Quelle: "Bergbau im Bereich des Amtsgerichtes Plettenberg", Fritz Bertram, 1952-1954, S. 40-44

3. Henriette I - Bleierzgrube am Kohlbuschberg

Wenn wir nun dieses Grubenfeld behandeln wollen, dann ist es zunächst wichtig, die Beziehungen zu dem benachbarten Grubenfeld Henriette III herauszustellen. Wir wollen scharf auseinanderhalten, dass die Henriette I auf Blei und die Henriette III auf Kupfer vergeben wurde und in diesem Zusammenhang festhalten, dass durch diese verschiedenen Vergebungen sich die Grubenfelder überschneiden konnten, wie wir später sehen werden.
Es ist im Bergrecht festgelegt, das nur das Metall abgebaut und ausgebeutet werden darf, auf das die Muthung eingelegt wurde und man die Verleihung aussprach. Da nun beide Grubenfelder auf verschiedene Erze (Blei und Kupfer) vergeben waren, so konnte man die Verleihung der beiden Felder in der überschneidenden Weise gestatten, wie es nebenstehende Zeichnung darstellt.

Eine zweite Besonderheit ergab sich bei den beiden Betrieben, dass sie einen Besitzer hatten, den damaligen Premierleutnant von Diephold aus Dortmund.


Rot eingezeichnet der nach Norden verlaufende Gang der Henriette I. Der nur rund 10 Meter entfernte Gang der Henriette III führt dagegen in westliche Richtung.

Wenn wir nun zum dritten einen Blick zurückwerfen auf die Karte der Seite 27, dann stelen wir fest, dass beide Grubenfelder in fast unmittelbarer Nähe erschürft wurden. Wenn wir nun die Zeiten der Muthungen vergleichen, dann machen wir die Feststellung, dass beide Gruben fast zur gleichen Zeit gemuthet und verliehen wurden. Die Daten sind:

Henriette I Blei, gemuthet 19.11.1853, verliehen 21.01.1860
Henriette III Kupfer, gemuthet 10.12.1853, verliehen 22.01.1860

Beide Felder stellten am 23.03.1866 Erweiterungsanträge.

Die Grube Henriette I (Blei) wurde also etwa einen Monat früher gemuthet und in Bezug auf die räumliche Lage liegt das alte Schurfloch, d. h. der eigentliche Stollen etwa 10 Meter tiefer am Kohlbuschberghang als das Mundloch der Grube Henriette III. Die Stollenführung der Henriette III (Kupfer) ging gemäß Zeichnung auf Seite 27 in westlicher Richtung, wogegen der Stollen der Bleierzgrube Henriette I nach Norden führte. Hiervon spricht auch der später wiederzugebende Muthungsbericht.

Der Stollen wurde etwa 55 Meter weit nach Norden vorgetrieben und lief damit über die eigentliche Feldbegrenzung um weinige Meter hinaus. An diesem Punkt wurde der Stollen nach Westen abgebogen und in das Erweiterungsfeld hineingeführt.
Aber noch in einer anderen Hinsicht ist dieser "Knickpunkt" von Interesse, denn man verließ nun das alte Mundloch und legte einen zweiten Eingang an, durch den man nun direkt westwärts einfahren konnte und den langen Umweg vermied. Dieses neue Mundloch ist vor einigen Jahren vermauert worden und zeigt den Anblick, wie ein nebenstehende Fotos vom Mai 1952 widergibt. Das alte Mundloch" ist verfallen und die alte Baue gleicht sehr stark der Aufnahme des Mundloches der Henriette III, die auf Seite 28 gezeigt wurde. In der Annahme, dass mit Vorhergehendem die Zusammenhänge und scheinbaren Widersprüche zwischen Muthungsübersichtskarten und Muthungsberichten geklärt sind, gehe ich nun über zu der direkten Beschreibung der Lagerstättenart der Bleierzgrube Henriette I.


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