Lagerküche bestohlen    Buchbinder-Schicksal    Russisch-Roulette    Ostarbeiter-Kneipe

Als "unbek. Flieger" beigesetzt    Häftlinge von Fröndenberg    Antrag Unterschutzstellung

Zeitzeuge Karl Hasecker: "F" für "Fahnenflüchtiger"

Lager Biebertal war Außenlager des
Strafgefangenenlagers West - Emsland

Amerikaner befreiten am 11. April 1945 die verbliebenen 450 Häftlinge

Von Horst Hassel und Horst Klötzer

Die Geschichte des Strafgefangenenlagers "Biebertal", in denen von Herbst 1944 bis Frühjahr 1945 hunderte Gefangene für den Bau der unterirdischen Benzinfabrik "Schwalbe 1 (Deckname "Eisenkies") eingepfercht waren, beginnt mit der Ankunft der Strafgefangenen im September 1944 in Lendringsen. Die Pläne für den Bau eines sicheren Hydrierwerkes zur Herstellung von Flugbenzin aus Kohle in einer Untertageverlagerung waren so überhastet in Angriff genommen worden, dass für die rund 1600 Strafgefangenen noch gar keine Unterkunft vorhanden war. Die war im Biebertal noch im Bau, so dass die Strafgefangenen vorübergehend in Zelten, einer Schule oder unter freiem Himmel ausharren mussten (Quelle: Zeitzeuge Karl Hasecker).

Als Folge der Kriegsereignisse hatte Adolf Hitler den gelernten Schlosser Edmund Geilenberg zum "Generalkommissar für Sofortmaßnahmen" im Rüstungsministerium von Albert Speer ernannt. Seine Aufgabe war es, Ersatz für die durch Fliegerangriffe zerstörten Raffinerien zu schaffen. In sogenannten "Untertageverlagerungen" sollte durch Kohleverflüssigung Flugbenzin hergestellt werden. Im Steinbruch "Emil 1" der Rheinisch Westfälischen Kalkwerke in Oberrödinghausen fand Edmund Geilenberg vermeintlich ideale Bedingungen, um Stollen und Aufbrüche für ein unterirdisches Hydrierwerk - als Zweigwerk der "Union Kraftstoff Wesseling" - in den Kalkstein zu sprengen. Die Organisation Todt wurde mit der Beschaffung der Arbeitskräfte beauftragt. Es kamen Strafgefangene und Zwangsarbeiter zum Einsatz. Im Biebertal wurde dazu eigens ein Barackenlager mit Stacheldraht-Umzäunung aus dem Boden gestampft.


Im September 1944 füllte sich das Lager - praktisch über Nacht - mit rund 1600 Strafgefangenen. Sie kamen aus Frankreich (Calais, OT-Barackenlager Lettow-Vorbeck), waren dann für wenige Tage in einem Kloster (Bunde am Julianakanal, nördlich von Maastricht) untergebracht, bevor sie nach Lendringsen kamen. Bei den Strafgefangenen handelte es sich um ehemalige Wehrmachtsangehörige, die von Militärgerichten zu 10-jähriger bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden waren. Ursprünglich waren sie im Strafgefangenenlager West - Emsland untergebracht, deshalb wurde Lendringsen Biebertal im September 1944 zum "Außenlager des Emslandlagers" erklärt.

Mit Wirkung vom 01.02.1945 wurde das Außenlager Emsland in Biebertal dann als "selbständige Vollzugsanstalt" der Generalstaatsanwalt in Hamm unterstellt wurde; von da ab hieß es "Strafgefangenenlager Lendringsen" (es wurde auch als "Biebertal" bezeichnet, Schreiben des Reichsminister der Justiz an Generalstaatsanwaltschaft Hamm vom 27.01.1945). - Die Lagerverwaltung soll in der Sicherungsanstalt Werl (ca. 20 km von Lendringsen) untergebracht gewesen sein (Weinmann 1998, S. 368).


