Jahre mit ihrer Fünf-Meter-Bude vertreten – die Ursprünge des Markennamens „Langhoffs bunter Teller“. Foto: Familienarchiv Langhoff

Weil er und sein Bruder weder Auto noch Führerschein besaßen, engagierten sie jedes Wochenende einen Spediteur, der die Bude und die Ware zu den Festplätzen brachte und sonntags oder montags wieder einsammelte. Zu dieser Zeit half bereits seine spätere Ehefrau Margarete im Verkauf mit. Heinz Langhoff stieg schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Rummel-Geschäft aus.

Weil es damals noch keine Weihnachtsmärkte gab, war das Geld besonders im Winter knapp. So eröffneten die Eheleute 1958 einen kleinen Lebensmittelladen in der Oester. Doch der Laden hielt sich nur knappe zwei Jahre. So konzentrierte sich Adolf wieder mehr auf das Geschäft mit den süßen Waren. Professioneller wurde ihre Präsentation durch weitere Verkaufsstände: Zunächst zwei Fünf-Meter-Buden, dann ließ er sich von dem Eiringhauser Schreiner Carl Schmellenkamp eine Zehn-Meter-Bude bauen.


Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Adolf Langhoff auch schon einen einzigartigen Namen für sein Unternehmen überlegt: Langhoffs bunter Teller. Sein Sohn Hartmut erinnert sich: „Mein Vater war der Meinung, der Name Langhoff und die dazugehörigen Artikel bürgen für Qualität: ein bunter Teller mit Süßigkeiten. Und der Name ist im Prinzip ein Ohrwurm, der rollt von der Zunge.“ Mit dem Namen schuf Adolf Langhoff eine Marke, die noch heute für viele Sauerländer der Inbegriff von gebrannten Mandeln und zuckersüßen Liebesäpfeln ist.

Patriarch bis zum letzten Atemzug


Nachdem Adolf Langhoff erste Erfolge mit dem Verkauf von Ananasbomben, Geléebananen und anderen süßen Waren verzeichnete, wollte er seine Produkte noch attraktiver präsentieren. Aus diesem Grund ließ er sich zwei Fünf- und eine Zehn-Meter-Bude zimmern. Hier hatte er genug Platz um seine Ware – mittlerweile waren auch Spielwaren im Angebot – zu präsentieren. Um die Arbeit noch effizienter gestalten zu können – schließlich nahm der Auf- und Abbau der Buden enorm viel Zeit in Anspruch – ließ er sich 1963 einen ersten Verkaufswagen bauen. Zusammen mit den Buden konnte er so seine Familie ernähren.

Um dem enormen Arbeitsaufwand gerecht zu werden, musste jedes Familienmitglied mit anpacken. Adolfs Tochter Marita, die heute den Tabakwaren- und Zeitschriftenfachhandel im Wiedenpavillion besitzt, erinnert sich: „So mit vier oder fünf haben wir dann schon mitgeholfen die Waren in den Anhänger zu laden.“ Auch ihre Schwester Renate, heute wohnhaft in Stade bei Hamburg, weiß noch: „Sobald ich zehn und zwanzig Pfennig zusammenrechnen konnte, so musste ich mit in den Verkauf“. Die viele Mitarbeit prägte die Geschwister entscheidend: Bis heute stehen für sie Arbeit und bedingungsloser Familienzusammenhalt an erster Stelle.

Eine Neuerung der 1960er Jahre prägte das Unternehmensbild nachhaltig: Die Mandelwagen. Adolf Langhoff hatte das Gefühl, er müsse mit der Zeit gehen und neue Kundenwünsche berücksichtigen. So begann der Verkauf von Schokofrüchten und gebrannten Mandeln. Das Geschäft mit gebrannten Nüssen florierte und er konnte nach zwei Jahren einen gebrauchten Wagen, einen ehemaligen Metzgerwagen, kaufen, in dem neben den Nussspezialitäten auch rote Zuckeräpfel hergestellt werden konnten.


Barbara Langhoff (hier vor einem Mandelwagen) ist mit Ehemann Hartmut auf Kirmesplätzen im ganzen Sauerland unterwegs.


Foto links: Adolf Langhoff sitzt zusammen mit seinem Sohn Hartmut auf einer Gasflasche neben dem Verkaufsstand in den 1960er Jahren in Dortmund.

Seit 1965 litt er an den Folgen einer verschleppten Lungenentzündung, die ihn mit den Jahren mehr und mehr körperlich einschränkte. Geistig jedoch war er gesund und so beschloss er 1972 ein Ladenlokal in der Kaiserstraße als Kiosk zu eröffnen (heute der Parkplatz neben der Metzgerei Steinhoff), um vor allem die Wintermonate finanziell besser überstehen zu können. Er selbst konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr körperlich arbeiten, das erledigten seine Frau und seine Kinder, aber sein Regiment gab er bis zu seinem Tod 1982 nicht ab. Bis zum Schluss war er der unbestrittene und unangefochtene Patriarch der Familie.

