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"Werden nicht zu früh die Brocken hinwerfen" Firma W.O. Schulte an der Bahnhofstraße musste Insolvenz anmelden. Zehn Mitarbeiter vor ungewisser Zukunft
PLETTENBERG Am 1. Oktober 1874 gründete Wilhelm Otto Schulte die Firma W.O. Schulte. 135 Jahre
später steht Urenkel Joachim Schulte, der das Unternehmen an der Bahnhofstraße in der vierten Generation
leitet, am Scheideweg. Ende Januar wurde am Amtsgericht Hagen das Insolvenzverfahren eröffnet und
Rechtsanwalt Thomas Neumann zum Insolvenzverwalter bestellt.
Zum 30. Januar wurde den verbliebenen zehn Mitarbeitern offiziell gekündigt. Bis dahin hatten die
Beschäftigten drei Monate lang Insolvenzausfallgeld bekommen. "Die bestehenden Verbindlichkeiten müssen
aus der Insolvenzmasse bedient werden", sagt Schulte, der sorgenvoll, aber nicht ganz ohne Hoffnung in
die Zukunft blickt. Probleme bekam das Unternehmen mangels größerer "Abrufe" in den letzten Monaten.
"Wir haben praktisch auf eigene Kosten vorproduziert, aber die Abrufe blieben aus oder wurden deutlich
nach hinten geschoben", sagt Schulte mit Blick auf das sehr gut gefüllte Lager.
Da aber erst Geld fließt, wenn die Ware auch abgeholt wird, hofft der Chef des heimischen Automobilzulieferers
auf ein schnelles Anziehen der Konjunktur und damit eine Linderung des Liquiditätsproblems. Man habe
als Lieferant für sogenannte "Zeichnungsteile" nur wenige Kunden, mit denen man aber seit Jahren
vertrauensvoll zusammenarbeite. Bislang sei kein Automobilzulieferer, an den man Präzisionsdrehteile
liefere, abgesprungen.
"Es wird weiter gearbeitet. Wir kämpfen bis zum Schluss und werden keinesfalls
zu früh die Brocken hinwerfen", betonte Schulte. Wenn größere Aufträge in Aussicht seien, könne man
diese abarbeiten und entsprechende Kündigungsfristen verlängern. Entscheidend sei, dass sich die
Wirtschaftslage nicht erst in ein paar Monaten verbessere, sondern möglichst bald. Ansonsten sei
man offen für Gespräche mit potentiellen Investoren. Ziel sei es in jedem Fall, möglichst viele
Arbeitsplätze zu erhalten. ged
Quelle: WR Plettenberg vom 23.12.2008
Vorläufiger Insolvenzverwalter sieht noch Chancen für Plettenberger Traditionsunternehmen
Von Bernd Maus
Plettenberg. „Es sind hinreichend Aufträge da, aber die Hauptkunden rufen die Ware
derzeit nicht ab.” Darin sieht der Lüdenscheider Fachanwalt für Arbeits und Insolvenzrecht,
Thomas Neumann, den Hauptgrund für die finanzielle Schieflage des Plettenberger
Traditionsunternehmens W. O. Schulte.
Neumann wurde vom Registergericht Iserlohn zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. Er
will alles daran setzen, dass in dem 1874 von Wilhelm-Otto Schulte gegründeten und heute
in der vierten Generation in Familienbesitz geführten Betrieb an der Bahnhofstraße, der auf
CNC-Drehen, Fräsen und Schleifen spezialisiert ist, nicht endgültig die Lichter ausgehen.
Chancen dafür sieht er, obwohl es noch zu früh für Prognosen sei.
Nicht nur der hochmoderne Maschinenpark und mehr als ein Dutzend motivierte W.O.-Schulte-
Mitarbeiter stimmen ihn zuversichtlich. Überdies lobt Neumann die Geschäftsführung, „die den
Laden eigentlich gut im Griff hat”. Bislang habe er jedenfalls ausgesprochen geordnete
Verhältnisse vorgefunden. Daher will er auch alle weiteren Schritte eng mit der Geschäftsführung
abstimmen.
Die Belegschaft hat ihren
November-Lohn über eine Insolvenzgeld-
Vorfinanzierung
erhalten. Zurzeit und auf jeden
Fall bis Ende Januar soll
die Produktion bei W.O.
Schulte in vollem Umfang
laufen. Zulieferern und Veredlern
hat Neumann fest zugesichert,
dass alle Rechnungen
bezahlt werden.
Das Problem dabei: Die Lager
an der Bahnhofstraße werden
immer stärker bestückt,
weil die Ware kaum noch abgerufen
wird. „Und diese Kapitalbindung
wirkt sich negativ
auf die Liquidität des Unternehmens
aus”, so Neumann.
Gleichzeitig sei es in Zeiten
der Finanz- und Wirtschaftskrise
„extrem schwierig”, die
Hauptkunden zur Abnahme
des Materials zu bewegen.
Quelle: WR Plettenberg vom 20.12.2008
Insolvenz beantragt
Plettenberg. Das Unternehmen W. O. Schulte an der Bahnhofstraße, spezialisiert
auf CNC-Drehen, Fräsen und Schleifen, hat nach Informationen der WR Insolvenz beantragt.
Das Verfahren ist beim Registergericht Iserlohn anhängig. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter
wurde der Lüdenscheider Fachanwalt für Arbeits- und Insolvenzrecht, Neumann, bestellt.
Dessen Kanzlei bestätigte die Einleitung des Verfahrens, weitere Auskünfte waren gestern
noch nicht zu erhalten. |