Die Stadtverwaltung Lendringsen berichtet dem Kreisausschuss in Iserlohn, dass im Januar 1945 auch "Zivilpersonen aus dem Osten" ins Lager Biebertal verlegt wurden. Die Mutter und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatten am 16. bzw. 17.11.1947 nach Hans Kisterers Schicksal gefragt. Die Antwort: Hans Kisterer (Johann Kiesters ?) soll am 13.12.1944 im Arbeitslager, wo er eine Zuchthausstrafe abbüßte, verstorben sein. Der Bürgermeister von Lendringsen fügt hinzu: Kisterer ist auf Feld IV Nr. 09 beerdigt. Er wurde ermordet, wie die eingetragene Todesursache im Standesamtsregister belegt. (StA Menden, Mag.-Nr. 1616)

Die Strafgefangenen kamen vom Atlantikwall, mussten dort neben Erd- und Steinbrucharbeiten vor allem Bunker bauen, Bombentrichter zuschütten, Blindgänger ausbuddeln, Stollen und Abschussrampen für die V-Waffen (V 3, der Kanone für London - Kern/Previsani 1996), mit denen Großbritannien beschossen werden sollte, bauen. "Und da war Pflichtgesetz: in 12 Stunden mussten wir 30 Löcher bohren auf 2 Meter Länge! Die Arbeiten mussten ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen verrichtet werden; die Gefangenen waren permanent dem Steinstaub ausgesetzt, regelmäßig wurden Gefangene schwer verletzt. Dazu war die Arbeit ein ständiger Kampf gegen die Zeit und um die abendliche Brotration, die nicht gewährt wurde, wenn die Arbeitsleistung nicht erfüllt war (Günter Saathof, Geschichtswerkstaat Marburg 1993, S. 104 ff.). Als die alliierten Streitkräfte immer näher rückten (am 06.06.1944 begann die Invasion), wurde das "Kommando West" (das der Organisation Todt unterstand und aus Geheimhaltungsgründen auch "Kdo. X" genannt wurde, komplett aus Frankreich zurückgezogen und bekam in Lendringsen die Aufgabe, "Schwalbe 1" zu errichten. Die Wachmannschaften, die im Lager "Biebertal" eingesetzt wurden, waren übrigens die gleichen, die die Strafgefangenen auch schon in Frankreich bewacht hatten. (Bührmann-Peters S. 253)


Wieviele Häftlinge im Lager Biebertal tatsächlich gestorben sind, wird sich wohl nie mehr feststellen lassen. Namen und Beerdigungsdatum wurden, wie hier für 20 Gefangene belegt, ab dem Tag X standesamtlich nicht mehr erfasst. (StA Menden, Mag.-Nr. 1616)

Einer der Strafgefangenen war Karl Heinz Ribitzki (*04.04.1922 Dortmund). In seinem Bericht über die Zeit im Lager Emsland/Lendringsen von 1989 spricht er davon, er habe in Lendringsen/Iserlohn im Steinbruch unter schweren Bedingungen arbeiten müssen. Außerdem erwähnt er eine Baustelle Oberrödinghausen, auf der er tätig geworden sei (Bührmann-Peters S. 253).

Nicht alle Strafgefangenen blieben bis zum Einmarsch der Amerikaner im Lager Biebertal. Im September 1944 kam der Gefangene Heinrich Frommen (*04.06.1907 Bedburg, aus seinem Tagebuch) mit den übrigen Gefangenen des "Lagers West" in Lendringsen an, wo er bis zur Jahreswende 1944/45 blieb. Frommen gibt an, am 30.12.1944 mit etwa 400 Mitgefangenen von Biebertal aus auf einen Transport nach Torgau geschickt worden zu sein. Dann wurde er "zur Front begnadigt", kam nach Torgau und von dort nach Brünn zur Bewährungstruppe 500 (Bührmann-Peters S. 150).

