Quelle: ST vom 26.05.1956

Zehn Jahre Krankentransport in Plettenberg
Samariter mit Blaulicht und Signalhorn
Wie in Plettenberg und den Nachbarstädten nach dem Krieg der Krankentransport und Rettungsdienst entstand - Die Plettenberger Krankentransportautos legten 1955 den zweieinhalbfachen Umfang des Äquators zurück

Plettenberg. Am 1. Juni jährt sich zum zehnten Male, dass im Auftrag der damaligen Militärregierung der Krankentransport und Rettungsdienst durch die Feuerwehren ins Leben gerufen wurde. Diesen Tag haben wir zum Anlass genommen, um einmal mit den Männern, welche in Plettenberg diesen selbstlosen Dienst versehen, über den Werdegang der hiesigen Station in den zehn vergangenen Jahren zu plaudern.

Es dürfte nur wenigen Einwohnern Plettenbergs noch in Erinnerung sein, dass bis zur Beendigung des letzten Krieges im Jahre 1945 nur ein Krankenwagen zur Verfügung stand, welcher vom DRK betreut wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Plettenberg keine Tag und Nacht besetzte Station, sondern der Fahrer dieses Krankenwagens, Herr Wilhelm Hoffmann, arbeitete nebenbei noch bei der Firma Graewe & Kaiser und musste im Bedarfsfall jeweils von dort angefordert werden.

Nach Kriegsende ging man nun seitens der englischen Besatzungsmacht daran, in der damaligen britischen Zone einen Krankentransport und Rettungsdienst nach englischem Muster aufzustellen, dessen Aufgabengebiete genau festgelegt wurden. Da man in England keine freiwilligen Feuerwehren, sondern nur Berufsfeuerwehren kennt und diese eben auch den Krankentransport und Rettungsdienst versehen, wurde dieses Schema auf deutsche Verhältnisse übertragen. Auch in kleineren Städten musste nun die Feuerwehr, wie in allen Großstädten Deutschlands, diesen Dienst übernehmen.

Die Kreisbrandmeister wurden nun mit der Aufgabe betraut, eine voll einsatzfähige Station in den Städten Plettenberg, Altena, Werdohl, Meinerzhagen und Brügge zu erstellen. In den damaligen schlechten Zeiten nach dem Kriege schien dieser
Aufgabe zunächst unlösbar,
fehlte es doch an allem, was nötig war, um diese Forderungen der englischen Besatzungsmacht zu erfüllen.

Nachdem endlose, sich über Monate hinziehende Verhandlungen des damaligen Kreisbrandmeisters Albert Kohlhage mit den zuständigen Stellen der deutschen Aufsichtsbehörde erfolglos blieben, schritt dieser kurzerhand und entschlossen im Interesse der immer mehr durch den Flüchtlingszustrom anwachsenden Plettenberger Bevölkerung im Jahre 1946 zur Selbsthilfe und gründete im Einvernehmen mit sämtlichen Einheitsführern der Feuerwehren im Kreis Altena innerhalb der Feuerwehr ein Privatunternehmen. Das notwendige Kapital wurde von privater Seite zur Verfügung gestellt. Die Abrechnungsstelle wurde bei dem derzeitigen stellv. Kreisbrandmeister Walter Goseberg in Kierspe-Bhf. errichtet. Am 1. Juni 1946 war es dann endlich so weit, dass in jeder der genannten Städte eine Tag und Nacht besetzte Station eröffnet werden konnte und die noch vorhandenen, vom Krieg verschonten Krankenwagen vom DRK übernommen werden konnten.

Zum Teil wurden, wie in Plettenberg, auch die alten Fahrer übernommen, so dass Herr Hoffmann in diesem Jahr auf eine 26-jährige Fahrertätigkeit als Krankenwagenfahrer zurücklicken kann. Herr Hoffmann wird Ende dieses Jahres die Altersgrenze erreichen und in den wohlverdienten Ruhestand treten.

