Quelle: Westfälische Rundschau vom 19.03.2011

Vor 50 Jahren - ein Boxklub hängt in den Seilen

1961:


Vereinsnadel BC 48 (Quelle: Jürgen Hagen)


Wie alles begann:
Gründung des BC 48 Plettenberg

Am 18. Februar 1948 fanden sich im Gasthof Hoppe einige junge boxsportbegeisterte Männer, um den oben genannten Verein zu gründen und diesem ein festes Fundament zu geben. Zu dieser Gründungsversammlung und damit zur 1. Vereinssitzung fanden sich folgende Sportkameraden ein:
Otto Niebling, Alfred Schreiber, Willi Schweitzer und Charlie Märker
Mehrmals hatte man keine Anstrengungen gescheut, um einen schlagkräftigen Box-Club hier in Plettenberg ins Leben zu rufen. Jedesmal war aber leider alles zum Schweitern verurteilt, z. B. die erste Auflösung des BC's, nach 2- bis 3-jähriger Lebensdauer, im letzten Vorkriegsjahr 1938 und die zweite Auflösung des BC's nach nur mehrmonatlicher Lebensdauer im zweiten Nachkriegsjahr 1947.

Der BC 48 hat nun endlich allen Boxsportfreunden, wie es scheint, die großen Wünsche und Hoffnungen zum größten Teil erfüllt.
Da nun bei der Gründungsversammlung des BC 48 Plettenberg nur ein kleiner Kreis zu dieser wichtigen Zusammenkunft erschienen war, war es nicht möglich, einen geschlossenen Vorstand zu wählen. Sportkamerad Schreiber übernahm vorläufig die Geschäfte des Vorsitzenden und Geschäftsführers. Als 1. Kassierer wurde Sportkamerad Guth, als Gerätewart Sportkamerad Märker und als Trainer Sportkamerad Raiwa gewählt. Es wurde beschlossen, sofort in den Westf.-Boxsportverband einzutreten, um geregelte Kämpfe abschließen zu können. Zum Schluss der Versammlung gab jeder das Versprechen ab, seine ganze Kraft dem jungen Verein zu widmen und diesem zu Ansehen zu verhelfen.

Zum Trainingsraum war schon die Pl.-Turnhalle erworben (erkoren ?), und nun wurde mit großem Fleiß trainiert, um die noch kommenden Kämpfe gut zu bestehen. Mittlerweile konnten auch der 1. und 2. Vorsitzende in den Sportkameraden Fritz Rademacher und Otto Niebling ermittelt werden. Die erste größere Anschaffung des Vereins war das Hochpodium. Außerdem wurden mehrere Paar Kampfhandschuhe sowie Trainingshandschuhe angeschafft. Das ganze Augenmerk wurde auf die Ausbildung der Kampfmannschaft gerichtet, und so konnte sich denn auch bald eine gute Kampfstaffel herausschälen.

Wilhelm Klünker


Robert Beyer stellte dieses und weitere Fotos und Texte aus der Geschichte des BC 48 für das Plettenberg-Lexikon zur Verfügung. Auf dem im Freibad Grünetal entstandenen Foto sind von links nach rechts (obere Reihe) zu sehen: Gerd Raiwa mit Sohn im Arm, Alfred Lanken, Freudenhammer, Eugen Klitta, Erwin Kulas (stehend), Paul Segrewe. Untere Reihe v.l.n.r.: Karl "Charlie" Märker, Karl Buchhold, Robert Beyer, Friedhelm Benner (nur der Kopf ist zu sehen), Paul Klute und Werner Geck. Stehend dahinter als Zuschauer: van Wickeren (Schuhhandel am Eschen, Brockhauer Weg, später am Umlauf), zwei Mädchen sowie ein nicht bekannter Junge.


Sommerfest 1949    Erwin Kulas    Box-Ring 35



Anzeige in den "Amtlichen Bekanntmachungen des Kreises Altena" vom 26. Februar 1949.



Die Boxstaffel des BC 48 nach dem Vergleichswettkampf in Schwelm am 19. März 1950.


