Der Güterzug der Kleinbahn kommt aus dem Umlauf (vom Mühlendamm) und fährt zwischen dem Haus Uhren Lohmann (li.) und dem Haus Delwig in die Grünestraße ein. Ganz rechts das Haus Wilmink.

(Foto: L.G. Marshall 13.05.1958)

BAU UND BETRIEB DER EISENBAHN

Der erste Spatenstich wurde am 1. August 1895 unter dem Hestenberg getan. Am 12. März 1896 konnte der Streckenteil bis zum Güterbahnhof der Kleinbahn bereits landespolizeilich abgenommen und am 20. April 1896 unter reger Teilnahme der Bevölkerung zunächst für den Güterverkehr in Betrieb genommen werden.
Von diesem Tag an lief auch die auf 60 Jahre befristete Genehmigung der Kleinbahn. Die Reststrecke der später als Stammbahn bezeichneten Bahn wurde am 6. Juni 1896 landespolizeilich abgenommen. Damit war die Gesamtstrecke der Stammbahn für den Gesamverkehr freigegeben. Der Personenverkehr wurde am 25. Mai 1896 zwischen dem Hotel Ostermann in Eiringhausen und der Stadt Plettenberg und am 10. Juni 1896 auf der Gesamtstrecke eröffnet. Sie war 4,68 km lang und verlief mit 3,88 km in Gemeindestraßen.


Im Sommer 1896 rollte der erste Personenzug über den Maiplatz in die Kaiserstraße.

(Foto: M. Siebel, Plettenberg, ca. 1905/10, Sammlg. Stadtarchiv Plettenberg)

Wegen der Geländeschwierigkeiten in dem engen, besiedelten Gebirgstal zwischen Eiringhausen und der Stadt Plettenberg und aus wirtschaftlichen Erwägungen wurde die Bahn als Schmalspurbahn mit 1,00 m Spur gebaut. Die Beförderung der normalspurigen Staatsbahnwagen (1,435 m Spur) erfolgte bis zum Jahre 1904 auf Rollböcken.

Man hatte jedoch bald erkannt, daß die Beförderung der Staatsbahnwagen auf Rollwagen statt auf Rollböcken wegen der schnelleren und besseren Übersetzung und der größeren Betriebssicherheit zweckmäßiger war. Nach erfolgreichen Versuchen wurde daher die Beförderung der Staatsbahnwagen im Jahre 1904 ganz auf Rollwagen umgestellt. Diese Beförderungsart, die bis zur Betriebsumstellung im Jahre 1962 beibehalten wurde, hat sich als vorteilhaft und wirtschaftlich erwiesen.

Der Güterbahnhof der Kleinbahn, zugleich Übergangsbahnhof mit der Staatsbahn, befand sich bis zum Jahre 1904 auf der Südseite des Staatsbahnhofes, etwa auf dem Gelände des späteren Personenbahnhofes der Kleinbahn und weiter bis zum Güterbahnhof der Staatsbahn. Außer der Rollbockgrube für das Übersetzen der Staatsbahnwagen auf die Rollböcke der Kleinbahn befanden sich dort noch ein Lokomotivschuppen mit 3 Lokomotivständen, einer Reparaturwerkstatt und Lagerräumen sowie eine Gleiswaage und später auch eine Drehscheibe (im Jahre 1898 beschafft). Im Zuge der Ausweitung des Kleinbahnbetriebes mußte bereits im Jahre 1900 der Lokomotivschuppen umgebaut und um weitere 3 Lokomotivstände erweitert werden.

Am 22. März 1901 verlor die Plettenberger Straßenbahn-Gesellschaft durch den Tod den Vorsitzenden ihres Vorstandes, den Fabrikanten Wilhelm Seissenschmidt. Er war die Seele des Unternehmens von den Anfängen der Planung über den Bau der Bahn bis zu ihrem Betrieb gewesen. Umsomehr mußte sie der Verlust dieses verdienten Mannes treffen, der in allen Phasen ihrer Planung, ihres Baues und ihres Betriebes in vorderster Linie gestanden hat. Seinem persönlichen Einsatz und seiner anerkannten Energie verdankte die Kleinbahn, den vielseitigen Schwierigkeiten zum Trotz, ihre Entstehung und ihre Erweiterung in den Folgejahren auch über seinen Tod hinaus.

