Quelle: Stadtarchiv Menden, Amt Menden, Mag.-Nr. 1222

Saufgelage und geklaute Lebensmittel
Lagerküche für 2500 Menschen - 1945: Peter Rütt klagt an wegen "Kriegsverbrechen"

Haben die Lagerführer und der Koch des Lagers Biebertal im großen Stil Lebensmittel beiseite geschafft und Saufgelage veranstaltet? Das behauptet Peter Rütte aus Liblar bei Köln in einem Schreiben, das er 1945, nach Kriegsende, an die Stadtverwaltung Lendringsen schickte. Zugleich bat er um die Adressen der "Kriegsverbrecher". Im dem Schreiben heißt es:

Anklage gegen die Kriegsverbrecher Frontführer Peters, Lagerführer Heil und Gläser und den Küchenchef Romberg und seine Mätresse Hilde Vogel. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde:
Während der Zeit, als im Hönnetal das Zweigwerk der Union Kraftstoff Wesseling errichtet wurde, befanden sich die genannten Personen in der OT-Küche (OT = Organisation Todt) in Lendringsen. In dieser Küche wurden täglich 2500 Menschen verpflegt, über die Hälfte Ausländer. Und auf Kosten dieser Menschen führten diese Herren mit ihren Mätressen und deren Anhang ein Schlemmerleben mit großen Saufgelagen.

Im Februar diesen Jahres wurden einige Herren aus der Oberbauleitung der OT verhaftet wegen Verschiebung von Lebensmitteln. Aber durch das Näherkommen der alliierten Truppen wurde die Sache platt geschlagen.

Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Menden gründeten die obengenannten Herren und Frl. Vogel die berüchtigte Partisanengruppe der Nazibanditen, den Werwolf, worin Frl. Vogel den Posten einer Spionin bekleidete. Zu diesem Zweck wurden auf den einzelnen Dörfern der Umgebung Lebensmittel, welche den hungernden Menschen gestohlen wurden, untergebracht, so auch in Lendringsen, Karl-Becker-Str. 46 bei Familie Steinschulte, wo ich zu der Zeit wohnte, um nach dem Einmarsch der Truppen hinter dessen Rücken illegal zu arbeiten.

Zu derselben Zeit war ich bei dem Unternehmen als Werkspolizei angestellt, hatte gleichzeitig die Befugnis einer Schutzpolizei und in dieser Eigenschaft habe ich die Pakete im Hause Karl-Becker-Str. 46 beschlagnahmt und unter die Leute verteilt. In den genannten Paketen befanden sich Butter, Käse, Wurst, Oel, Reis, Bohnen, Zucker, Mehl, Puddingpulver und Salz in einem Gewicht von ungefähr drei Zentner.

Die Tochter der Eheleute Steinschulte war in der genannten Großküche als Köchin beschäftigt und hatte keine Ahnung, was in den Paketen war und für welchen Zweck sie verwendet werden sollten. Auch wusste sie, dass ich illegal gegen die Nazibanditen arbeitete. Auf meine Veranlassung hin haben sie die Einwilligung gegeben zur [weiteren ?] Aufbewahrung der Sachen, damit ich die Handhabe bekam zu einer strafrechtlichen Verfolgung.
gez. Peter Rütt
Liblar bei Köln
- Kölner Str. 138

Nachsatz: Wir bitten, das Einwohnermeldeamt um Angabe, wohin die Herren sich abgemeldet haben. Die Militärregierung verlangt es.


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