Viele weitere Biebertal-Gefangene wurden nach Torgau "zur Überprüfung ihrer Eignung für die Bewährungstruppe" überführt. Ende März 1945 wurden ungefähr 850 Gefangene auf einen Marsch in Richtung Celle geschickt, ein Marsch, der vermutlich im Raum Werl endete. Die im Lager verbliebenen etwa 450 Häftlinge - zumeist Kranke - wurden am 11.04.1945 von amerikanischen Truppen befreit (Kurt Kl. ehem. Gef.-Lagerschreiber des SGL Lendringsen, Menden, an den BM von Lendringsen am 23.06.1949, Stadtarchiv Menden, Amtsarchiv Menden, Nr. 1578-607).

PERSONALIEN
Anm.: Der Lagerschreiber hieß Kurt Klebig, wohnte am 29.08.1945 in Schwitten Nr. 33, dann in Menden, Walramstr. 21 (StA Menden, Mag.-Nr. 1616).
In der Akte des StA Menden, Mag.-Nr. 1573, ist ein Emanuel Vukowic aufgeführt. Er ist "Verwaltungsamtmann" im Strafgefangenenlager West, war aber nicht dort, sondern in einem Privatquartier in Lendringsen und zwar vom 08.09.1944 bis zum 17.01.1945 bei Anton Braukmann, Hauptstr., untergebracht.
Ebenfalls in Privatquartieren untergebracht waren die nachfolgenden Führungskräfte des Strafgefangenenlagers:
Rahn, ab 08.09.1944 untergebracht bei v. Dücker
Konopatzki, ab 08.09.1944 untergebracht bei v. Dücker
Hoppe, ab 08.09.1944 untergebracht bei Löher
Kunze, Georg, ab 02.10.1944 untergebracht bei Haarmann, Hauptstr.
Knies, ab 03.11.1944 untergebracht bei August Lender, Oberm Rohlande 54
Marschall, ab ? untergebracht bei Rüberg, Schulstr. 24
Rahn Oberinsp., ab 03.03.1945 untergebracht bei Rüberg, Schulstr. 24


Gedenkstätte auf dem Friedhof Lendringsen. Hier wird an die im Lager Biebertal umgekommenen Straf- und Kriegsgefangenen, Zwangsinternierte sowie Zivilarbeiter erinnert.

Im Strafgefangenenlager Biebertal kamen ums Leben:

Polen (33):
Jozef Bochenek [Bochonsk] (01.12.1920 †15.04.1945)
Jan Chyla [Johann Chrila] (*21.06.1922 †22.03.1945)
Jan Chmielarz (*16.06.1909 †09.04.1945)
Stanislaw Czwajda (*14.04.1918 †13.02.1945)
Jan Dankiewicz (*27.12.1914 †05.03.1945)
Boleslaw Dolecki [Doletzki] (*30.04.1910 †31.12.1944)
Stanislaw Filarski (*unbek. †30.03.1945)
Bronislaw Grenda (*06.03.1909 †06.03.1945)
Jan Grzelak (*18.05.1918 †16.02.1945)
Wladyslaw Kas (*11.07.1922 †03.04.1945)
Stanislaw Kolodziejczyk (*06.05.1921 †09.03.1945)
Wiktor Koppel (*05.10.1902 †18.03.1945)
Zdz. [Zdislaus] Mierzwienski (*07.10.1923 †18.02.1945)
Bronislaw Mikolajczak [Nikolajczak] (*26.08.1905 †09.03.1945)
Stanislaw Nowakowski (*13.04.1922 †22.02.1944)
Stanislaw Nowicki (*09.04.1919 †10.03.1945)
Michal Olejnik [Olinik] (*17.06.1924 †16.01.1945)
Juljusz Ostrowski (*unbek. †31.03.1945)
Jozef Pankowski (*01.02.1915 †18.03.1945)
Dominik Przybylski (*27.07.1920 †04.03.1945)
Stanislaw Stepniewski (*1905 †03.04.1945)
Aleks. Strunjak (*22.11.1922 †27.11.1944)
Jozef Struglinski [Stroglinski] (*07.04.1923 †03.04.1945)
Andrzej Szadkowski (*13.11.1905 †26.04.1945)
Piotr Szymczak (*28.06.1900 †26.03.1945)
Marian Szymkowiak (*17.04.1923 †24.03.1945)
Kazimierz Tomczak (*04.07.1916 †20.02.1945)
Wladyslaw Tomczak (09.09.1914 †13.03.1945)
Wladyslaw Wisniewski (*20.05.1910 †31.03.1945)
Jozef Wnuk (*07.03.1917 †27.02.1945)
Jan. Wojnichowski (*08.05.1906 †25.02.1945)
Stanislaw Wroblewski [Wemblewski](*1920 †03.04.1945)
Ignacy Zalewski (*23.07.1907 †08.04.1945).