Landrat wünschte Weiterführung bis Herscheid
Bereits bei der Planung der Stammstrecke wurde ihre Verlängerung in das Else- und Oestertal erwogen, aber aus finanziellen Überlegungen zunächst noch zurückgestellt. Der wirtschaftliche Erfolg der Bahn für ihre Anschließer veranlaßte jedoch die Betriebe im Else- und Oestertal, um eine Verlängerung der Kleinbahn in diese Täler nachzusuchen. Die Plettenberger Straßenbahngesellschaft war auch bereit, unter den gleichen Bedingungen wie für die Anschließer der Stammbahn die Bahn bis Holthausen im Elsetal und bis Oesterau im Oestertal zu verlängern. Die vom Landrat des Kreises Altena im Frühjahr 1901 erneut gewünschte Weiterführung der Kleinbahn bis Herscheid wurde jedoch noch zurückgestellt, um zunächst den wirtschaftlichen Erfolg der Verlängerung bis Holthausen abzuwarten. Da dieser jedoch den Erwartungen nicht entsprach, wurde von einer Weiterführung der Kleinbahn bis Herscheid Abstand genommen.

Die Verlängerung der Bahn in das Oestertal bis Oesterau wurde davon abhängig gemacht, daß die Firma Ernst Brockhaus & Co. sich bereit erklärte, gleichzeitig im Anschluß an die Kleinbahn eine Privatanschlußbahn mit 2,1 km Streckenlänge von Oesterau bis Wiesental zu bauen. Diese Forderung der Plettenberger Straßenbahn-Gesellschaft erhielt besonderes Gewicht durch den damals beabsichtigten und im Jahre 1904 begonnenen Bau der Oestertalsperre. Für die Beförderung der Baumaterialien zu diesem Bauvorhaben sollten die Kleinbahn und die Privatanschlußbahn in Anspruch genommen werden. Zu dem Bau und Betrieb der Anschlußbahn von Oesterau nach Wiesenthal erklärte sich dann die Firman Ernst Brockhaus & Co. durch Vertrag vom 19. Mai 1903 verbindlich bereit.

Mit den Betrieben im Else- und Oestertal wurde schon am 12. November 1900 ein gemeinsamer Vertrag dahin abgeschlossen, daß sich diese verpflichteten, bei Weiterführung der Kleinbahn in das Else- und Oestertal der Gesellschaft als neue Aktionäre zur Erhöhung des Aktienkapitals beizutreten und wie die Anschließer der Stammbahn sämtliche für sie mit der Staatsbahn ankommenden oder abgehenden Güter mit dieser Kleinbahn zu befördern. - Auch die Landgemeinde Plettenberg erklärte sich bereit, mit 56.000 Mk Aktien bei einer Garantie von 4 % Dividende sich an der Plettenberger Straßenbahn-Gesellschaft für die Weiterführung der Bahn in das Oestertal zu beteiligen. (im Original sind wir hier auf der S. 13 angekommen)

Die Erhöhung des Aktienkapitals um 310.000 Mk. für die Verlängerung der Bahn bis Holthausen und Oesterau wurde in der Hauptversammlung der Plettenberger Straßenbahn-Gesellschaft am 23. Mai 1900 beschlossen. Der Vertrag für die Mitbenutzung der Gemeindestraßen im Oestertal wurde mit dem Amt Plettenberg am 7. April 1904 geschlossen. Die Straßenmitbenutzung bis Holthausen war mit der Stadt Plettenberg bereits am 30. August/7. Oktober 1902 vertraglich vereinbart worden.

Mit dem Bau der 1,95 km langen Elsetalbahn von der Kaiserstraße durch die Herscheider Straße wurde am 1. Oktober 1901 begonnen. Nach der am 9. Juli 1902 erteilten Genehmigung und nach landespolizeilicher Abnahme am 10. Juli 1902 konnte sie schon am 11. Juli 1902 für den Güterverkehr in Betrieb genommen werden.


Ein Güterzug der Plettenberger Kleinbahn überquert am Maiplatz die Brücke über den Oesterbach und fährt in Richtung Mühlendamm. Links das Postamt, rechts das Haus Uhren Lohmann.

(Foto L.G. Marshall, 13.05.1958)



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Lexikon für die Stadt Plettenberg, erstellt durch Horst Hassel,
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