Quelle: WR Plettenberg vom 29.05.2007

Bald Bergbaugeschichte im Weidenhof?

Plettenberg. (jam) Ein zentrales Thema für den am morgigen Mittwoch tagenden Schul- und Kulturausschuss ist (wie berichtet) die Umwandlung der ehemaligen Bleierzgrube Neu Glück auf der Weide in ein Besucherbergwerk. Der WR liegt das vom heimischen Bergbau- und Grubenexperten Martin Zimmer verfasste Konzept für dieses Projekt unter dem Titel "Plettenberg - eine Stadt im Erz-Gebirge" vor. Dieses Vorhaben soll - so Zimmer - nach dem Motto "vom Eisenerz zur Stadt der Kleineisenindustrie" den Einstieg in das seit langem geplante Industriemuseum bilden. Die Nutzung von Räumen des Weidenhof-Kinos bietet sich laut Zimmer auch aus Kostengründen an.

Nach Zimmers Vorschlägen sollen bei der Gestaltung des "Besucherbergwerks" im Vordergrund stehen: Erstens die Präsentation der Grube, um den Besuchern einen Eindruck von der Schwere der Arbeit, der Enge der Stollengänge, der Dunkelheit und der Feuchtigkeit und Luftverhältnisse zu vermitteln. Zweitens soll beispielhaft gezeigt werden, wie die Bürger in Plettenberg zum Ende des 2. Weltkriegs solche alten Stollen als Luftschutzräume nutzten. Drittens soll im Vergleich mit heutiger Tunnelbohrtechnik am Beispiel des benachbarten Tunnels der Westtangente der technische Wandel beim Vortrieb unter Tage aufgezeigt werden.

Zimmer erinnert in seinem Expose´ daran, dass durch den Abbau der Erze in über 70 Gruben und ihre Verhüttung mittels Holzkohle Plettenberg zu "einer Hochburg eisenverarbeitender Betriebe" wurde. Zwar böte sich für die Darstellung dieser Fakten die Grube Neu Glück an, doch eine Alternative nur 100 Meter entfernt garantiere wesentlich größere Möglichkeiten. Zimmer bezieht sich dabei auf das Angebot von Dr. Burkhard Vohwinkel, im Eingangsraum seines Weidenhof-Kinos dauerhaft einen Bereich zur Verfügung zu stellen, der es erlaube, Gruppen von 10 bis 12 Teilnehmern vor dem eigentlichen Besuch der Grube Neu Glück einen Überblick über die 900-jährige Geschichte des Bergbaus in Plettenberg zu geben.

Die Räume im Weidenhof böten laut Zimmer die Möglichkeit, witterungsabhängige Dokumente, Ausstellungsstücke und Schautafeln, die durch Kälte oder Feuchtigkeit in der Grube selbst beschädigt oder unbrauchbar gemacht werden könnten, in temperierter Umgebung zu präsentieren. Außerdem könnten die erforderliche Ausstattungen wie Grubenhelme, Lampen, Kittel etc. gelagert und dort an die Besucher der Grube ausgegeben werden. Für die Präsentation käme laut Zimmer eine große Schautafel in Frage, die das Stadtgebiet Plettenbergs zeigt und auf Knopfdruck per blinkender Dioden die Lage der diversen Gruben anzeigt. Eine Zeittafel sollte die Entwicklung des Erzbergbaus beginnend im Jahre 1046 aufzeigen, als in einer Schenkungsurkunde des Erzbischofs Herrmanns II. von Köln an das Severin-Stift die Grube am Beerenberg erwähnt wird.

Zahlreiche freiwillige Helfer haben bereits ihr Mitwirken in Aussicht gestellt
Mittels Dia-Schau oder Beamer könnten Szenen aus verschiedenen heimischen Bergbaufeldern und Gruben präsentiert werden. Die im Weidenhof verfügbare Fläche könne auch Vitrine für bergbautechnische Ausstellungsstücke aufnehmen. Nach Auffassung von Martin Zimmer ermögliche es die Bereitstellung der Räume in Weidenhof, den Organisations- und Kostenaufwand deutlich zu reduzieren. So könnte die Anmeldung für Führungen grundsätzlich im Weidenhof erfolgen; von dort würden auch die Kontakte zu den Grubenführern hergestellt. Für die begleitende Werbung regt Zimmer "Kuxscheine" an, die den Besuchern der Grube Neu Glück gegen eine kleine Spende, zweckgebunden für den Unterhalt der Grube bestimmt, ausgestellt werden sollen.

Zimmer: "Die Kostenseite könnte durch die Bereitschaft zahlreicher heimischer und auswärtiger Gruben- und Höhlenfreunde, sich in Absprache mit der Stadt Plettenberg als ehrenamtliche Grubenführer zur Verfügung zu stellen, Grubenrisse und Schautafeln zu erstellen oder Sammlungsstücke zur Präsentation abzugeben, in Grenzen halten. Lediglich die reinen Materialkosten müssten ersetzt werden." In einer ersten Kostenschätzung war die Verwaltung von Aufwendungen in Höhe von rund 45000 Euro ausgegangen.


zurück