Offizielle Einladung an Lendringsens Bürgermeister Weingarten zur "feierlichen Enthüllung und Einweihung des Denkmals" zu "Ehren der Opfer des Nazi-Regimes aus dem Straflager in Lendringsen". Eingeladen hat "Lager-Kommandant Jan Olszyna".

Russen (19):
Wasyl Kwetkowski (*12.05.1925 Gomel †04.02.1945)
Dusia Atamanskaja (*19.08.1925 Stalino[Donezk]/Ukraine †14.04.1945)
Piotr Kolisnit [Kolisnitschenko] (*02.02.1924 Baschkowa †07.03.1945)
F[P]aramon Holewczenko [Holowtschenko] (*29.03.1895 Nowogiorgewka †28.02.1945), HochTief
Dymitri Walasenko (*20.04.1923 †19.02.1945), Wladimir Lagenki (*15.06.1913 †19.02.1945)
Piotr Faraponow (*06.10.1923 †17.02.1945)
Jail Hoitszep [Heitezer] (*12.07.1927 Olscheretumeil †29.11.1944)
T[J]aissuje Trandefilowa [Trandafilowa] (*28.03.1910 Jagawog †28.11.1944)
Iwan Plazin (*13.05.1925 Rostow/Don †17.10.1944)
Georgi Cerewnikow (*1912 Orel †07.10.1944)
Grigori Jakimenko (*05.02.1925 Tschkiwoi/Pottawa †21.04.1944)
Iwan Baselij (*06.06.1921 Selo-Pirke-Krs. Pottawa †16.04.1945).
außerdem starben lt. Aufstellung vom 29.01.1946:
Nikotor Beliskij (*12.05.1912 Tagawrog/Krs. Tagawrog [Taganrog] †25.03.1943)
Andre Torbae (*30.11.1894 Jarischen/Krs. Kamenitz-Podolske †11.05.1943)
Alexander Stremjak (*22.11.1922 Winniza †27.11.1944)
Jail Moitzer
unbek. Russe, Sportplatz Lendringsen, später umgebettet
eine russsische Leiche im Buchholz gefunden

Italiener (9):
Donato Fanelli (*05.12.1907 †11.04.1945)
Domenico Ceccarelli (*12.05.1922 †30.03.1945)
Josefo Sysio (*unbek. †30.03.1945)
Verdesca Casimo (11.06.1900 †20.03.1945)
Aleksandero Puzzo (*11.05.1908 †20.03.1945)
Alberto Frolei [Forlei] (*27.02.1918 †28.02.1945)
Pietro Gorla (*18.10.1892 †17.02.1945)
Luigi Serpellini (*31.08.1902 †04.02.1945)
Nieznany (*unbek. tot aufgefunden †22.04.1945, Reg. 137/45)
Albino Balcon (13.05.1905 Limata †12.02.1945, lt. Meldung des BM v. Lendringsen an das ital. Rote Kreuz)