Die ersten Jahre nach seinem Tod, führte seine Frau Margarete die Firma. Doch da sie mit den Aufgaben als Geschäftsführerin überfordert war, wurde die Firma Langhoff 1986 offiziell getrennt. Zum einen in den Bereich der Reise, den künftig Hartmut Langhoff und seine Frau Barbara organisierten und das Ladenlokal an der Kaiserstraße, das Margarete gemeinsam mit ihrer Tochter Marita führte.

In den 1990er Jahren erweitert Langhoff das Unternehmen mit Kinderfahrgeschäften – „Das waren fantastische Jahre“
Schweinchenbahn läutete Ära ein

Laut Deutschem Schaustellerbund kommen jedes Jahr 178 Millionen Besucher auf Deutschlands Volksfeste, dabei sind die Weihnachtsmärkte noch nicht eingerechnet. Für viele Besucher gehören die Schausteller zwar zu den Festen dazu, hinter die Kulissen dieses Berufstandes können jedoch nur die wenigsten blicken.

Hartmut Langhoff ist Zeit seines Lebens auf den Festplätzen zu Hause. Von klein auf waren er und seine Geschwister mit bei der Arbeit der Eltern dabei. Das vom Vater angemietete Ladenlokal in der Kaiserstraße ermöglichte Hartmut eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit dem Schwerpunkt Süßwaren. In der Berufsschule lernte er seine spätere Frau Barbara kennen, die er 1977 heiratete und 1978 und 1985 die beiden Söhne Alexander und Geron bekam. Nach dem Tod des Vaters 1982 führte Hartmut faktisch mit seiner Schwester Marita das Unternehmen.

Drei Jahre später, 1985, wurde mit der Schweinchenbahn das erste Fahrgeschäft in die Firma Langhoff aufgenommen und eine neue Ära eingeleitet: Die Zeit der Expansion. Zunächst investierten Hartmut und seine Frau Barbara in die bestehenden Verkaufswagen, renovierten und modernisierten sie. Kurz nach der Wende, 1990, kam das erste Kinderkarussell in den Fuhrpark der Firma Langhoff. 1994 und 1996 kamen zwei weitere Kinderfahrgeschäfte hinzu. Hartmut erklärt die vielen neuen Anschaffungen so:„Die 90er Jahre waren fantastische Jahre. Auch vom Umsatz, die Leute hatten Geld, die DDR war '89 auf, die Leute hatten alles und dann wurde Pulver ausgegeben Wir bekamen auch zwei neue Mandelwagen. Du konntest investieren und machen und tun; du musstest schwer ackern, aber es funktionierte.“ Die Kinderfahrgeschäfte sind noch heute in Betrieb. Nur die Schweinchenbahn, in der fast jeder Plettenberger zwischen 20 und 30 bereits seine Runden gedreht hat, ist mittlerweile in Altersteilzeit.


Seit den 90er Jahren organisiert Hartmut als Platzmeister auch zahlreiche Feste in der Vier-Täler-Stadt und im gesamten Sauerland, vergibt Stellplätze für andere fliegende Händler, plant die Zusammenstellung an Fahrgeschäften, steht mit den Behörden und ausrichtenden Instanzen in Verhandlungen, usw.

Anders als viele andere Schausteller, führen Hartmut Langhoff und seine Frau Barbara kein stetig mobiles Leben. Ihr fester Wohnsitz ist in Elhausen bei Ohle. Von hier aus beschicken sie im Umkreis von ca. 150 km die Plätze. Sie besitzen zwar einen Wohnwagen, der wird jedoch nur gelegentlich gebraucht. Seine beiden Söhne jedoch reisen mit zwei Erwachsenenfahrgeschäften national und international durch die Lande. Lesen Sie dazu mehr im nächsten Teil der Serie und erfahren, wie der Alltag der Familie Langhoff heute aussieht.


Alexander (re.) und Geron Langhoff lieben ihren Beruf.

Durch die Söhne Alexander und Geron wird das Unternehmen Langhoff international – Leben im Wohnwagen
Schausteller sind Allrounder

134 Festplätze beschickte Schausteller Hartmut Langhoff gemeinsam mit seiner Familie und Mitarbeitern in der vergangenen Saison 2010 national und international. Dass sie auch einmal außerhalb deutscher Grenzen auf Festen vertreten sein würden, hat sich vor 25 Jahren noch kein Familienmitglied vorstellen können.