Quelle: Süderländer Tageblatt vom 10.12.1958

Plettenberger Boxverein machte sich in zehn Jahren einen Namen
Box-Club 48 feiert Geburtstag
Der Kraftsportklub "Eiche" und der "Boxring 35" waren die Vorläufer des BC 48 Plettenberg - Nationalstaffel-Boxer Kulas bestreitet am kommenden Samstag seinen 150. Kampf

Plettenberg. Der Boxclub Plettenberg kann am kommenden Samstag, dem 13. Dezember, auf zehn Jahre seines Bestehens zurückblicken. Für die alten Kämpfer und Initiatoren des Clubs ist es ein recht erfreulicher Rückblick, denn der Club hat sich trotz mancher Krisen und vieler Schwierigkeiten in den zehn Jahren seines Bestehens nicht nur behaupten können, sondern aus seinen Reihen ist inzwischen ein Kämpfer erwachsen, der erst jüngst in die Nationalstaffel berufen wurde und dessen Name heute im Lager der Amateurboxer zu den geachtetsten und gefürchtetsten zählt: Erwin Kulas, der erst in der vorletzten Woche mit der deutschen Staffel in Moskau geboxt hat.

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sche Ringen und das Gewichtheben und der Nebensparte Boxen auch das Tau- und Expanderziehen. Der Verein konnte damals einige sportliche Erfolge verbuchen, ging aber schließlich nach knapp fünfjährigem Bestehen infolge finanzieller Schiwerigkeiten wieder ein.

Der erste reguläre Boxklub wurde 1935 gegründet. Dieser "Boxring" wurde - unter dem Vorsitz von Otto Bergfeld - von Ernst "Ötte" Bastian aus Altena trainiert und er stellte zeitweise eine recht schlagstarke Staffel, die in einer Reihe von Städtekämpfen schöne Siege erringen konnte. Der Arbeit des Boxringes setzte jedoch im Jahre 1939 der Kriegsbeginn ein Ende.

Nach dem Kriege entstand dann schließlich am 13. Dezember 1948 unter dem Vorsitz von Fritz Rademacher der BC 48 Plettenberg, der insbesondere in den Jahren 1949 bis 1953 eine sehr starke Boxerstaffel stellte, deren Namen heute wohl noch vielen alten Boxfans vertraut sind: Willi Schweizer, der heutige 1. Vorsitzende, Paul Seegräwe, Günther Rötz, Robert Beyer, I Tusch, Ernst Junge, Willi Bialojan, Günther Maslo, Karl Merker, Günther Hiersemann und Willi Kolaky waren die Kämpfer, die damals in vielen hervorragenden Kämpfen das Plettenberger Publikum mitrissen. Außerdem stand damals bereits eine ausgezeichnete Schülerstaffel mit Benner, Reichert, Alfred Beyer, [Karl-Heinz] Brockhaus und dem damals noch jugendlichen Kulas, die 1950 die Bezirskmeisterschaft gewann.

Auch eine Reihe namhafter Trainer wurden im Laufe der zurückliegenden zehn Jahre für den BC Plettenberg gewonnen, so Karl "Charlie" Märker, Gerd Raiwa, Blum (Altena), "Oette" Bastian und schließlich noch vor wenigen Jahren der vielfache Deutsche Meister seiner Gewichtsklasse, Rudi Pepper, aus Iserlohn.

Dank der Bemühungen dieser Trainer hielt der Boxclub Plettenberg in den zurückliegenden Jahren immer eine gewisse Höhe und ein erfreuliches Niveau; eine Fülle von Kämpfen gegen bekannteste westdeutsche, mitteldeutsche aber auch ausländische Staffeln begeisterten die Plettenberger Boxsportfreunde immer wieder.

Auch heute sind viele der Boxveranstaltungen, die der BC Plettenberg durchführt, noch von beachtlichem Format. Zwar ist der Stamm fester Kämpfer des Vereins etwas kleiner geworden, aber durch die im Boxsport ja übliche Verpflichtung von Gastkämpfern aus der Umgebung gelingt es der bemühten Vereinsführung immer wieder, gute Kämpfe und Paarungen zustande zu bringen.

Höhepunkte des Abends sind jedoch immer wieder die Kämpfe von Kulas, der zum großen Boxidol Plettenbergs geworden ist. Ein Kampf ohne Kulas zieht heute beim Publikum kaum noch recht, doch wenn Kulas durch die Seile klettert, rauscht lauter Beifall auf, und bisher hat der aus Schlesien gebürtige Dreher seine Freunde und Anhänger auch noch nie enttäuscht. - Für ihn wird übrigens der Jubiläumskampf des Vereins am kommenden Samstag ebenfalls ein Jubiläumskampf sein, denn er bestreitet seine 150. Ringschlacht gegen den Schalker Hennig, und wir sind überzeugt, dass er durch einen Sieg an diesem Tag, dem Jubeltag seines Vereins einen besonders festlichen Glanz geben möchte.