Franzosen (14):
Michel Deneux, Arbeiter (*10.05.1920 Aivaines †18.03.1945)
Aguste Denun (*01.03.1909 Carvin †11.04.1945)
Bernard Masardo, Arbeiter (*06.05.1921 St. Laurent †10.02.1945)
Pierre Harzie, Buchdrucker (*08.11.1914 St. Denis †09.03.1945)
Auguste Saucourt, Maurer (*16.05.1896 Merziers-Charl. †08.03.1945)
Jean Roger Delaeney, Schweisser (*27.10.1916 Eurs †03.03.1945)
Theodore Le Loux (*15.03.1911 †26.02.1945)
Marcel Garrain, Fuhrmann (*21.07.1910 Lille †24.02.1945)
Andre Decuyper, Kraftfahrer (*18.04.1909 Lille †25.02.1945)
Andre Beaufort, Arbeiter (*27.04.1922 Arcay †09.02.1945)
Alexis Septvers, Landarbeiter (18.09.1922 Le Tourneur †08.02.1945)
Gerard Meunie, Landarbeiter (*22.03.1922 Lucy le Mete †03.02.1945)
Paul Bouton (*07.10.1921 Lyon/Rhone †25.01.1945)
Pierre Bontard, Arbeiter (*25.08.1923 Valliers †23.01.1945).

Belgier (5):
Jaques Aerts, Kraftfahrer (*07.10.1896 Laecken †26.01.1945)
Adelsen Soupart, Mechaniker (*23.02.1914 Masniec †10.02.1945)
Louis Viste, Kranmonteur (*06.01.1907 Wezon †19.03.1945)
Jean Monton (*12.05.1905 Lüttich †11.04.1945)
August van Mullen [Wanmullen, siehe Holländer], Schlosser (*20.12.1920 Ostende †02.03.1945).

Holländer (5):
Marianisch Herensen [Hermsen] (*10.11.1914 †27.03.1945, beerdigt 29.03.1945 Feld IV Nr. 49); lt. Arzinger (s. 68) verurteilt vom Sondergericht Essen wegen Diebstahls zu 3 Jahren Zuchthaus.
Ger[r]it-Jean Rebel (*08.06.1924 †17.03.1945, beerdigt 18.03.1945 Feld IV Nr. 43)
Jean [Johann] Ringelberg (*01.12.1918 †11.02.1945, beerdigt 12.04.1945 Feld IV Nr. 18)
Wilhelm Lomanns [Loosmanns] (*16.11.1888 †03.02.1945, beerdigt 05.02.1945 Feld IV Nr. 11)
Max Truschel (*01.02.1906 †24.04.1945, beerdigt 25.04.1945 Feld IV Nr. -)
Theodor Le Loux [Franzose ?] (beerdigt 02.03.1945 Feld IV Nr. 28)
In einem Schreiben an das niederländische Rote Kreuz vom 11.09.1947 sind insgesamt 8 verstorbene Holländer aufgelistet. Neben den oben erwähnten auch:
Hubert van Verseveld (beerdigt 16.01.1945, Feld IV Nr. 52)
August Vanmüllen [siehe Belgier] (beerdigt 05.03.1945 Feld IV Nr. 32)

Österreicher (3):
Herbert Kupfner (*16.07.1908 †17.11.1944)
Franz Bratschko (*30.11.1922 †22.11.1944)
Franz Loidl (*08.12.1922 †24.02.1945)

Tschechoslowaken (2)
Jan Sedlak (*18.05.1909 †10.04.1945); lt. Arzinger (S. 68) vom Sondergericht Essen wegen Kriegsverbrechen zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Boris Hwalitsch

Jugoslawen (1):
Borys Hwalic (*13.09.1924 †31.12.1944).

Dänen (1):
Torkild Ha[a]gensen (*08.11.1910 †23.01.1945).

