1936, zum 100-jährigen Bestehen, stellten sich die Schützen mit den seit 1945 verschwundenen Fahnen von 1843 (li.) und 1866 noch stolz dem Fotografen.

Siehe auch: flagsearch by "wwiidaggers.com"        Fahnensuche aus Leidenschaft

15 Jahre Suche nach der
Königin-Elisabeth-Fahne

Als Souvenir von US-Soldaten mitgenommen: Fahne von 1843, von 1866, die Jungschützenfahne und die Bürgermeisterkette

Seit mehr als 15 Jahren wird durch PSG-Oberst Rolf Wilmink und dem Herausgeber des Plettenberg-Lexikon intensiv nach dem Verbleib mehrerer Schützenfahnen geforscht. Die wurden im April/Mai 1945 von amerikanischen Soldaten als Souvenir mitgenommen. Die langjährige Suche führte Rolf Wilmink sogar zum Veteranentreffen der 75th Infanterie Division der US Army nach Atlanta. Der vermutliche Aufenthaltsort der Fahnen ist inzwischen gefunden, jedoch besteht wenig Hoffnung, sie tatsächlich wieder nach Plettenberg zu holen. Hier die Geschichte der Fahnen und der Fahnensuche:

1840 richtete die „Plettenberger Schützengesellschaft von 1836 e.V.“ (Westfalen) an die Königin Elisabeth Ludovika von Preußen (die mit ihrem Gatten Friedrich Wilhelm IV. in diesem Jahr auf den preußischen Thron gelangt war) die Bitte um eine Fahne, "aus weißer Seide gearbeitet, auf welcher auf der einen Seite in blauem Felde, mit einem Kranz von Eichen(Ähren?)zweigen umgeben, das Wappen der Stadt, daß die Gesellschaft angenommen hatte, und auf der anderen Seite in weißem Grunde der Namenszug der Königin Elisabeth, überschwebt von der landesherrlichen Krone, gestickt ist".

Mit Schreiben vom 18. Juni 1843 teilte der Legationsrat Sasse, (Kabinettssekretär der Königin), mit, daß "er das Vergnügen habe, die von Ihrer Majestät der Königin derselben Allergnädigst zum Geschenk bestimmte Fahne im allerhöchsten Auftrage ergebenst zu überreichen".
Die Lieferung geschah durch den Fuhrmann Teschmacher, Berlin, angefertigt worden war die Fahne von dem Königlichen Hofsticker C. Röhrich, Berlin.



Am 21. Juli 1843 wurde die Fahne feierlich geweiht. (100 Böllerschüsse !) Die obigen Zeichnungen stellen eine grobe Rekonstruktion der Fahne (beide Seiten) dar. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich zwischen den beiden Türmen im Stadtwappen eine blaue Schleife. Der Hofsticker setzte aber an diese Stelle (vielleicht weil es ein Geschenk der Königin war) eine Krone, die der Stadt heraldisch gar nicht zustand. Seit 1843 trägt das Wappen der Stadt D-58840 Plettenberg (NRW) daher eine Krone. (Zum Vergleich unten: Das heutige Stadtwappen Plettenberg und Königinwappen)

Am 8. Mai 1945 wurde diese Fahne beschlagnahmt von Angehörigen der 9th US-Army, XVI.(16). Korps (Generalmajor John B. Anderson) 75th Infantry Division, (289, 290, 291 Infantryregiment), Fifth Section of the General Staff Official Allied Expeditionary Force, Military Government Die 75. Div. war vom 20.04. bis 4.6.1945 in Plettenberg.



Mit der o.a. Fahne wurden beschlagnahmt: 4 weitere Fahnen, u.a. die "1866er" Fahne (gestickte Aufschrift: "Unseren ruhmgekrönten Kriegern 1866" in einem Eichenkranz) und die "Jungschützenfahne" von 1936.

Das Goldene Buch der Stadt Weimar für 28.000 Dollar
Major Baker beschlagnahmte am 22. April 1945 die alte Bürgermeisterkette! Es konnte ermittelt werden, daß sich diese Kette bei dem Händler William Warda in Media, Pennsylvania (Nähe Philadelphia) USA, befindet. Dieser ist aber nicht kooperativ, die Kette wäre nicht zu verkaufen. Gegenüber verdeckten Ermittlern hat er bekundet, daß er ebenfalls weiß, wo sich die Fahnen befinden. Weiterhin befindet sich in seinem Besitz das Goldene Buch der Stadt Weimar, welches 1945 von einem amerikanischen Soldaten dort gestohlen wurde. Dem Leiter des Thüringischen Hauptstaatsarchivs wurde das Buch für US$ 28.000 von William Warda angeboten.

Mitglieder der 75th. Inf. Div. waren:
Major Baker (Leiter 75th Div. im Bereich), Major Robert M. Miller, (Kommandant Hauptquartier 75th Div. im April/Mai/Juni 1945) Major Bach, Mr. Rosi, Sergeant? Hans Bauer, Philadelphia, Lt. Williams, Lt. Murphy, Mr. Harry M. James, Mr. Loring ? Mr. ("Goldi") Goldberg, Mr. Hustenford, Mr. Ingersoll, Mr. Fenster, Mr. Ried, Cap. Sears, Militärarzt Major Fellows.