Dieses Foto der Boxstaffel des BC 48 entstand auf dem Wieden. Von links nach rechts: Günter Hiersemann, Karl "Charlie" Märker, Günter Maslo, Günter "Macka" Rötz, Robert Beyer, Ernst Junge, Helmut Guski, Paul Segrewe. Untere Reihe: Alfred Beyer, Erwin Kulas, Manfred "Spinne" Reichert, Dieter Brockhaus.





September 1949: "Mit Düsseldorfer Boxern in Attendorn" lautet der Text unter diesem Bild aus dem Fotoalbum des BC 48 (zur Verfügung gestellt von Robert Beyer)




Quelle: Plettenberg-Lexikon

Box-Club 48, gegr. 18.02.1948 in der Gaststätte Hoppe; Gründungsmitglieder waren Otto Niebling, Alfred Schreiber, Willi Schweitzer, Karl »Charlie« Märker; schon nach Kriegsende 1945 hatte man sich in der PTV-Halle zum Training (Trainer Karl »Charlie« Märker) getroffen; im Winter 46/47 trainierte man in eisiger Kälte mit Schal und Handschuhen in der PTV-Halle; später kamen bis zu 1.000 Zuschauer zu den Kämpfen in der Schützenhalle oder bis zu 2.000 Zuschauer zu Freiluftkämpfen auf dem Wieden; Auflösung des Vereins nach Unregelmäßigkeiten durch den Vorsitzenden (mit der Kasse durchgebrannt) im Jahre 1961, zuvor hatte der Boxclub Iserlohn den BC 48 einige Monate unter seine Fittiche genommen, in der Hoffnung, es fänden sich Männer, die den Verein weiterführen. Das gelang nicht. Vors.: Fritz Rademacher, Ernst Keitmann (1948-?), Willi Schweitzer (1958), H. Lüttich (-1961); Trainer: Gerd Raiwa, Blum, »Oette« Bastian, Rudi Pepper;

Boxring 35; gegr. 1935 als Abteilung des Kraftsportclub Eiche, trainiert wurde im Rüsingschen Saal (später Central-Theater); mit Kriegsbeginn 1939 aufgelöst; Vors.: Otto Bergfeld; Trainer: Ernst Bastian (Altena)


Der BC 48 an Pfingsten auf Rheintournee in Neuwied



Pfingsten 1950 - hier am 28. Mai 1950 - zeigt sich Gerd Guth (oben) als Weinfreund und auch Fritz Kuhnert (unten mit Weinflasche im Arm) ist dem Winzertröpfchen nicht abgeneigt.



Die Boxerlegenden im Jahre 1988: hinten stehend v. l. n. r. Helmut Guski, Günter Maslo, Günter Rötz, Erwin Kulas, ? Becker, Willi Bialojan, Karl "Charlie" Märker. Vorne links Manfred Reichert, vorne Mitte Günter Hiersemann.


Quelle: Süderländer Tageblatt vom 19.11.2011

"Er ging bei jeder Übung voran - wir
schlossen ihn immer mehr ins Herz"

Boxclub 48 Plettenberg: Robert Beyer erzählt aus dem Trainerleben von "Charlie" Märker (†)

Von Robert Beyer

PLETTENBERG Der Plettenberger Boxsport ist untrennbar verbunden mit vielen großen Namen. Einer davon ist Karl "Charlie" Märker (†), Trainer des ehemaligen Boxclubs "BC 48 Plettenberg". Die nachfolgende Schilderung ist der Bericht eines ST-Reporters, der als Mann der ersten Stunde vieles hautnah miterlebt hat. Märker war 95 Jahre, als er diesen Monat verstarb. Die Beerdigung fand am 14. November statt.

Als im Winter 1947 die Boxer ihre ersten Gehversuche unternahmen, war es für die Plettenberger Jugend natürlich etwas ganz Neues. Karl Märker war es, der dieses Interesse wachgerufen hatte. Er besaß damals noch von der bis 1935 bestehenden Kampfsportgruppe Sandsack, Punchingball und [Box-]Handschuhe.

Vor dem früheren Haus Optik-Lohmann, der Platz war als "Brückenkopf" bekannt, trafen sich boxbegeisterte Plettenberger immer wieder. Auch ich war dabei. Hier warb "Charlie", wie er von uns liebevoll genannt wurde, dann auch für den Boxsport. Als er genügend Leute zusammen hatte, traf man sich zum Kennenlernen zunächst bei ihm zu Hause am Schillerplatz.