Deutsche (47):
Friedr. (Fritz) Miethke (*21.05.1921 †05.01.1945), vorm. Lager Esterwegen
Wilhelm Mutz (*18.11.1920 †12.01.1945)
Waldemar Röhner (*04.03.1900 †13.01.1945), vorm. Lager Esterwegen
Andreas Klein (*30.12.1908 †14.01.1945)
Johann Malle (*19.11.1908 †14.01.1945)
Karl Henneberger (*16.04.1910 †29.01.1945), vorm. Lager Esterwegen
Heinz Fuhrholz (*06.02.1922 †30.01.1945)
Stephan Gonecz [auch Gonez] (*04.08.1902 †31.01.1945), lt. Lagerliste v. 28.02.1945 als "entwichen" aufgeführt
Wilhelm Litschke (*23.11.1913 †02.02.1945)
Ernst Liederitz (*09.11.1904 †15.02.1945)
Wenzel Richter (*19.09.1907 †22.02.1945)
Josef Huck (*04.10.1904 †25.02.1945)
Heinrich Hirsch (*27.03.1897 †02.03.1945)
Otto Gensch (*13.03.1912 †04.03.1945)
Bruno Hinz (*14.05.1912 †04.03.1945)
Karl Grünert (*23.05.1915 †13.03.1945)
Ernst Wiggerlich (*04.02.1908 †15.03.1945)
Artur Markant (*05.02.1910 †04.11.1944), vorm. Lager Esterwegen
Heinz Stiebert (*31.10.1922 †21.11.1944)
Erich Drechsel (*11.05.1911 †22.11.1944, a. a. O.: 22.12.1944), vorm. Lager Esterwegen
Josef Wolfinger (*03.07.1889 †25.11.1944)
Werner Dickow (*15.02.1915 †05.12.1944), vorm. Lager Esterwegen
Willi Böhmfeld (22.11.1899 †06.12.1944), vorm. Lager Esterwegen
Hermann Holtappel (*04.03.1901 †11.12.1944)
Alfred Thomas (*15.06.1907 †11.12.1944)
Johann Kiesters (*07.12.1918 †13.12.1944)
Erich Schmidt (*03.04.1915 †15.12.1944)
Karl Biundo (*18.02.1907 †22.12.1944), vorm. Lager Esterwegen
Konrad Wasmuth (*17.10.1887 †25.12.1944)
Aloys Bartecek (*27.07.1920 †27.12.1944)
Albert Klaumunzner (*24.09.1923 †29.12.1944)
Franz Schmitt (*17.05.1903 †30.12.1944), vorm. Lager Esterwegen
Alfred Stenzel (*24.01.1913 †03.01.1945)
Franz Koch (*12.05.1923 †05.01.1945)
Heinz Gidius (*06.01.1923 †18.03.1945)
Johann Henrich (*05.07.1907 †19.03.1945)
Nikol.Rademacher (*20.06.1908 †23.03.1945)
Heinz Paul Schulz (*04.04.1917 †26.03.1945), vorm. Lager Esterwegen
R. Wilhelm Schier (*18.09.1905 †31.03.1945)
Adolf Keinert (*unbek. †01.04.1945)
Hans Reimer (*30.07.1912 †01.04.1945)
Willi Kiesewetter (*unbek. †02.04.1945)
Gustav Nolting (*31.07.1921 †05.04.1945)
Otto Peterei (*12.09.1907 †12.04.1945)
Konrad von Mach (*23.11.1911 †13.04.1945)
Max Truschel [siehe Holländer] (*01.02.1906 †24.04.1945)
Johann Griebel (*15.06.1908 †26.04.1945)

(Die Ergänzungen "vorm. Lager Esterwegen" entstammen der "Liste der Insassen [Stand 01.01.1945]" des Strafgefangenenlagers VII Esterwegen, Kurt Buck, DIZ Emslandlager)



Quelle: StA Menden, Mag.-Nr. 1616
Wilhelm Mutz, *18.11.1920, ist im Straflager West lt. Arzt an Herz- und Blutkreislaufstörungen verstorben. Mutz saß zuerst in Festungshaft in Österreich, vor dem Einmarsch wurde das Lager nach Westdeutschland verlegt, wo Mutz angeblich "im Einsatz" gestorben ist; ein Kamerad erzählt, er sei in Haft an Lungenentzündung gestorben.
Hierzu auch: Wilhelm Mu., geboren am 18.11.1920, Schüler, wurde am 05.08.1943 den ehemaligen hiesigen Strafgefangenenlagern zugeführt. M. war wegen Zersetzung der Wehrkraft pp. zu 8 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt worden. (Quelle: Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Dritten Reich - Beispiel Emsland, 3 Bände, 1983, S. 944)

Quelle: StA Menden, Mag.-Nr. 1616, Schreiben v. 26.10.1948
Nikolaus Radermacher ist am 23.03.1945 in der Unterkunft Biebertal verstorben. Todesursache: Kreislaufschwäche.

