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Quelle: Stadtarchiv Menden, Amt Menden, Mag.-Nr. 1616, o. Pag.
Zu schwach für den Weg in die Freiheit
Von Horst Hassel und Horst Klötzer
Zu den Strafgefangenen im Lager Biebertal gehörte auch der Buchbinder
Heinz Hallas aus Leipzig. Der 27-Jährige war unverheiratet, vermutlich
durch eine "wehrkraftzersetzende" Tat zu Zuchthaus verurteilt und so
auf Umwegen ins Straflager Biebertal gekommen. Als man ihm am 6. Dezember
1944 mitteilte, er sei begnadigt, war er bereits zu geschwächt für den
Marsch in die Freiheit.
Seine Mutter Frieda Hallas, verwitwet, damals wohnhaft in Leipzig, Wilhelm-
Zipperer Str. 33, wandte sich mit Schreiben vom 12. April 1946 an den
Bürgermeister von Lendringsen. Sie wähnte ihren Sohn noch unter den Lebenden,
hatte wohl das letzte Lebenszeichen von ihm aus dem Biebertal bekommen.
Der Bürgermeister reichte die Anfrage weiter an den ehemaligen Lagerschreiber
Kurt Klebig in Menden. Der schrieb des Mutter am 14. Mai 1946 zurück:
"Sehr geehrte Frau Hallas! Die Antwort, die ich Ihnen schreiben muss, ist
schwer. Um so schwerer, als ich aus Ihrem Brief ersehe, dass sie auf die
Rückkehr Ihres Sohnes Heinz hoffen. Ich habe Ihren Sohn Heinz gekannt. Er
hat sich recht brav im Lager gehalten und auch bis Ende November 1944 seine
Arbeit geleistet.
Dann aber fing er an zu kränkeln und wurde körperlich recht schwach. Am
6. Dezember 1944 erreichte ihn die Nachricht, dass er nach Torgau begnadigt
sei. Ende Dezember 1944, und zwar am 29.12.1944, wurden nun über 400 Mann
nach Torgau in Marsch gesetzt. Dabei sollte auch Ihr Sohn sein. Sein
Gesundheitszustand ließ aber befürchten, dass er den Strapazen nicht
gewachsen sein würde. Deswegen blieb er mit seinem Einverständnis im
Lager zurück und sollte durch besondere Schonung bis zum nächsten Transport
wieder bei vollen Kräften sein.
Da Heinz körperlich immer mehr verfiel, brachte ihn die Lagerverwaltung
in das OT-Lazarett in Ergste, Krs. Iserlohn. Dann habe ich ihn nicht mehr
wiedergesehen, und am 3. April 1945 erreichte das Lager die Nachricht,
dass Heinz am 15.03.1945 im OT-Lazarett Ergste verstorben sei. Damals war
es nun der Lagerverwaltung nicht mehr möglich, Ihnen Nachricht zu geben,
da das Lager im Ruhrkessel eingeschlossen war und am 14.04.1945 von den
Amerikanern aufgelöst wurde.
"Er wollte das schwerste aller Leben aushalten"
Es folgen Worte des Trostes, der Verweis auf selbst erlebte Schicksalsschläge
und die Feststellung: "Heinz hat schwer am Lagerleben getragen und war
nur immer von der Hoffnung beseelt, dieses schwerste aller Leben auszuhalten.
Sein Sorgen und Sinnen galt Ihnen, er wollte aushalten - aber der Körper
hat es nicht geschafft, obwohl er seit Monaten aus dem Arbeitsprozess
herausgenommen war. Er hat im Lager still für sich gelebt und ist wohl
in Gedanken viel bei Ihnen gewesen."
Ex-Lagerschreiber Kurt Klebig schließt den Brief mit den Worten "Ich selbst
stehe Ihnen auch in Zukunft für weitere Auskunft gern bereit, soweit dies
in meinem Wissen und Können liegt. Ich werde auch zu der Abwicklungsstelle
in Papenburg schreiben und wegen des Eigentums Ihres Sohnes nachfragen. |