Doch schon bald wurde die wichtigste Frage aufgeworfen: "Wo trainieren wir denn?" Karl Märker hatte bereits eine Idee: Er war unermüdlich und nach schwierigen Verhandlungen erreichte er, dass uns die PTV-Turnhalle hinter dem ehemaligen Central-Theater zum Training zur Verfügung gestellt wurde. Nun konnte es losgehen.
Aber was uns in der Halle erwartete, war zunächst ein Schock für uns: Kein Ofen, kaputte Fensterscheiben, notdürftige Innenausstattung. Diese Defizite waren natürlich verständlich, denn die Halle hatte in der Vergangenheit einiges "durchmachen" müssen: von der Unterbringung deutscher Soldaten, die am Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Rückzug waren, bis hin zu vielen anderen Einquartierungen.

Wir waren zwar froh, wenigstens eine Bleibe zu haben, aber von großer Begeisterung war nichts zu spüren. "Charlie" wischte, in seiner üblichen lebensfrohen Art, alle Bedenken vom Tisch: "Jungs, stellt euch nicht so zimperlich an! Beim Training werden wir schon warm, selbst wenn es Winter ist. Wir kleben die Scheiben mit Papier oder Pappe zu, wenn wir so etwas auftreiben können."

Warmlaufen gegen die Winterkälte
Und der fehlende Ofen? Auch das war kein Problem. "Wir werden eben in der Halle viele Rundläufe machen, Also, unterkriegen lassen wir uns nicht", erklärte uns "Charlie". Und wir ließen uns tatsächlich nicht unterkriegen. Wer einen Trainingsanzug hatte, zog ihn an. Alle anderen waren mit einer alten Hose, meist vom Vater ausgeliehen, und mit einem Pullover ausgestattet. Fausthandschuhe wurden als Schutz vor eiskalten Händen angezogen und dann ging es los mit dem Lauftraining. Dann folgte Seilchenhüpfen, Schatten- und Sparringboxen.

Bald schon kamen viele Neue aus Neugier dazu, nur um zu sehen, was es mit dem Boxen so auf sich hat. Einige von ihnen, darunter auch Schüler, waren von diesem Sport begeistert und blieben bei uns. "Charlie" nahm sich im Training ihrer an und machte erstklassige Boxer aus ihnen. Bei dieser Gelegenheit denke ich an Erwin Kulas, der als Schüler zum BC 48 kam und später als Erwachsener in der Box-Nationalmannschaft erfolgreich die deutschen Farben, auch im Ausland, vertrat.

Stetiger Zulauf für den BC 48 Plettenberg
Immer mehr Menschen trafen sich mit der Zeit in der PTV-Halle, um mit den erforderlichen Trainingseinheiten zunächst einmal in diesen Sport hineinzuschnuppern. Unser Trainer "Charlie" ging bei jeder Trainingsübung voran. Er machte denen Mut, die verzagten, und gab uns allen Hoffnung auf eine bessere Zukunft - denn die Zeit nach dem Ende des Krieges war voller Not und Entbehrungen.

Ersten Boxkampf organisiert
Im Sommer machte "Charlie" dann auch zwischendurch mit uns Training im Freien, und zwar Waldläufe am Saley und am Hestenberg. Und während des Laufens hieß es immer "Linke Gerade, rechter Haken". Natürlich war auch hierbei "Charlie" Märker derjenige, der vorweg lief und uns so zum Vorbild wurde. Wir haben ihn immer mehr ins Herz geschlossen, und das nicht nur, weil er uns im Sommer oft nach dem Training zu einem Eis oder Sprudel einlud.

Hin und wieder ging es sonntags auch schon mal ins Freibad Grünetal. Doch das war durchaus kein "Urlaub": Charlie ließ auch hier nicht locker und machte mit uns auf der Wiese Boxtraining in allen Variationen. Natürlich waren dann auch immer viele Zuschauer dabei. Gleichzeitig war es auch Werbung für den Boxsport, und wir alle wollten schnell unser Können unter Beweis stellen.

Jeder brannte darauf, das bisschen Erlernte der Öffentlichkeit zu präsentieren. Durch die seinerzeit bestehenden Bestimmungen durfte der BC 48 keine Boxveranstaltungen durchführen. Doch da trat wieder "Charlie" auf den Plan. Er brachte es fertig, mit einer Boxgruppe polnischer Holzfäller - die durften Kämpfe veranstalten - einen Boxkampf zu organisieren. So kamen dann erstmals einige Boxer des BC 48 zum Einsatz.

