Quelle: Süderländer Tageblatt vom 03.11.1987

Herbergseltern Hoepke mussten gestern ausziehen

Plettenberg. Für die Herbergseltern der ehemaligen Jugendburg auf dem Hirtenböhl, Axel und Martina Hoepke, hieß es gestern Abschied nehmen von der Vier-Täler-Stadt, von Freunden, Bekannten und Nachbarn. Bereits in den letzten zwei Wochen waren immer wieder Möbelwagen vorgefahren, um Inventar aus der Jugendherberge abzuholen.
Für das Ehepaar Hoepke mit ihren beiden Kindern war es nur ein kurzes Gastspiel in Plettenberg. Am 1. Oktober 1985 hatten sie die Jugendburg mit neuen Ideen und Plänen übernommen. Doch in diesem Jahr kam das "Aus". "Dabei wären wir gerne hier geblieben - bis zur Rente und auch darüber hinaus", meinte gestern Martina Hoepke.



Einladungskarte zur Einweihung der Jugendburg Plettenberg am 29. November 1953.



Die amerikanische McCloy-Stiftung förderte den Bau der Jugendherberge auf dem Hirtenböhl. Diese Bronce-Tafel kündete davon. Seit Aufgabe der Jugendherberge ist diese Tafel verschwunden. Wer weiß, wo diese Tafel geblieben ist? Hinweise bitte per Mail an info@plettenberg-lexikon.de.


Quelle: Süderländer Tageblatt (o. Datum)

Die alte Jugendherberge in Plettenberg
Eine der ersten Jugendherbergen im Sauerland stand in Plettenberg - Sie fiel dem Postneubau zum Opfer

Dr. Schneider

Richard Schirrmann hat berichtet, dass ihm auf einer Schulwanderung Altena - Aachen am 26. August 1909 der Gedanke gekommen sei, ein Jugendherbergswerk sollte möglichst überall für die Jugend Herbergen schaffen. Schon vorher gab es vereinzelt Studenten-, Lehrlings- und Schülerherbergen. Der Gedanke zündete. Seine Aufsätze in der Kölner Zeitung und an anderen Stellen fanden Widerhall. In Altena begründete er im Herbst 1909 in der Schule Altena-Nette die erste Jugendherberge.

Als er und Wilhelm Münker, Hilchenbach, 1911 auf der Generalversammlung des SGV in Arnsberg hierfür eintraten, fanden beide starken Beifall, doch als er dann 1912 auf der Generalversammlung des SGV in Altena beantragte, hierfür in den Haushaltsplan einen Posten einzusetzen, wurde der Antrag abgelehnt.

In Plettenberg war seine Anregung auf günstigen Boden gefallen. Im Jahre 1911 plante der Land- und Gastwirt Marl in der Steinkuhle, seine Besitzung auszubauen. Lehrer Alfred Schmidt und Rechtsanwalt Dr. Schneider regten an, hierbei eine Herberge mit auszubauen und für die neue Sache einzusetzen. Dies geschah. In dem Bauantrag vom 21.12.1911 wurde eine solche Herberge vorgesehen. Dabei wurde vorgeschlagen, dass die Herberge einen besonderen Abort mit Wasserspülung und einen besonderen Zugang erhalten sollte.

Da der Plan mehrfach abgeändert und ergänzt werden musste, wurde er erst am 18.09.1912 genehmigt und am 27.09.1912 die Bauerlaubnis vom städtischen Bauamt Plettenberg erteilt. Die Bauakten sind noch vorhanden. Sofort wurde mit dem Bau begonnen. Schon im Frühsommer 1913 konnte die erste Jugendgruppe einziehen. Die Einrichtung war sehr einfach. Im Winter war die Herberge nicht zu benutzen.