Quelle: StA Menden, Mag.-Nr. 1616, Schreiben v. 11.05.1946
An den Amtsbürgermeister in Ergste: Der am 11.04.1945 bei Hennen durch Fliegerangriff gefallene Werner Hahues, *05.03.1917 Berlin, ist auf dem Friedhof Hennen als "unbek. Flaksoldat" beerdigt worden. Er war im Strafgefangenenlager West untergebracht. Seine Mutter fragt später nach seinem Verbleib und berichtet: Er war dort (Biebertal) Chauffeur.

Quelle: StA Menden, Mag.-Nr. 1616, Schreiben v. 10.08.1948 an Familie Turbanisch, Werdau/Sachsen, Burgstr. 6:
Alfred Schuster ist nicht im Lager verstorben. Das Lager wurde am 14.04.1945 von einrückenden Amerikanern befreit. Es gab keinen Anstaltspfarrer. Biebertal war keine Strafanstalt, sondern nur eine vorübergehende Unterbringung zur Verrichtung von Arbeiten.

Quelle: StA Menden, Mag.-Nr. 1616, Schreiben der Mutter Maria Biundo an die Friedhofsverwaltung v. 27.01.1948:
Karl Biundo, *18.02.1907 †18.12.1944, soll im Straflager Lendringsen angeblich an Lungenentzündung gestorben sein. Wo ist sein Grab?
Die Friedhofsverwaltung (in vielen Fällen auch die Stadtverwaltung) stellt fest, dass alle Gräber eingeebnet wurden, als Polen das Ehrenmal errichteten. Es sei deshalb nicht möglich, Blumen am Grab von Karl Biundo niederzulegen.



Quellen:
Frank Bührmann-Peters, Osnabrück, 2002, Dissertation "Ziviler Strafvollzug für die Wehrmacht. Militärgerichtlich Verurteilte in den Emslandlagern 1939 - 1945 über militärgerichtlich verurteilte Soldaten.
Liste aller Häftlinge des Strafgefangenenlagers VII vom 01.01.1945
Stadtarchiv Menden, Amtsarchiv Menden
   Nr. 1578-607 Brief des ehemaligen Lagerschreibers an den Bürgermeister
   Nr. 1591 Bau und Verwendung des Barackenstammlagers Böingsen
   Nr. 1578 KZ-Häftlinge Emsland
   Nr. 1573 Gefangenenlager
   Nr. 1616 Strafgefangenenlager West
Weinmann, Martin, Das nationalsozialistische Lagersystem, Verlag Zweitausendeins, 3. Auflage 1999


Quelle: Der Umgang der nationalsozialistischen Justiz mit Homosexuellen, Carola v. Bülow, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg 2000, S. 273 Ebenfalls der Organisation Todt unterstand das Sonderkommando "West", auch "Kommando X, "Sondereinsatz X" oder "Gruppe West" genannt. In diesem Strafgefangenenlager wurden ab Oktober 1943 knapp 2500 Gefangene aus den Emslandlagern zum Stellungs- und Festungsbau eingesetzt, bis sie mit dem Vorrücken der alliierten Truppen im September 1944 in das Lager Lendringsen in Westfalen überführt wurden. Auch in diesem Sonderkommando herrschten ungleich härtere Haftbedingungen alsim übrigen Strafvollzug; allerdings waren die Einsatzbedingungen in der "Gruppe West" schon aufgrund der besseren klimatischen Bedingungen deutlich weniger gefährlich als im Sonderkommando "Nord".


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