Quelle: Stadt Celle, Schreiben v. 28.05.1949 - I 12/6
außerdem ITS Archiv, Arolsen, Dokument 78765282#1

Häftlinge von Fröndenberg
nach Lendringsen verlegt

"Holländer Theodorus Vermeulen nicht bekannt" - Westliche Häftlinge kamen aus Münster

Von Horst Hassel und Horst Klötzer

"War der Holländer Theodorus Vermeulen auch Häftlin in Biebertal?" Mit dieser Frage wandte sich die Stadt Celle am 28. Mai 1949 an die Gemeinde Lendringsen. Hintergrund war der Umstand, dass Ende März 1945 der Versuch unternommen wurde, das Lager Biebertal zu evakuieren, bevor amerikanische Truppen einrückten. Zu Fuß machten sich damals rund 850 Strafgefangene vom Biebertal aus auf den Weg in die Lüneburger Heide. Der Transport sollte nach Celle gehen, traf aber nie dort ein.

Auf die Anfrage der Stadt Celle nach dem Verbleib des Holländers Theodorus Vermeulen antwortete der Lendringser Bürgermeister am 28. Juni 1950, der "frühere Insasse des Strafgefangenenlagers 'West' in Lendringsen, Herr Kurt Klebig, Menden, Angestellter der Allgemeinen Ortskrankenkasse" habe Ermittlungen angestellt und sei zu folgendem Ergebnis gekommen:

"Es ist mir nicht erinnerlich, ob ein Holländer Vermeulen in unserem Strafgefangenenlager 'West' - Sondereinsatz 'X' - der Strafläger Emsland, als Häftling gewesen ist. Im Herbst des Jahres 1944 wurde ein Ausländerlager der Justizanstalten Münster in Westfalen nach Fröndenberg verlegt. In diesem Lager waren nur Häftlinge aus den Weststaaten, darunter auch Holländer. Nach der Bombardierung des Fröndenberger Bahnhofes, in dessen Nähe das Lager war, wurden die Häftlinge von Fröndenberg in das Lendringser Lager überführt. Es kann im Januar 1945 gewesen sein.

Ende März 1945 wurde der Versuch gemacht, das Lager aus dem Ruhrkessel zu evakuieren, doch wurde der Fußtransport durch die amerikanischen Truppen auseinandergesprengt. Dieser Transport sollte nach Celle oder nach der Lüneburger Heide gehen. Von den 850 Häftlingen fanden sich nur 170 wieder zusammen, die der Strafanstalt Werl zugeführt wurden.
Nachfragen wären also zu richten an die Strafanstalt in Werl i. W., an die Strafanstalt Kassel (dorthin wurden 2 Lkw-Transporte mit Häftlingen gebracht), oder an die Strafanstalten Münster in Westfalen.

Von dort sind die westlichen Häftlinge gekommen und zwar unter der Leitung des Hauptwachtmeisters Enghusen von den Strafanstalten Münster. Unter diesem Hauptwachtmeister ist das Lager in Fröndenberg auch im Arbeitseinsatz gewesen."

Kurt Klebig, einst Lagerschreiber im Biebertal, empfiehlt, sich mit dem Hauptwachtmeister Enghusen in Verbindung zu setzen. Eine weitere Möglichkeit sei die Nachfrage beim Gefängnislazarett Dortmund. Vom Biebertal aus sei nämlich einmal ein Krankentransport mit 10 Häftlingen nach Dortmund gegangen.
Am 14. April 1945, zwei Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner, sollen sich, so Klebig, noch 450 Häftlinge - alles mehr oder weniger schwer Kranke, meist Ausländer - in Biebertal aufgehalten haben. Diese hätten den Fußmarsch nach Celle, zwei Wochen zuvor, nicht mitmachen können. Die 450 Strafgefangenen wurden dann von den Amerikanern "in Betreuung genommen", so Klebig. Letzter Stubenältester bei den westlichen Ausländern sei ein Niederländer mit Namen "Rosen" gewesen. Der sei aber vor der Übergabe aus dem Lager geflüchtet, um nach Hause zu gelangen. "Vielleicht lässt er sich ausfindig machen", rät Kurt Klebig. Im Totenregister sei ein Todesfall "Theodor Vermeulen" nicht beurkundet worden.


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