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Kirchbau-Fundamente für Zwangsarbeiterlager genutzt
Von Horst Hassel und Horst Klötzer
Eines der Barackenlager, in denen 1944 die Zwangsarbeiter für den Stollenbau zur
Untertageverlagerung "Schwalbe 1" untergebracht waren, nutzte Fundamente, die
von Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde in Oberrödinghausen für den
Bau einer Kirche vorbereitet worden waren. Es waren Arbeiter, die im Auftrag
der Firma Köthenbürger (Paderborn) im Stollenbau tätig waren. In Oberrödinghausen
war die Firma Köthenbürger bekannt, wie man der Kirchenchronik entnehmen kann.
Dort heißt es u. a.:
Das Grundstück für den Kirchenneubau hatte die Pfarrgemeinde 1936 von der Dükerschen
Gutsverwaltung erworben. Es handelte sich um "zerklüftetes Waldgelände", das von
Mitgliedern der Kirchengemeinde nach Feierabend gerodet und zu einem Bauplatz umgestaltet wurde.
Im Juli 1938 erhielt man die Baugenehmgigung für den Kirchbau. An einen schnellen Baubeginn war dennoch nicht zu denken, wie man der Kirchenchronik entnehmen kann:
"Mit dem Bau konnte erst im August 1939 begonnen werden, weil noch viele Schwierigkeiten
aus dem Weg geräumt werden mussten. Seiner Zeit war der Westwall im Bau, daher war kein
Zement zu haben. Auch fand sich kein Bauunternehmer, der in dieser Zeit einen
Kirchenneubau hätte übernehmen wollen. Der Beweis dafür ist die Ausschreibung der
Bauarbeiten. Von allen Offerten wurde nur eine einzige zurückgegeben. Der Bauunternehmer
Franz Hellmann übernahm nun den Bau, fing aber erst nach mehrmaligem Drängen endlich
im August 1939 an.
Nachdem er die Fundamente gelegt hatte, zog er die Bauarbeiter vom
Kirchplatz wieder ab unter dem Vorwand, die Siedlungsbauten in Lendringsen fertig stellen
zu müssen. Wäre weiter gebaut worden, so hätte der Kirchenneubau trotz des Krieges
vollendet werden können, aber es fehlte der gute Wille. Er baute außer diesen
Siedlungsbauten noch zwei Privathäuser, die auch von dem selben Unternehmer fertiggestellt
wurden. Ein Hitlerheim oder Hitlerhaus wäre bestimmt noch gebaut worden, aber nur nicht
eine katholische Kirche. Immer und immer wieder spielt die leidliche Menschenfurcht im
Leben eine Rolle. So blieb die Kirche mit ihren Fundamenten liegen, bis schließlich das ganze
Bauen eingestellt werden musste."
Auf der Suche nach einem Bauplatz für die Baracken der Zwangsarbeiter fackelten die
damaligen Vertreter von Organisation Todt und Stollenbaufirma Köthenbürger nicht lange -
sie stellten die genormten OT-Baracken auf die Fundamente der geplanten Kirche. Dazu
berichtet die Kirchenchronik über das Jahr 1945 weiter:
10 Baracken standen auf den Kirchbau-Fundamenten
Es müssen 10 Baracken auf dem Kirchengrundstück gestanden haben, in denen die Zwangsarbeiter
für "Schwalbe 1" in Oberrödinghausen untergebracht waren. Das ergibt sich aus Feststellungen der Stadt
Menden zur Begründung für die Eintragung der Kirche der Pfarrgemeinde Maria in Oberrödinghausen
in die Denkmalliste der Stadt. In der Begründung für die Unterschutzstellung der Kirche heißt
es u.a:
"Der Bau wurde 1939 begonnen, dann aber aufgrund des zweiten Weltkrieges unterbrochen
und erst 1948 fertiggestellt. Der Kirchenbau sollte die Hubertuskapelle ersetzen, eine
Barackenkirche mit Westturm, die 1920 errichtet worden war. 1936 wurde das Grundstück
für die neue Kirche erworben, 1939 wurden die Fundamente gegossen, danach kam der
Baufortschritt allerdings ins Stocken.
1944 wollte man auf dem Gelände der Kalkwerke ein unterirdisches Benzinlager (Projekt
Schwalbe) errichten, wofür u.a. in 10 Baracken auf den Kirchenfundamenten Arbeiter von
den für das Projekt dienstverpflichteten Firmen untergebracht waren. So musste man 1945
zunächst die Fundamente wieder freilegen lassen, als 1945 der Weiterbau der Kirche
fortgeführt werden sollte. Nach Fertigstellung der Kirche wurden 1948 die
Ausstattungsgegenstände feierlich aus der Barackenkirche in die neue Kirche überführt..."
Erstaunlich, dass die Stadt Menden hier die Existenz eines Zwangsarbeiterlagers verschweigt,
denn das so harmlos klingende "Arbeitern der für das Projekt dienstverpflichteten Firmen"
suggeriert eher Bedauern mit den Firmen als mit den unter unmenschlichen Bedingungen
zwangsweise zum Arbeitseinsatz getriebenen und vielfach zu Tode gekommenen Gefangenen. |