Damals, 1986, wurde die Schaustellerfirma Hartmut und Barbara Langhoff offiziell gegründet. Sie arbeiteten hart und viel und schufen sich einen ansehnlichen Fuhrpark aus Mandelwagen und Fahrgeschäften an. Bis sich Ende der 1990er auch Sohn Alexander nach seiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann endgültig dazu entschloss, dem Schaustellergewerbe treu zu bleiben. „Als Alexander dann entschied in dem Betrieb mitzuarbeiten, war uns klar, den Betrieb zu erweitern, in Richtung Fahrgeschäfte“, erinnert sich Hartmut Langhoff an die damalige Situation. „Wir wollten uns damit auch noch ein paar Kategorien höher schrauben.“ Mit dem Top Spin No. 2, einer Überkopfschaukel mit Wasserfontänen, wurde das erste, große Erwachsenenfahrgeschäft zu einem siebenstelligen Betrag angeschafft. Gemeinsam mit seiner Frau Anja bereist Alexander Plätze in ganz Deutschland, Österreich, Polen und den Niederlanden.

Auch für den jüngeren Sohn Geron war seit frühester Kindheit klar, dass er im Familienbetrieb arbeiten wolle. Er betreibt gemeinsam mit seiner Partnerin Nadine von der Grinten seit 2004 das Rundfahrgeschäft Power Dancer.


Die beiden Brüder und ihre Partnerinnen leben die größte Zeit des Jahres im Wohnwagen, mit dem sie von Platz zu Platz fahren. Erst im Winter kommen sie wieder in ihre Heimatstadt Plettenberg und unterstützen die Familie beim umfangreichen Weihnachtsmarktgeschäft. Die große Mobilität hat ihren Preis: Familie und Freunde können nur selten besucht werden. „Besonders an Geburtstagen fällt mir die Trennung von der Familie schon sehr schwer“, berichtet Nadine von der Grinten. Weder sie, noch Anja Langhoff kommen gebürtig aus dem Schaustellermilieu. Sie haben sich aus Liebe zu ihren Männern für ein mobiles Leben auf engstem Raum entschieden, auch wenn ihre Familien das nicht immer gut fanden: „Meine Eltern waren anfangs nicht begeistert. Ich habe einfach nach und nach meine Sachen von zu Hause weggeholt“, erinnert sich Anja Langhoff. Mittlerweile stehe ihre Familie aber voll hinter ihr.


Die Arbeit als Schausteller ist alles andere als leicht. Die Verkaufswagen und Karussells müssen bei Wind und Wetter auf- und abgebaut werden. Für weite Transporte werden oft Nächte durchgemacht. Auch die Einnahmen stehen und fallen mit dem Wetter. Wenn es regnet, kommen keine Besucher auf die Festplätze und die Kassen bleiben leer. Verheerend, wenn man sich die enormen Kosten vorstellt, die in einem solchen Betrieb anfallen: Lebenshaltungs-, Fahrt- und Betriebskosten, Standgelder, Steuern, Reparaturen, usw. Ohnehin hätten sich die Zeiten geändert, so Hartmut Langhoff. „Die Leute überlegen doppelt und dreifach wofür sie ihre Geld ausgeben.“

Dennoch kann sich keiner in der Familie Langhoff etwas anderes vorstellen. Alle lieben ihren Beruf. „Das jetzt hier nur als Schaustellerunternehmen zu bezeichnen wäre falsch“, erklärt Hartmut Langhoff. „ Ich sage immer Allround-Business. Früher waren wir Wochenend-Schausteller, seit 20 Jahren sind wir Vollzeit-Schausteller. Mit allen negativen wie positiven Aspekten.“ Seit Oktober 2009 ist mit Aidan, dem Sohn von Alexander und Anja, die Familie Langhoff ein bisschen größer. Vielleicht führt er eines Tages das Familienunternehmen in vierter Generation.


Da wartet schon die nächste Generation der Schausteller-Familie: Geron Langhoff mit seinem Neffen Aidan in der Kasse des Top Spins Fotos: Romina Suliani

Arbeiten im Schaustellerbetrieb Langhoff bedeutet ständiges Reisen – Für Christian Müller macht genau das den Reiz aus
Mit der Kirmes immer auf Achse