Karl "Charlie" Märker, eine Ikone des Plettenberger Boxsports, hat als Mitbegründer und Trainer des BC 48 achtenswerte Erfolge errungen und viele "Rohdiamanten" geschliffen. Daran wollen wir denken und wir alle, die ehemaligen Boxer des BC 48, sind dankbar für seinen nimmermüden und ehrenamtlichen Einsatz.



Quelle: Süderländer Tageblatt vom 27.02.1991

Vom Kraftsportklub zum ABV - Plettenberger Boxgeschichte
Kampf-Einnahmen an Boxer verteilt -
Vollzugsbeamter schaute in die Röhre

Blütezeit des Plettenberger Boxsports begann mit der Gründung des BC 48

(sl). Vor etwa 40 Jahren erlebte der Boxsport in Plettenberg eine wahre Blütezeit. 1000 Zuschauer kamen regelmäßig in die Schützenhalle, wenn der BC 48 boxte. In unserer Serie "Vom Kraftsportklub zum ABV - Plettenberger Boxgeschichte" haben wir gestern über die ersten zaghaften Gehversuche des Boxsports in Plettenberg berichtet. Heute wollen wir die ersten Wettkämpfe des BC 48 beleuchten.

Kämpfe konnten die Plettenberger Boxer im Jahr 1946 noch nicht austragen. Die Boxer waren keinem Verein angeschlossen und trainierten unter sich in der damals stark ramponierten PTV-Turnhalle. Erste Wettkämpfe bestritt die seinerzeit von Karl "Charly" Märker trainierte Truppe erst im Gründungsjahr des Boxklubs, 1948.

Die Gründung des Vereins fand in der Gaststätte Hoppe in der heutigen Graf-Dietrich-Straße statt. Rund 30 Personen wohnten der Gründungsversammlung bei. Erster Vorsitzender wurde Ernst Keitmann. Kassierer war damals ein gewisser Fritz Hanne, von dem noch die Rede sein wird.

Nach der Gründung des Vereins erfuhr der Boxsport in Plettenberg eine stetige Aufwärtsentwicklung, wenngleich auch die ersten Kämpfe des BC 48 nicht sonderlich erfolgreich verliefen. Am 10. April 1948 verlor der BC beispielsweise in Bochum mit 3:17 Punkten. Dabei holte Günter Rötz einen Punkt für die Plettenberger. Zwei weitere Punkte gab's für die BC-Boxer, weil ein Bochumer Kämpfer nicht antrat.

Alle sechs Wochen bestritt die Plettenberger Boxstaffel einen Kampf. Mittlerweile wurde auch teilweise in der Schützenhalle im Wieden trainiert. Die Schützenhalle sollte später zu einer wahren Boxarena werden. Dort fand am 12. Juni 1948 unter anderem ein Kampf statt, an den sich die ehemaligen Plettenberger Boxgrößen noch bestens erinnern. Es war der zweite Kampf des BC 48.

Der Boxklub trainierte manchmal zusammen mit der sogenannten "Polenstaffel" - einer Boxtruppe, die sich aus polnischen Waldarbeitern zusammensetzte, die in Plettenberg Bäume fällten, welche als Kriegsreparationen nach Polen transportiert wurden. Als die "Polenstaffel" in der Schützenhalle einen Kampf gegen Siegen austragen wollte, bat man Boxer des BC 48 in der "Polenstaffel" mitzuboxen.

Der Kampf gegen Siegen wurde vor mehreren hundert Zuschauern in der Schützenhalle ausgetragen und sogar von der aus polnischen Waldarbeitern und Plettenberger Boxklub-Mitgliedern bestehenden Staffel gewonnen.
Der Trainer der polnischen Staffel verteilte anschließend die Zuschauer-Einnahmen gerecht an die Boxer. Und schon kurz darauf erschien der eben angesprochene Fritz Hanne in der Schützenhalle. Er war Vollzugsbeamter und verlangte im Auftrag der Stadt eine Vergnügungssteuer auf die Einnahmen. "Einnahmen?" fragte der polnische Trainer. "Wir haben schon alles ausgegeben", erklärte er dem verdutzten Beamten. Zwei Wochen später, am 20. Juni 1948, war die Wärungsreform.

Einen in sportlicher Hinsicht großen Schritt nach vorne machte der BC im Jahr 1949. Zu dieser Zeit wurden bereits alle 14 Tage Kämpfe ausgetragen. Die Gegner kamen aus Köln und Düsseldorf nach Plettenberg und zogen Massen in die Schützenhalle.


Lexikon für die Stadt Plettenberg, erstellt durch Horst Hassel,
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