Weiterhin waren im Raum Plettenberg am 12./13./14.April 1945 aktiv: 99th US-Inf.-Div., 393rd.US-Inf.Reg., vom III.Corps, 1. US-Army, entlang des Flusses "Lenne" Richtung Altena sowie die 86th. US.Div., 343 US-Infantrieregiment von Herscheid kommend (diese hatten aber mit der Fahne nichts zu tun).

Gesucht werden weitere Angaben, Texte, Fotos etc. zu Fahnen und zur 75th. Inf. Div. in der Stadt Plettenberg, um weitere Ermittlungen in den USA durchführen zu können.

Die verschwundenen Gegenstände wurden registriert in der Datenbank www.lostart.de: http://www.lostart.de/nn_6154/Webs/DE/Datenbank/SucheSimpelErgebnis,param=SUCHE__ID_3D1428955.html

Foto- und Filmankäufe beim Nationalarchiv in Washington, die Einschaltung von einem Rechercheur im Nationalarchiv sowie Ermittlungen in amerikanischen Datenbanken nach den Soldaten bzw. deren Nachkommen werden durch Spenden finanziert. (Sparkasse Plettenberg, BLZ. 45851020 Kto.71205900, Kennwort: Rolf G. Wilmink wg. Fahnensuche PSG)

Kontaktanschrift: Rolf G. Wilmink Postf. 1652 D-58816 Plettenberg/Westfalen/Deutschland Tel. ++49-2391-3945 Fax. ++49-2391-3706 Email: office@mkw-security.de Internet: www.plbg.de/75th/fahne.htm


Zum Jubiläum der Schützengesellschaft im Jahre 1936 wird die Königin-Elisabeth-Fahne aus dem Rathaus an der Bahnhofstraße (später Lederwaren Klumpe) getragen. Die Aufnahme ist ein Ausschnitt aus einem Schwarz-Film von Ludwig Müller. Dringend gesucht werden Aufnahmen, auf denen die Details der Fahne besser zu erkennen sind.


Geschichte der „Königin Elisabeth-Fahne“ der „Plettenberger Schützengesellschaft 1836 e.V.“ (noch nicht vollständig, Stand 21.04.2010)

Die Lieferung der Fahne geschah durch den Fuhrmann Teschmacher, Berlin, in der Zeit von etwa drei Wochen, der besonders verpflichtet war, das kostbare Geschenk "zu rechter Zeit und ohne Tadel" frei in Plettenberg abzuliefern. Angefertigt worden war die Fahne von dem Kgl. Hochsticker E. Röhrich (Berlin), der schrieb:
"Bei der Zusammenstellung der Fahne wollen Sie den Rücken der Flagge über den unpolierten Teil der Stange ziehen und die Befestigung dieser beiden Gegenstände durch beiliegenden Streifen Leder mit 50 Nägeln, für welche die Stellen auf dem Leder bezeichnet sind, geschehen lassen. Mit Genehmigung Ihrer Majestät der Königin habe ich Ihrem Wunsche gemäß das Stadtwappen in der Fahne angefertigt."

Nach einem umfangreichen, besonders aufgestellten Wahlreglement wurde der Fähnrich für die neue Fahne bestimmt, und der um die Schützenvereinssache hochverdiente Bürger J. W. Haape ging aus der Wahl als der erste Träger der Königinfahne hervor. Durch Trommelschlag und Böllerschießen wurden die Schützen damit bekannt gemacht, als am 8. Juli 1843 die Fahne hier ankam. Ihre Einweihung geschah in feierlichster Weise am Freitag, dem 21. Juli, in Gegenwart des Landrats von Holtzbrinck, Altena, und der Mitglieder der städtischen Vertretungen und wurde am Vorabend durch Böllerschießen, Antreten der Kompagnie auf dem Schützenplatze, Festakt auf dem Maiplatze mit Festkonzert und großem Zapfenstreich usw. eingeleitet.

Der Tag der Fahnenweihe selbst war dann für die Schützen, die sich um 8 Uhr vor der Wohnung des Hauptmanns Wiel versammelten, sowie für die ganze Bürgerschaft ein Tag der Freude und des Dankes. Schon um 4 Uhr morgens wurde er durch 50 Böllerschüsse eingeleitet. Unter Vorantragen der alten Fahnen wurde die Königinfahne in feierlichem Zug um 10 Uhr nach dem Schützenzelte durch die ganze Kompagnie gebracht. Der Tisch, worauf sie gelegt wurde, war 15 Schritt vom Eingange aufgestellt. Die Kompagnie stellte sich darum in Form eines Hufeisens auf. Landrat und Magistrat, Stadtverordnete und der Vorstand gruppierten sich rechts und links neben dem Tisch. Die Tambouren schlugen den Wirbel, der älteste Offizier kommandierte: "Das Gewehr über!" und der Hauptmann und Bürgermeister Wiel hielt darauf folgende herrliche Ansprache:

"Schützen! Eine schöne Feier - eine Feier, wie solche unser Städtchen wahrscheinlich noch nicht gesehen hat, vereint uns heute in diesem Zelte. Das huldreiche Geschenk unserer allergnädigsten Königin, die ersehnte Fahne liegt vor uns und wird sich bald vor unseren Blicken enthüllen. Sie - welche der Name der hohen Geberin bereits geweiht hat, soll Euch heute feierlich übergeben werden. Ich bin von Euch zu Eurem Chef erwählt, und ich halte es als solcher für meine Pflicht und zeitgemäß, einige wenige schlichte Worte an Euch zu richten. Sie kommen aus einem echt preußischen Herzen und sind an Markaner als echte Preußen gerichtet.

Seit langem besteht in unserem Vaterlande die Sitte, daß der Bürger und die mannhafte Jugend sich in der Handhabung der Waffen übten. Wenn andere Herrscher zagten, ihren Bürgern Waffen in die Hand zu geben, fürchtend, daß sie solche gegen sie selbst gebrauchen könnten, so wurde das Waffenspiel nicht allein unseren Vorfahren und uns gestattet, es fand auch alle mögliche Unterstützung von seiten unserer Landesherren, die der nie wankenden Treue und hingebenden Liebe ihrer Untertanen gewiß waren und die Überzeugung hatten, daß der durch dies Waffenspiel geweckte kriegerische Sinn bei der etwa nötig werdenden Verteidigung des Vaterlandes nur günstig sein musste.

Der mutige Sinn des preußischen Volkes, seine unerschütterliche Treue zu seinem angestammten Herrscher, seine aufopfernde Liebe für ihn, aber auch das feste Vertrauen, welches von je her zwischen Fürst und Volk bestanden hat und welches nie getäuscht worden ist, haben Großes bewirkt; das bezeugt die Geschichte Preußens, das zeigen die glorreichen Schlachten der älteren und neueren Zeit, die seine Söhne geschlagen haben, und solange das Gestirn "Friedrichssöhne" unter dieser Benennung am Himmelszelte glänzen wird - so lange wird Preußens Ruhm bestehen.

Wo es die Ehre des Vaterlandes galt, scharten sich seine Söhne auf den Ruf ihres Fürsten um des Vaterlandes Fahnen und zogen mit ihnen freudig und mutig dem Feinde entgegen, siegten oder starben, doch nie wankte des Preußen Mut, und oft - nur, wenn der letzte Mann sank, fiel die Fahne, das Heiligtum des Krieges, sein Palladium, welches ihm im Siege vorangeleuchtet hatte, in der Hand des Feindes, und sterbend noch verteidigte er das Banner und färbte es mit seinem Blute rot, welches ihm sein Fürst, es zu wahren, vertrauend übergeben hatte.

Die hier vor uns liegende Fahne, das Geschenk unserer Allergnädigsten Königin, wird fortan Euer Fest verherrlichen mehr verherrlichen, und in friedlichen Zeiten wird dies ihr Zweck sein, - doch wer möchte daran zweifeln, der die Gesinnung der stets treu erfundenen Markaner kennt, daß, wenn es je ein übermütiger Feind wagen sollte, in unsere friedlichen Gaue und Berge einzudringen, daß die Älteren unter Euch sich zur Verteidigung ihres Herdes und ihrer Kinder unter ihrem Schatten sammeln werden, indes Eure jüngeren Brüder zur Beschützung der heiligsten Güter der Freiheit und der Selbständigkeit des Vaterlandes freudig den Kriegsfahnen zueilen, um sich den alten gewohnten Preußenruhm zu erkämpfen und der Väter würdig zu werden. Wie dem Soldaten seine Fahne . . .

Quelle: S. 8 der Festschrift zur 100jähr. Jubelfeier der Plettenberger Schützengesellschaft (erschienen 1936, Verfasser Rektor i. R. Ernst Weimann)

Königin-Fahne bei Brand stark beschädigt
Bei einem auf dem hiesigen Polizeibüro im Jahre 1865 vorgekommenen Brande wurde auch die neue Schützenfahne leider stark beschädigt. Der Vorstand (Wilhelm Dulheuer) beauftragte Fräulein Ida Ulrich zu Altena mit der Reparatur derselben. Durch Aufnähen der Stickereien auf neue Seide wurde das Geschenk Ihrer Majestät, der damaligen Königin-Witwe, mit einem Kostenaufwand von 30 Talern wieder hergestellt.


Als Aprilscherz machte die verschwundene Königin-Elisabeth-Fahne am 31. März 1951 im Süderländer Tageblatt Schlagzeilen. Durchaus denkbar wäre dennoch, dass eines Tages die Schützenfahne aus den USA kommend auf dem Frankfurter Flughafen eintrifft. Hierzu bedarf es allerdings der Mitwirkung vieler, insbesondere der von William Warda (Media, Pennsylvania).