Quelle: Stadtarchiv Menden, Amt Menden, Magazin-Nr. 874

RAD-Lager Hierlstraße (heute Friedhofstraße)
Im "Lager Lendringsen" waren zwangsverpflichtete saarländische Bergleute untergebracht


Mit Fortdauer des Krieges wurden die R.A.D.-Lager, hier das in Lendringsen, für den Arbeitsdienst nicht mehr benötigt. Saarländische Bergleute zogen im Herbst 1944 hier ein, um an der Untertageverlagerung in Oberrödinghausen mitzuarbeiten. Die letzten Bergleute zogen im April 1945 wieder aus. Anschließend wurde hier vertriebene oder ausgebombte Familien untergebracht. Zu sehen sind die Wohn-Baracken 1, 2, und 3 (v.l.n.r.). Quelle: Stadtarchiv Menden/Karl Hasecker

In den 1930er Jahren wurden am Ende der Friedhofstraße, im beschaulichen Biebertal, fünf RAD-Baracken (RAD = Reichsarbeitsdienst) errichtet. Per Vertrag zwischen der Gemeinde Böingsen und dem NSDAP Arbeitsgau Westfalen-Süd, Dortmund, aus dem Jahre 1933 verpflichtet sich die Gemeinde, für den Gau ein Barackenstammlager für 216 Mann herzurichten. Der NSDAP Arbeitsgau zahlt im Gegenzug eine monatliche Miete von 500 RM. Genutzt werden sollen die Baracken vom Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) für folgende Aufgaben: "Regulierung der immer wieder über die Ufer tretende Hönne" sowie die "Dränierung von Ackerländereien" (StA Menden, Amt Menden, Mag.-Nr. 1591).

Von den dort vorhandenen Baracken standen die Baracken 1, 2, 3, 4 und 5 seit 13 Jahren, die Baracken 6, 7 und 8 standen seit 5 Jahren. Sie wurden bis Herbst 1944 als Wohnungen genutzt. Der Neuwert der Baracken mit Unterbau betrug 10.500 RM. Die Baracken 1 bis 5 hatten jeweils die Abmessungen 22,50 mal 12,50 Meter. Sie verfügen über elektrisches Licht, Wasserleitung, es gab aber keinen Ofen, keine Doppelfenster, die Außenwände waren aber doppelwandig, die Holzpritschen hatten Strohsäcke als Unterlage.


Errichtet wurde das Barackenlager an der Hierlstraße vermutlich weit vor 1939. Der Bauantrag des Reichsarbeitsdienstes (R.A.D., Gau 20), Abteilung 3/205, zu dieser Zeichnung stammt vom 27.02.1939 und gilt für eine Erweiterung, nämlich den Bau der Baracke Nr. 8 (aus Ziegeln). Die Baracken 1 bis 3 sind Mannschaftsbaracken, Nr. 4 ist die Wirtschaftsbaracke, außerdem gibt es eine Verwaltungsbaracke (5), ein Abort (6), eine Mannschaftsbaracke Typ RL IV/3 (7) sowie eine noch zu bauende Kammerbaracke vom Typ RL XVI/4, 26,55 Meter lang, 8,14 Meter breit (8).

Weiter heißt es in der "Magazin-Nr. 1591" im Stadtarchiv Menden: "Die Baracken sind nicht unterkellert. Der Unterbau ist nicht massiv. Er besteht aus Pfahlrammung. Gleiches gilt für die Baracken 6 (Maße 21,50 mal 8,00 Meter) und 7 (Maße 24,00 mal 8,00 Meter). Die Toiletten sind außerhalb (Baracke 8, sie hat die Maße 11,50 mal 8,00 Meter. Besitzer der Baracken ist der Oberfinanzpräsident Westfalen."


Blick über die Grünanlage (Exerzierplatz) mit Denkmal auf die Baracken 3, 4 und 5 (v.l.n.r.). Über dem Eingang des ehemaligen RAD-Lagers der Abteilung 3/205 signalisiert ein obergroßes Hakenkreuz, wer hier Hausherr ist. Foto: Sammlung Karl Hasecker

In diesen Baracken waren bis April 1945 überwiegen saarländische Bergleute (siehe hier) untergebracht, die in "Schwalbe 1" für den Stollenbau zuständig waren. Nach dem Krieg (Quelle: StA Menden, Mag.-Nr. 1258, Schreiben v. 16.10.1945) wohnten hier 14 Vertriebenen-Familien. Wie Zeitzeuge Karl Hasecker berichtet, war zwischen den Baracken 6 und 7 noch ein kleiner Anbau, in dem ein Klavier stand. In der Baracke 4 waren die Küche und der Esssaal eingerichtet, in Baracke 5 die RAD-Führung (jetzt Lagerführung) und die Krankenabteilung, die Baracken 1, 2, und 3 dienten als Wohnbaracken.

Ursprünglich wurden die Baracken für den F.A.D. (Freiwilliger Arbeitsdienst) errichtet, dann vom R.A.D. (Reichsarbeitsdienst) übernommen. Die letzte Baracke (siehe Foto) des ehemaligen "Lager Lendringsen" wurde 1962 abgebrochen und nach Eisborn (Grote) umgesetzt.


1962 wurde die letzte Baracke des ehemaligen RAD-Lagers in Lendringsen abgerissen und nach Eisborn umgesetzt. Foto: Sammlung Karl Hasecker


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