Der geplante (grobe) und zum Großteil schon realisierte Verlauf der über 11 Kilometer langen Wasserleitungstrasse für "Schwalbe 1" von der Entnahmestelle am Westicker Ruhr-Wehr über Schwitten, Menden-Lahrfeld, Menden Stadtmitte, Berkhofskamp, Lendringsen-Bieberkamp, Steinhausen und Oberrödinghausen. Eine Trassenführung per Stollen durch den Rodenberg ist nicht dokumentiert. Die Wasserleitung hat einige Höhenmeter bis zur "Schwalbe 1" zu überwinden: Wasserentnahmestelle 134 m ü. NN, Sellhausen 179 m ü. NN. Die höchste Höhe der Wasserleitung ist mit 210 m ü. NN in Menden "Am Lahrweg / Am Lahkreuz", der niedrigste Punkt (nach der Entnahmestelle) ist an der Kreuzung Nordwall / Lahrweg mit 156 m ü. NN. Weitere Höhen: Lendringsen-Kreuzung Kuckuckstraße / Karl-Becker-Straße 187 m ü. NN, in Steinhausen an der Papiermühle 167 m ü. NN, in Oberrödinghausen 184 m, in "Schwalbe 1" 182 m ü. NN. (Hintergrund-Grafik aus Google Earth)

1000 mm Wasserleitung mitten durch Lendringsen


Die mit 1000 Millimeter Durchmesser ungewöhnlich große Wasserleitung im Bereich der Hierlstraße/Grinsberg. An unzähligen "Dreibeinen" gesichert, wurde die Leitung bis zu 6 Meter tief in die Erde abgesenkt. Foto: Sammlung Karl Hasecker

Durch Felder, über Berghöhen, und mitten durch Lendringsen führte die Trasse der Wasserleitung, die für den Transport von Kühlwasser bei der Kohleverfüssigung in "Schwalbe 1" benötigt wurde. Die Hönne, die im Sommer schon mal trocken fiel, wäre nicht in der Lage gewesen, ganzjährig ausreichende Wassermengen zu liefern. Das war bei der Ruhr anders. Im angestauten Bereich vor dem Westicker Wehr war immer ausreichend Wasser vorhanden.
Über 11 Kilometer lang war die Trasse der Wasserleitung, die bis zu sechs Meter tief in der Erde versenkt wurde (Quelle: Zeitzeuge Karl Hasecker). Dabei wurden bis zu drei Etagen im Kanalschacht eingerichtet, damit der Bodenaushub aus sechs Meter Tiefe bis an die Oberfläche transportiert werden konnte. Natürlich geschah alles in Handarbeit durch Zwangsarbeiter und kriegsgefangene. Die Stahlrohre mit 1000 Millimeter Durchmesser und etwa 8-10 Millimeter Wandstärke wurden autogen verschweißt. Anschließend wurden die Schweißnähte mit Teerband umwickelt und dann die Rohrleitung nach

Baufortschritt in der Erde versenkt. Nach dem Krieg wurden die noch nicht in die Erde versenkten Rohre von der Preussag AG wieder abtransportiert. In späteren Jahren stieß man bei Kanalbauarbeiten immer wieder mal auf die Reste der Rohrleitung.

Doch nicht nur Kühlwasser musste über große Entfernungen zur Untertageverlagerung "Schwalbe 1" in den Oberrödinghauser Steinbruch transportiert werden. An vielen Stellen im Lendringser Stadtgebiet, insbesondere im Bereich der Wiesen und Felder, standen zahllose hölzerne "Galgen", an denen eine Rohrleitung mit etwa 100 Millimeter Durchmesser sowie Kabelsträngen aufgehängt waren (Quelle: Zeitzeuge Karl Hasecker). Hierbei handelte es sich vermutlich um jene Transportleitung, durch die flüssige Kohle in das Untertage-Hydrierwerk geleitet werden sollte.


Quelle: "Stollen im Fels und Öl fürs Reich - Das Geheimprojekt 'Schwalbe 1'", Kai Olaf Arzinger, 2. Auflage 1997, S. 55, ISBN 3-922885-70-5,Hans-Herbert Mönnig Verlag Iserlohn

Rohre großteils verlegt, aber nicht verschweißt

Schwalbe 1 - Die Wasserversorgung: Im Raum Fröndenberg, am Ruhrabschnitt "Westicker Wehr", sind noch die Betonreste der Wasserentnahmestation zu sehen.Von hier aus sollte durch eine 1000 Millimeter starke Rohrleitung das benötigte Wasser herantransportiert werden. Nach Kriegsende waren die Rohre zwar größtenteils verlegt aber noch nicht verschweißt worden. Das hierfür benötigte Pumpwerk sollte oberhalb des Cossack-Hofes angelegt werden, die Baugrube hierfür war bereits ausgehoben worden."


Oberhalb des Westicker Wehres an der Ruhr wurde die Wasserentnahme-Station für "Schwalbe 1" errichtet. Heute zeugen neben der betonierten, weitgehend unter Wasser liegenden Station, ein abgesägter Strommast sowie die vollgelaufene Baugrube für die Pumpenstation von der geplanten Anlage.


Unterhalb der Betonumrandung sollte das Wasser der Ruhr entnommen und zur über 11 Kilometer entfernten Untertageverlagerung "Schwalbe 1" gepumpt werden.


Quelle: "Landschaftsführer durch den heimischen Raum. Geologische Exkusionen im Mendener Hügelland" - 17. Beitrag zur Landeskunde des Hönnetals, von Andreas Ritzel, 216 S., 1991

Stollen durch den Rodenberg nicht auszuschließen

". . . Folgt man den Fuchshöhlenweg 250 weiter nach NO bis zum letzten Haus auf der rechten Straßenseite, wo zwei Fußwege in den Wald führen, so hat man die Möglichkeit, zwecks Erkundung zwischen zwei Schürfstellen im Konglomerat aus den letzten Kriegsmonaten zu wählen. Der Pfad nach SO führt zu drei Gesteinshalden, die von dem Aushub des Stollens an dem jetzt unter Naturschutz stehenden Amphibienteich stammen."

". . . Am Waldsportplatz 15, links beginnt einige Meter südöstlich des Weges unvermittelt ein 6-8 m tiefer V-förmiger Einschnitt..... leider ist der untere Teil dieser Wand durch hineingeworfene Äste und Schutt verdeckt, so das nicht zu erkennen ist, ob vielleicht ein Stollenmundloch dahinter verdeckt liegt. Nicht auszuschließen wäre, daß, ähnlich wie an anderen Stellen, z. B. am NW-Hang des Rodenberges, in den letzten Kriegsmonaten ein Stollen für ein geplantes Hydrierwerk in den Berg vorgetrieben wurde."


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