Quelle: StA Menden, Amt Menden, Mag.-Nr. 806, Laufzeit 19.10.1944 - 02.01.1945

RWK stellt 28 Ostarbeiter für den Bau
von Luftschutzstollen zur Verfügung

Von Horst Hassel und Horst Klötzer

Das beschauliche Lendringsen war wegen seiner ländlichen Lage und fehlender Rüstungsbetriebe trotz der Bahnlinie von Menden durch das Hönnetal nach Balve lange Zeit kein Ziel für Luftangriffe. Das änderte sich aber im Herbst 1944, als man begann, im Steinbruch "Emil 1" die unterirdische Produktion von Treibstoff aus Kohle in Angriff zu nehmen. War Lendringsen bis dahin ein "Luftschutzort 3. Klasse", bestand nun die Gefahr, dass die Alliierten Streitkräfte durch ihre Aufklärungsflüge auf die Untertageverlagerung aufmerksam wurden. Die Lendringser wähnten sich dadurch in der höchsten Gefahrenstufe für Luftangriffe und ihnen fiel auf, dass bislang keinerlei Anlagen für den Luftschutz errichtet worden waren.

Zunächst richtete das Bürgermeisteramt Lendringsen am 10.11.1944 ein Schreiben an die OT-Einsatzgruppe Hansa (freundlicherweise durch Frl. Orf von der Oberbauleitung Menden per Fernschreiben nach Essen geschickt) die Bitte, Luftschutzstollen zu errichten.
Es kam wohl keine Antwort, denn am 20.11.1944 wendet sich der Bürgermeister "An die Kreiskommission für den totalen Kriegseinsatz". Darin forderte er "die Freimachung von Arbeitskräften (Ostarbeiter) für das Luftschutz-Vorhaben Lendringsen". Das bestand auf dem Papier aus 2 Luftschutzstollen mit vier Betriebsstellen, also Eingängen. Es folgte der Hinweis, dass die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke (RWK) bereit seien, 28 Ostarbeiter, die in Steinbrucharbeiten und im Stollenbau erfahren seien, zur Verfügung zu stellen, sobald diese von der "Maulwurfaktion" freigestellt wären. Das RWK hatte bereits mit Schreiben vom 23.10.1944 dem Amtsbürgermeister Wiemann in Menden eine Liste mit den Namen der in Frage kommenden Ostarbeiter zugeschickt.


Wesentlich gefährdeter als Lendringsen war das benachbarte Fröndenberg. Wie die Luftaufnahme (RAF) aus März 1945 zeigt, war der Bahnhof das Ziel mehrerer Bombenangriffe, allerdings mit geringer Trefferquote.

Zum Thema "Bunkerbau in Lendringsen" wird am 12.12.1944 festgestellt, dass Lendringsen bis September 1944 Luftschutzort 3. Klasse war, wegen "Schwalbe 1" jetzt aber dringend als Luftschutzort 1. Klasse behandelt werden müsse. Auf die Idee, die Bauherren von "Schwalbe 1" als Verursacher der nun erheblich größeren Luftangriffsgefahr in die Pflicht zu nehmen, kam die Gemeinde zunächst nicht. Das Bauunternehmen Klemp, im Oktober 1944 bereits auf die Kapazität für einen Bunkerbau angesprochen, sollte die Luftschutzstollen bauen. Es lehnt aber ab. Man habe seit Oktober nichts mehr von der Gemeinde gehört und deshalb am Krankenhaus in Fröndenberg mit dem Bau eines Luftschutzstollens begonnen. Weitere Kapazität sei nicht vorhanden.

Im Januar 1945 wird als Sofortmaßnahme der Gemeinde Rundholz zum Abstützen von Kellern und deren Nutzung als Luftschutzraum und zur Herrichtung von Splittergräben geliefert. Am 17. Februar 1945 ist man so weit, dass zumindest die Örtlichkeit für einen Luftschutzstollen ausgeguckt ist: im Biebertal soll er entstehen. Schon tut sich ein neues Problem auf: Da der Stollen zwei Eingänge haben muss, wird der 2. Ausgang auf dem Privatgrundstück Schlünder geplant. Doch der Eigentümer spielt nicht mit. Direktor Glass meldet: Die Firma Köthenbürger könnte 10 Mann für den Stollenbau stellen, tut dies aber erst, wenn der Eigentümer Schlünder einverstanden ist.

Die Gemeinde unternimmt am 28. Februar 1945 einen erneuten Versuch, zum Ziel zu kommen. Sie Schreibt die Firma Köthenbürger in Paderborn an mit der Bitte um den Bau eines Luftschutzstollens, "da Sie ohnehin im Hönnetal tätig sind." Doch wieder geschieht nichts. Zwischenzeitlich empfiehlt man der Gemeinde, Rohre mit 1 Meter Durchmesser senkrecht in der Erde zu versenken und mit einem Deckel zu versehen, das biete einzelnen Personen bei einem Luftangriff ausreichend Schutz. Am 9. März 1945, einen Monat vor dem Einmarsch der Amerikaner, meldet die Firma C. Deilmann Bergbau GmbH, Dortmund-Kurl, mit Bauleitung in Oberrödinghausen an Dipl.-Ing. Gürtler: "Ein Lageplan mit der genauen Lage der Stollen-Ein- und Ausgänge ist erstellt."


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