Als sehr störend erwies sich der weite, einstündige Weg von der Stadt Plettenberg zur Steinkuhle. Die meisten Jugendwanderer kamen von der Hauptwanderstrecke 5 und waren enttäuscht, wenn sie dann noch eine Stunde weiter gehen mussten. Dass der Weg nach Attendorn am nächsten Morgen abgekürzt war, bedeutete nur eine geringe Entschädigung. Die Pläne, in der Stadt Plettenberg eine Herberge zu bauen, liefen deshalb weiter, wurden aber 1914 durch den Kriegsausbruch unterbrochen.

Trotz der Ungunst der Zeiten wurden die Pläne im Sommer 1920 wieder aufgenommen. Das alte Hotel Böley am Maiplatz war 1914/15 abgebrannt. Der Fabrikant Willi Bald hatte den Bauplatz gekauft und schenkte ihn der Stadt Plettenberg zur Errichtung eines Rathauses. Der abseits liegende alte Pferdestall war nicht mitverbrannt, aber völlig verkommen. Auf Antrag stellte die Stadt diesen Pferdestall für die Errichtung der geplanten Jugendherberge zur Verfügung.

Um aus diesem verkommenen Trümmerhaufen wohnliche Räume zu schaffen und mit allem Notwendigen zu versehen (Betten, Schränke, Tische, Stühle, Beleuchtung und Bilder), war eine unwahrscheinlich große Arbeit nötig und erforderte eine nimmermüde Sammeltätigkeit Unter Leitung des Architekten Julius Blaschke gelang dieses Werk. Die beiden konfessionellen Jugendorganisationen und die Arbeiterjugend unter Leitung des späteren Stadtdirektors Heinrich Kordes führten die Arbeiten aus.

Diese Zusammenarbeit erregte damals großes Aufsehen. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie kraß und feindselig damals die Gegensätze zwischen den Parteien waren. Das Sammeln wurde dadurch erschwert, dass die gesammelten Beträge immer wieder entwerteten.

Schließlich gelang das Werk. Im oberen Stockwerk waren zwei Schlafräume, das ganze Erdgeschoss war der Tagesraum mit Tischen, Bänken, Schränken, Regalen, Tischdecken, Bildern, Töpfen und Porzellan ausgestattet. Die elektrischen Lampen waren an einem von der Decke herabhängenden alten Wagenrad befestigt.

Am 22. Mai 1922 wurde die Herberge eingeweiht. Morgens hielt in der Klickmecke im Hestenberg Pastor Stürmer, Lüdenscheid, einen Festgottesdienst. Nach Besichtigung der neuen Herberge fand dann in der Burgruine Schwarzenberg die eigentliche Feier statt, bei der Richard Schirrmann die festrede hielt. Nachbarkreise halfen bei der Ausgestaltung der Feier durch Volkstänze, Lieder usw. mit.


Die Herberge war nur für männliche Benutzer bestimmt. Für die Mädchen war in der alten, baufälligen Töchterschule am Maiplatz eine sehr provisorische Herberge eingerichtet. Die Behaglichkeit der neuen Herberge wurde schnell bekannt. Die Besucherzahl wuchs von Jahr zu Jahr. Die Leitung hatte Herr Lehrer Alfred Schmidt.


Dann musste in Plettenberg das Postamt errichtet werden. Die Oberpostdirektion Dortmund verlangte, dass man zu diesem Zweck den ganzen Bauplatz des früheren Hotel Böley zur Verfügung stellen solle, andernfalls würde das Postamt am Bahnhof Plettenberg erbaut werden. Diese Drohung war unberechtigt. Der wirtschaftliche Mittelpunkt von Stadt und Amt Plettenberg lag stets in der Stadt Plettenberg. Die Stadtverwaltung ließ sich aber einschüchtern. Entgegen der Auflage des Schenkers übertrug sie den Bauplatz an die Postverwaltung. Die Folge war, dass in Plettenberg die Herberge 1931 abgebrochen werden musste.
Es hat dann sehr viele Jahre gedauert, bis auf dem Hirtenböhl die neue, große und stolze Jugendherberge erbaut wurde.