Nachdem die Fahrzeuge vom DRK übernommen worden waren, gab es für die Männer eine Zeit harter Arbeit. Sei es die Beschaffung von Reifen, Benzin oder Ersatzteilen oder die Ausführung der vielen, vielen Transporte. Alles musste im Interesse der kranken Menschen reibungslos klappen. In dieser Zeit wurde von den Männern fast Unmögliches verlangt. Tag und Nacht, ob Sonntag, Feiertag oder Alltag mussten sie zur Stelle sein. Da gab es nur eines: anfassen und durchhalten! Hier offenbarte sich der wirkliche Idealismus dieser Männer, denen die Plettenberger Bevölkerung ihre Achtung und Anerkennung nicht versagen sollte.

In diesem Zusammenhang sei nochmals die hervorragende Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Kreisbrandmeister Albert Kohlhage und dessen damaligen Stellvertreter Walter Goseberg erwähnt. Ohne diese Zusammenarbeit wäre es niemals möglich gewesen, den Krankentransport und Rettungsdienst so aufzubauen, wie er heute uns allen eine liebgewordene Selbstverständlichkeit ist.

Bei der Übernahme der Stationen war jeweils lediglich ein leeres Zimmer vorhanden, in dem sich die Fahrer notdürftig aufhalten konnten. Auch das Feuerwehrgerätehaus im Wieden hatte unter den Einwirkungen des Krieges gelitten, so dass keine Unterkünfte für die Männer und die Fahrzeuge zur Verfügung standen. In zum Teil eigener Handarbeit wurden damals die Garagen von den Männern in zusätzlicher Arbeit wieder aufgebaut. An dieser Stelle seien die Verdienste des vor einigen Jahren leider verstorbenen Fahrers Otto Nölle sowie des heute noch beim Krankentransport tätigen Fahrers Helmut Groß besonders hervorgehoben. Der uneigennützigen Einsatzbereitschaft dieser beiden Männer war es zu verdanken, dass trotz aller Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten immer ein Fahrzeug fahrbereit zur Verfügung stand, so dass jedem Plettenberger Bürger im Rahmen des damals Möglichen geholfen werdne konnte. Herr Groß begeht am 1. Juni 1956 sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Die beiden anderen Fahrer, Erich Kalthoff und Karl Heßmer, kamen erst in den Jahren 1948 bzw. 1950 zum Krankentransport und sind auch heute noch hier tätig.

Bis zum Jahre 1948 blieb der Krankentransport im Kreise Altena ein Privatunternehmen der Feuerwehr. Im Verlaufe dieser zwei Jahre war nun auch die Aufsichtsbehörde zu der Einsicht gekommen, dass es besser sei, diesen Krankentransportdienst als weitere Dienststelle zu übernehmen und der Kreisverwaltung in Altena anzuschließen. Im November 1948 übernahm dann die Kreisverwaltung den Krankentransport und Rettungsdienst im ganzen Kreis Altena.

Infolge der ständig steigenden Einwohnerzahl der Stadt Plettenberg wurden die Leistungen der Krankentransportstation Plettenberg von Jahr zu Jahr größer. Die nachstehend aufgeführten Zahlen sollen den Plettenberger Bürgern einen Einblick in die Leistungen der Station geben. Jeder kann sich dann einmal Gedanken darüber machen, welche unendliche Kleinarbeit und Sorgfalt hinter diesen ausgeführten Transporten steht.

Statistik der Krankentransporte
Geschäftsj.km/JahrTransp./JØ km/MonatØ Transp. Monat
1948/49  58.540   2.414     4.878        201
1949/50  46.560   2.176     3.880        181
1950/51  51.086   2.740     4.257        228
1951/52  56.740   3.112     4.729        259
1952/53  68.406   3.861     5.700        321
1953/54  76.280   4.059     6.357        338
1954/55  84.933   5.115     7.076        426
1955/56100.738   6.113     8.339        509

Durch diese unermüdliche Arbeit aller Fahrer wurde es gerade im Jahre 1955/56 erreicht, erstmals in einem Jahr mit zwei Fahrzeugen über 100.000 Kilometer zu fahren. Das ist eine Leistung, wie sie bisher von keiner anderen Station im Kreis Altena erreicht wurde. Diese riesige Strecke entspricht dem zweieinhalbfachen Umfang des Erdäquator!
Wenn man bedenkt, dass es sich bei diesen Transporten nur um die Beförderung kranker Menschen handelt, dann kann man erst ermessen, was hinter diesen Zahlen für Leistungen stehen. Die Plettenberger Bevölkerung kann daher dankbar dafür sein, dass die Einrichtung in einem solchen Umfang...