Quelle: WR Plettenberg vom 23.06.1953 im Archiv HH

Jeder hatte seinen Spaß
Als der Präsident auf dem Ochsen ritt
Biergericht - launig und humorvoll / Höhepunkt des Schützenfestes


Auf breitem Ochsenrücken - Biergerichtspräsident Paul "Piepken" Thomee erträgt sein Los mit Würde.

Plettenberg. Das Schützenfest erreichte gestern an seinem letzten Tage den Höhepunkt, von früh morgens bis spät in die Nacht hielt ein vielfältiges Programm die Schützen und große Teile der Bevölkerung auf den Beinen.
Böllerschüsse weckten morgens die Schützenbrüder und ermahnten sie an ihre Pflicht, den König zum Frühkonzert und Biergericht in die Schützenhalle zu holen. Natürlich war man auf den alten Brauch des Biergerichts besonders neugierig, bietet er doch jedesmal eine Quelle köstlicher Heiterkeit.


Präsident Paul Thomee eröffnete die Gerichtssitzung. Unterdessen wurde vom Landwirt Schulte im Soen unter Musikbegleitung ein "kapitaler Ochse" von sage und schreibe 16 Zentner Lebendgewicht abgeholt und in die Schützenhalle geführt. Dort hatte dann der Biergerichtspräsident unter den ermunternden Zurufen der Anwesenden seine Reitkunst auf dem Rücken des Tieres zu zeigen. Mehrere Runden mußte er in der Halle zurücklegen, gefolgt von einem mit einer Schaufel bewaffneten, weißbekittelten Schützenbruder, dem die Reinigung oblag. - Er soll sogar Arbeit bekommen haben.

Die eigentliche Gerichtssitzung zog sich über längere Zeit hin, denn der Sünder waren viele. Der Prozeß verlief recht launig, dagegen waren die Strafen schon ernsthafter und mancher Delinquent mußte wohl oder übel in den Geldbeutel greifen und seine Buße in barer Münze ablegen.

Am Nachmittag versammelten sich die Schützenkompanien zum letzten großen Schützenzug. Der Abend gehörte schließlich dem Konzert und dem Abschlußball, der die Welle der Freude in der Schützenhalle bei den Klängen der Kapelle des Ohler Eisenwerkes und des Tambourkorps der Schützengesellschaft nochmals hoch schlagen ließen.