Das Familienunternehmen Langhoff besteht in diesem Jahr seit 55 Jahren. Gründer Adolf Langhoff bewirtschaftete mit seiner Familie und einigen wenigen Mitarbeitern ein Ladenlokal und fünf Verkaufswagen und -stände. Insgesamt zählen heute unter Hartmut Langhoff 38 zugelassene Fahrzeuge, Verkaufswagen und Fahrgeschäfte zum Firmeninventar. Ein Betrieb, der nicht mehr allein durch die Familie bewerkstelligt werden kann. Nachdem in den vergangenen Teilen der Serie die Geschichte des Unternehmens und die Familie Langhoff im Vordergrund standen, rückt der letzte Teil heute die Mitarbeiter der Firma Langhoff in den Fokus. Hartmut Langhoff beschäftigt heute 15 Mitarbeiter in seiner Firma. Ein Großteil von ihnen kommt aus Polen. Die langjährigsten Mitarbeiter jedoch kommen aus den heimischen Gefilden. Angelika Feld zum Beispiel. Seit knapp 20 Jahren arbeitet sie nun schon in dem Betrieb und kann sich noch heute genau an ihren ersten Einsatz im Mandelwagen erinnern. „Das war in Werdohl beim Stadtfest“, so die zweifache Mutter. „Ich kam in den Mandelwagen und habe mich direkt wohl gefühlt.“ Über einen Bekannten war sie mit Barbara und Hartmut Langhoff in Kontakt gekommen. Nach der Geburt ihrer Tochter Jennifer wollte sie damals wieder arbeiten. In ihren alten Beruf als Friseurin wollte sie nicht. So kam sie an das Schaustellerunternehmen.

Heute gehört sie zu den am längsten Beschäftigten Mitarbeitern des Betriebes, dennoch werde ihr die Arbeit nicht langweilig. „Man trifft immer neue Leute, oder sieht über die Jahre die Kinder der Stammkunden groß werden. Das ist schon schön“, lächelt Angelika. Anfangs empfand sie den Umgang mit Betrunkenen, vor allem auf Schützenfesten, als anstrengend. „Aber auch daran gewöhnt man sich und weiß mit denen umzugehen.“ Besonders gut gefällt ihr die Vielfalt der Arbeit. „Du bist jedes Wochenende woanders. Die Arbeit im Mandelwagen oder im Crêpes-Stand ist abwechslungsreich und man kommt mit Menschen zusammen.“


Barbara Langhoff, Angelika Feld, Nurgül Selvi und Stefanie Junski (v.li.) 1997 am Langhoff-Zelt beim Ritterfest der Dorfgemeinschaft Ohle am Schloss Brüninghausen. Foto: Romina Suliani

Das Herumreisen stellt auch für Christian Müller einen besonderen Reiz dar. Der 22-jährige aus Ohle ist zwar noch nicht so lange dabei wie Angelika Feld, dennoch will er schon jetzt die Arbeit bei der Familie Langhoff nicht mehr missen. Mit Alexander Langhoff und dessen Frau Anja fährt Christian durch ganz Deutschland, Österreich und Polen. Am Top Spin No. 2 verkauft er Fahrchips oder sammelt sie ein, gehört zum Auf- und Abbauteam und hilft bei Reparaturarbeiten. Er schläft in einem Personalabteil. Bereits seit über drei Jahren fährt er mit. Einen anderen Job kann er sich nicht vorstellen. „Immer das gleiche sehen, das finde ich langweilig.“ Die Reise sei genau das richtige für ihn. Eine feste Freundin zu haben sei bei der vielen Mobilität schwierig. Und Christian ist jung. „Ich genieße meine Freiheit“, grinst er.


Christian Müller genießt seine Freiheit als Schausteller-Mitarbeiter. Mit dem Top Spin No. 2 reist er durch Deutschland und das benachbarte europäische Ausland. „Immer das gleiche zu sehen, fände ich langweilig“, sagt er. Foto: Romina Suliani

Das Arbeitsklima im Betrieb ist familiär. Christian, Angelika und die anderen Mitarbeiter fühlen sich fast schon zur Familie Langhoff gehörig. „Ich rede oft von „unserer“ Firma“, so Angelika. „Obwohl ich ja eigentlich nur angestellt bin.“ Für ihre Chefs ist das ein gutes Zeichen: Das Unternehmen Langhoff ist eben ein großer Familienbetrieb.

Infokasten:
Schausteller oder „Fahrendes Volk“ gibt es seit dem Altertum. Stets war es Anliegen der Schausteller, das Volk zu belustigen und zu erstaunen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren es vor allem Menschen- und Tierschauen, die die Leute anzogen. Erst seit dem 1. Januar 2002 ist der Begriff des Schaustellers und seine Berufstätigkeit in den Allgemeinen Verwaltungsvorschriften für den Vollzug des Titels III der Gewerbeordnung (ReisegewVwV) einheitlich definiert.


Geschäftseröffnung von Langhoffs erstem Kinderkarussell 1990 in Plettenberg (rechts auf dem Foto Geron Langhoff).Fotos [2]: Romina Suliani


Margarete und Adolf Langhoff beim Aufbau der 10-Meter-Bude.

Die Folgen in der WR über die Familiengeschichte "Langhoffs bunter Teller":
1. Die Anfänge unter Adolf Langhoff ab 1956
2. Geschäft und Familie in den 1960/70er Jahren
3. Hartmut Langhoff tritt in die Fußstapfen seines Vaters
4. Das moderne Schausteller- Unternehmen heute
5. Portrait des Mitarbeiters Christian Müller