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Quelle: Stadtarchiv Menden, Amt Menden, Mag.-Nr. 1222
Saufgelage und geklaute Lebensmittel
Haben die Lagerführer und der Koch des Lagers Biebertal im großen Stil
Lebensmittel beiseite geschafft und Saufgelage veranstaltet? Das behauptet
Peter Rütte aus Liblar bei Köln in einem Schreiben, das er 1945, nach
Kriegsende, an die Stadtverwaltung Lendringsen schickte. Zugleich bat er
um die Adressen der "Kriegsverbrecher". Im dem Schreiben heißt es:
Anklage gegen die Kriegsverbrecher Frontführer Peters, Lagerführer Heil und
Gläser und den Küchenchef Romberg und seine Mätresse Hilde Vogel. Der Anklage
liegt folgender Tatbestand zugrunde:
Im Februar diesen Jahres wurden einige Herren aus der Oberbauleitung der OT
verhaftet wegen Verschiebung von Lebensmitteln. Aber durch das Näherkommen
der alliierten Truppen wurde die Sache platt geschlagen.
Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Menden gründeten die obengenannten
Herren und Frl. Vogel die berüchtigte Partisanengruppe der Nazibanditen, den
Werwolf, worin Frl. Vogel den Posten einer Spionin bekleidete. Zu diesem
Zweck wurden auf den einzelnen Dörfern der Umgebung Lebensmittel, welche
den hungernden Menschen gestohlen wurden, untergebracht, so auch in Lendringsen,
Karl-Becker-Str. 46 bei Familie Steinschulte, wo ich zu der Zeit wohnte, um
nach dem Einmarsch der Truppen hinter dessen Rücken illegal zu arbeiten.
Zu derselben Zeit war ich bei dem Unternehmen als Werkspolizei angestellt,
hatte gleichzeitig die Befugnis einer Schutzpolizei und in dieser Eigenschaft
habe ich die Pakete im Hause Karl-Becker-Str. 46 beschlagnahmt und unter die
Leute verteilt. In den genannten Paketen befanden sich Butter, Käse, Wurst,
Oel, Reis, Bohnen, Zucker, Mehl, Puddingpulver und Salz in einem Gewicht von
ungefähr drei Zentner.
Die Tochter der Eheleute Steinschulte war in der genannten Großküche als
Köchin beschäftigt und hatte keine Ahnung, was in den Paketen war und für
welchen Zweck sie verwendet werden sollten. Auch wusste sie, dass ich illegal
gegen die Nazibanditen arbeitete. Auf meine Veranlassung hin haben sie die
Einwilligung gegeben zur [weiteren ?] Aufbewahrung der Sachen, damit ich
die Handhabe bekam zu einer strafrechtlichen Verfolgung.
Nachsatz: Wir bitten, das Einwohnermeldeamt um Angabe, wohin die Herren sich
abgemeldet haben. Die Militärregierung verlangt es. |