Quelle: Stadtarchiv Menden, Amt Menden, Mag.-Nr. 1573, o. Pag.

"Besser eine Kneipe für alle Ostarbeiter!"
Bürgermeister von Lendringsen empfiehlt Gaststätte Rinsche - "Ohnehin wenig besucht"

Von Horst Hassel und Horst Klötzer

Bereits im Sommer 1944 machte sich der Lendringser Bürgermeister Gedanken, wie man die damals in Lendringser Betrieben tätigen rund 500 Ostarbeiter mit Getränken versorgen kann. In einem Schreiben an den Amtsbürgemeister von Menden vom 12. Juni 1944 macht er deshalb folgenden Vorschlag:

"In Lendringsen werden zur Zeit ungefähr 500 Ostarbeiter und Ostarbeiterinnen beschäftigt, die nach den bestehenden Bestimmungen Ausgang haben müssen, da in den meisten Betrieben nur gelegentlich, aber nicht ausreichend Getränke ausgegeben werden. Ich würde es für zweckmäßig halten, wenn eine Wirtschaft [Gaststätte] für den Verkehr freigegeben würde."

Der Bürgermeister belässt es nicht bei dem allgemeinen Vorschlag, sondern weist konkret auf eine Gaststätte hin, die dafür geeignet wäre - und er sagt auch warum: "Die Wirtschaft Rinsche erscheint mir dafür geeignet, weil sie abseits liegt, ein genügend großer Raum außer dem Gastzimmer zur Verfügung steht, und dieselbe von Einheimischen sehr wenig besucht wird."

Der Bürgermeister ist der Meinung, es sei besser, eine Gaststätte für die Ostarbeiter offiziell freizugeben, als dass diese versuchen, in diversen anderen Gaststätten in Lendringsen Getränke zu bekommen. Zudem sei eine Überwachung der Ostarbeiter so viel leichter. Bis dahin konnten die Ostarbeiter zwar Getränke in den Gaststätten kaufen, durften sie dort aber nicht verzehren. Davor warnt der Bürgermeister und stellt fest: "Der ausschließliche Verkauf außerhalb des Hauses wird dazu führen, dass das Lagern [der Ostarbeiter] in den benachbarten Wäldern noch mehr an Umfang zunimmt."


zurück